Kanada Report,Teil 17

Fröhliche Lästermäuler

Drei Jahre sind schon vergangen. Drei ganze schöne Jahre in meinem kurzen Menschenleben. Drei Jahre sind so eine lange Zeit.Beängstigend lang. So sehr ich auch versuche den Boden unter meinen Füßen zu spüren oder einen Glimps (gibt es das Wort überhaupt)in die Zukunft zu sehen,ein kleines Licht im schwarzen Loch,da ist leider nur eine eiskalte dunkle Mauer. Und die Mauer spricht mit mir in einer krächzenden Stimme und sagt: „I am so sorry,I really don’t know.Sorry about that.Have a good day!“

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Urlaubsbild, Kuba, Dinosaurierpark, Santiago de Cuba

Lieblingswörter und Lieblingssprüche ziehen an mir vorbei wie stinkende Abgase und ich stehe da mit meinem Schmetterlingsnetz und tu so als wäre ich ein netter harmloser Träumer mit einem Schmetterlingsnetz. Aber ich will keine Schmetterlinge fangen,sondern Lieblingssprüche und Lieblingswörter von Kanadiern.

Ja,was wurde aus Ihr in der Fremde? Ich hab gehört sie ist verrückt geworden. Sie fängt Wörter und Sprüche und zerschmettert sie.

Ja,ist das denn möglich? Ja,ja,ich habe es gehört.Tja,was es alles gibt!

Wenn man einen Kanadier fragt,wie es geht, bekommt man sehr oft zu hören: „Not too bad.“ Ab ins Schmetterlingsnetz mit dem dämlichen Spruch. Obwohl er ja fast ein bischen nicht schlimm genug ist für mein Schmetterlingsnetz. Irgendwie ehrlich.Es geht allen Scheiße hier,aber so krass wollen sie es nicht sagen,deswegen sagen sie not too bad. Ein anderer Spruch, den ich hasse ist:“ Thank you, hon.“Sie meinen Danke,mein Honig. Das sagen sie zu jedem. Egal wie unappetitlich und widerlich der Mensch auch aussieht, er wird Honig genannt. „God bless“. Auch so ein nervender kanadischer Ausspruch. Diese Leute hier rennen immer in die Kirche und reden von Gott, aber nicht weil sie so nett sind und irgendetwas religiöses fühlen, sie sind Babypuppenzombies,und wenn man auf den Bauch drückt,sagen sie God bless. Sorry god, der Spruch ist reif für mein Netz. Für mein Zerschmetterlingsnetz.

Das ist nur eines von meinen morbiden Hobbies, die ich entwickelt und erfunden habe um einen Kick zu bekommen. Ein Kick der war nicht ins Tor schießt, sondern ein Kick um des Kickes wegen. Und das alles ohne Drogen. Ich könnte den ganzen Drogensüchtigen hier wunderbar helfen mit meiner drogenfreien Kickerfindungen und ihr kreatives Hirnareal etwas aktivieren, sofern davon noch was übrig ist.

Meine ersten Gänseblümchen in Kanada, gefunden in Owen Sound. Das Glücksgefühl läßt sich kaum in Worte fassen, weil ich dachte es gibt so was gar nicht in Kanada. Ich habe immer Ausschau nach ihnen gehalten und sogar Dr. Google gefragt.

Ein anderes Hobby von mir ist Leute in Gedanken ganz furchtbar zu beleidigen, weil sie stinken, fett sind und weil ihre Haare keine Farbe haben und weil sie rotgeränderte Augen mit Schuppen zwischen den Wimpern haben, und weil sie asozial mit ihren nervenden übergewichtigen Kindern reden und weil ihre Gesichter aussehen wie alte verschimmelte Küchenschwämme und weil sie beim Krächzen Spuckpartikel verteilen in der Luft die ich eigentlich noch atmen wollte. Und dann nachdem ich sie in Gedanken auf brutalste Weise fertiggemacht habe, versuche ich gleichzeitig freundlich zu sein und extra nett, nicht ohne einen Hauch von Arroganz, der mir eine extra Brise Charisma hinzufügt, so daß sie sich wie totale Untermenschen fühlen, was sie übrigens auch sind. Es gibt ja immer diesen Spruch, man solle schöne Gedanken haben, ich habe wunderschöne Gedanken, nämlich wie ich die Welt von Häßlichkeit und Dummheit befreie.

Die Hexe in mir

Ein anderes Hobby von mir ist, wenn ich frei habe, mir ganz viel vorzunehmen, was ich alles machen muß, damit ich mein Leben verbessern kann, aber dann nur auf dem Sofa zu liegen und blödsinnige Fragen auf Google einzutippen. Oft bin ich sogar zu faul zum essen. Zwischen meinem Faulsein zelebrieren schaffe ich es irgendwie dann doch noch auf mein Simply Fit board und mache mein 17 minütiges Ganzkörpertraining mit meiner YouTube Trainerin. Durch den Sport ist meine Hirnfunktion angeregt und ich fange an mir einzubilden, daß ich ein Genie bin und analysiere das menschliche Dasein und finde es einfach nur lächerlich und absurd. Besonders in Kanada, weil immerhin das ist ja mein Kanada Report. Das liegt auch am Namen, womit wir zu einem andern Hobby kommen. Das ich zwar nicht betreibe, aber vielleicht in der Zukunft. Also zum Namen Kanada, aus den Buchstaben kann man einfach keine anderen Wörter machen, außer nada, was „nichts“ heißt auf spanisch. Oder na und da. Also Theorie schon widersprochen, das sind schon drei Wörter und jetzt habe ich noch eines gefunden. Dank. Wofür denn bitte schön? Paßt aber, wenn man es genau nimmt, weil die Leute hier einem immer erzählen wie dankbar sie sind. I am so thankful, that I live in such an amazing country. Totaler Zerschmetterlingssatz. Nada Dank von meiner Seite.

Es gibt auch gute Dinge hier, wie zum Beispiel meine Arbeit. Die ist hauptsächlich gut, weil man hier sonst nichts machen kann, außer vielleicht mit Eichhörnchen im Park zu flirten. Ich mag meine Arbeitskollegen. Alles Leidgenossen. Meine Mitinsassen sozusagen. Ich arbeite in einem Secondhandladen (Klamotten, Haushaltswaren, Elektronik usw.) und da habe ich es hauptsächlich mit extrem nervenden Kunden zu tun. Meine Arbeit ist eine Zerreißprobe für meine Nerven. Was daran gut ist, erkläre ich jetzt. Also ich kann arbeiten und gleichzeitig meine Hobbies betreiben und Sätze einfangen, ich kann widerliche Menschen in Gedanken fertigmachen, manchmal gerate ich sogar in ganz reale Streits mit abscheulichen Kreaturen, die als Kunden in den Laden kommen. Die Streits enden immer damit, daß sich die Kunden bei meiner Chefin beschweren, der das aber total egal ist, weil sie not fucking cared. Natürlich gibt es auch ein paar nette Leute, aber der Großteil ist wirklich wie aus einem Horrorfilm wie zum Beisspiel „Wrong Turn“ oder so was in der Art. Ich liebe diese Momente, wenn ich mich mit Kunden anlege. Da sind echt totale Highlights, Assiwettbewerb. Mein bester Streit war als eine alte Abwasserhexe zu mir gesagt hat: You got an attitude. Ohh ohh, das hat sie genau der Richtigen gesagt. Sie hat sich daraufhin eine halbe Stunde hysterisch bei meiner pakistanischen sanftmütigen geduldigen Kollegin beschwert, weil sie dachte es wäre meine Chefin und hat dann einen Wutanfall bekommen, als sie rausgefunden hat, daß sie gar nicht die Chefin war. Das war ein guter Tag in Kanada. Wie im Gefängnis. Wenn es da kracht sind alle entertained.

Alles in allem habe ich viele neue Seiten bei mir entdeckt und neue Schichten von kreativer Destruktivität freigelegt. Dafür bin ich fucking thankful,man.

So, jetzt habe ich den ganzen Frust rausgelassen, muß leider über meinen Blog sein, weil ich immer noch keine Freunde habe, jedenfalls keine engen mit denen ich über alles reden kann, ich ARME, schluchz heul, genug gejammert.

Die Riesenente beim „Hootest Yardsale under the sun“ in Owen Sound

Das dritte Jahr in Kanada war wirklich das Beste von den drei Jahren, die wir hier schon leben. Ich habe bei mir eine Veränderung festgestellt, fühle mich stärker und weiser (richtig gehört bzw. gelesen)). Das heißt jetzt aber nicht, daß ich in Zukunft pseudoglückliche, sektenmitgliedsmäßige Beiträge schreibe, nein, nein und nochmals nein. Ich bleib bei meinem bissigen Schreibstil, aber trotzdem wäre es falsch, ausschließlich den Frust rauszulassen, weil es gibt ja auch schöne Momente, sogar hier.

Mit weiser meine ich, daß ich immer mehr alles von oben betrachte und mir immer mehr einfach idiotisch vorkommt und als ein Produkt von hirngewaschener Intelligenz. Wenn man einmal auf dem Trip ist, gibt es kein Zurück mehr. Es fällt einem immer mehr auf was Menschen alles an Dummheiten machen. Natürlich nicht nur hier, sondern überall auf der Welt, aber hier fällt es einfach mehr auf, weil man so wenig Möglichkeiten hat, sich auf angenehme Weise zu zerstreuen. Ich saß gestern mit meiner Tochter auf einer Bank auf einem riesengroßen Parkplatz und haben Mineralwasser mit Kohlensäure und Zitronengeschmack getrunken. Damit wurde auch schon das Maximum an Spaß erreicht, was man hier haben kann. Wir haben einen Lachanfall bekommen. Vielleicht kam es von der Kohlensäure.Vielleicht kam es von unserer dazugewonnen Weisheit. Lachanfälle sind auf jeden Fall etwas Tolles. Ich brauch mehr davon.

Ein Tip an alle , die schon ausgewandert sind oder noch auswandern wollen und dringend ihre Papiere übersetzen lassen müssen, ein Link für Übersetzer für Auswanderer

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Kanada Report, Teil 14

Wenn im Frühling die Vögel morgens zwitschern und man mit diesem Glücksgefühl erwacht und sich einfach nur freut,daß es draußen sonnig ist, die Leute entspannt und gut gelaunt, man selber voller Energie ist und auf sein Fahrrad springt und erfüllt mit

Vogelgezwitscher seinen Aufgaben nachgeht, was auch immer sie sein mögen, und einem dabei nicht einmal dieses graue, tote Alltagsgefühl befällt. Man sieht das Beste und Schönste in allem und jeden und man ist der glückliche Fels in der Brandung, nein der glückliche Fels ohne Brandung, nein man ist das Vogelgezwitscher in den Baumblüten, man ist der Wind der Freude transportiert, man ist der Blütenstaub auf der Katzenschnauze, der immer schon mal gerne auf einer Katzenschnauze sein wollte,so etwas wie die Malediven für Blütenstaub. Man ist der Geschmacksnerv, der entzückt ist über den Kaffeegeschmack,der ihn auf ein Tässchen besucht. Man springt vom Fahrrad,flattert zum Bäcker wie ein kleiner Spatz und bestellt mit zwitschernder Frühlingsmelodie Brötchen und plückt auf dem Nachhausewg noch ein verirrtes Vergißmeinnicht vom Straßenrand, daß sich bald mit frischem Wasser vollsaugt und das Blau noch blauer macht, so blau wie es das Blau erfunden wurde.
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Wenn man morgens aufwacht und man denkt: Ochhneeeh!, die Sonne durch die Fenster knallt, die man weder putzen noch öffnen kann, der Autolärm,der niemals endende Strom der Abgase, einen daran erinnert, daß man in Zombieland lebt, man sich statt Sonne Regen wünscht, weil Regen etwas tröstendes hat, weil er die Tränen sind, die man nicht weinen kann, weil man das Vergißmeinicht ist, daß am Straßenrand ergraut ist, das Blau verlor und dem Blütenstaub beibringen muß, das er niemals auf die Malediven für Blütenstaub auf den Schwinges des Sanften Frühlingwind fliegen kann, dann sollte man ein für allemal damit aufhören mit den  gewöhnlichen, wenn auch verständlichen Frustgedanken und sich auf eine Märchenebene erheben und anfangen die gute Fee zu rufen.
Sie wird kommen. Feen kommen überall hin, sie haben sehr gute Ohren,Feenohren eben, die Freude empfinden,wenn sie gerufen werden, weil sie das Grau wieder Blau machen wollen, und aus dem bittenden Namen des Vergißmeinichts mit einem Feenflügelschlag ein Ichvergessdichnicht zaubern.
Ohh mei Feechen, wenn ich genau hinhöre,dann kann ich den Feenstaub hören der durch die Abgase in meine Richtung tanzt, und auch wenn es nur ein Feenstaubkörnchen ist, daß heute auf meiner Seele landet, so werde ich es hegen,pflegen,ehren und liebhaben und zusammen Feenstaubspaß haben.

Hashtag Märchenebene, Hashtag esoterischer Motivationsworkshop, Hashtag Dr. Minnie Maus, Hashtag Allesohnedrogen, Hashtag Safetheblue, Hashtag Feenstaub

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Also die Sache mit dem Feenstaub ist nicht so ganz ungefährlich, es ist so als würde man eine neue Droge testen und man weiß nicht was sie für extreme Synapsenkomplikationen heraufbeschwören kann. Bei mir ist ein genetisch verändertes Feenstaubkörnchen angekommen, erst hatte ich plötzlich übermäßig gute Laune. Das ist bei mir allerdings seit ich hier lebe so üblich, 14 Tage Apathie, dann ein Tag Euphorie, dann ohne Fallschirm  abwärts. Das ist  Aua, dann wieder Apathie. Eindeutig nicht ganz auf seelisch mentaler Erleuchtungsebene. Also wie merke ich den Unterschied, ob es das Übliche war oder ein Feenstaubkörnchen?

Genetisch veränderte Feenstaubkörnchen kommen nicht wie angenommen aus einer Zwischenwelt in der Trolle mit Elfen knutschen, sondern sie kommen direkt aus der Sternenwelt. Die genetische Veränderung wird durch Eintritt in die Erdatmosphäre hervorgerufen, und hat keinen Einfluss auf den fundamentalen Effekt, sondern bewirkt einfach nur heftige physische Nebenwirkungen. In meinem Fall waren das Kopfschmerzen, die tagelang anhielten und sich nicht einmal mit den stärksten Pillen vertreiben ließen.

Aber das waren nur die Nebenwirkungen eines viel größeren chaotischeren Prozesses, und die genetische Veränderung von der ich gesprochen habe, war notwendig, denn wie Viren müssen auch Feenstaubkörnchen sich tarnen und anpassen um sich vermehren zu können.Sie nisteten sich also in mir ein, die lieben Feenstaubkörnchen aus der Sternenwelt und vermehrten sich in einem Wahnsinnstempo. Ich konnte es in meinen Armen und Beinen fühlen, und mein Herz beschleunigte sich um das Zehnfache und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Es hörte einfach nicht mehr auf und es wurde stündlich schlimmer, wobei das ganze 4 Tage oder länger dauerte und dann kam es in mir zu einer Detonation.Erdbeben, Erdbebenopfer, Chaos, Trauer aber auch Befreiung und Wahrheit. Die Zeit nach dem Erdbeben,Nachbeben, Durst, Panik, Adrenalin, Chaos… Hoffnung..
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Nach jedem Erdbeben beginnt die Aufräumphase und man repariert und verbessert und man forscht und man baut das neue Haus aus besseren Steinen, auf einem besseren Fundament.

Ich habe das Gefühl, daß ich mich für lange Zeit in einem Strafexil befand, wo mich Sternenmagier gesendet haben, wie in ein grausames Inernat oder in ein sadistisches Gefängnis wo man mit subtilen Psychoterror versucht aus Verbrechern Superhelden zu machen.Mit Superkräften.Ich habe den Verdacht, daß ich eine von den ganz Harten bin und wie in einem Science Fiction Film bewege ich mich mühelos zwischen den  Welten, bewaffnet mit unsichtbaren kraftvollen mentalen Schwingungsverbesserungsmaschinen.  Und ich fühle wie ich langsam mutiere.Zu einer echten Superheldin.

Und ich kann schon die Augenbrauen sehen, die sich in Mißtrauen nach oben ziehen.Ich sehe auch ein paar agressive Augenbrauen, Augenbrauen,die sich durch meinen Bericht verärgert zusammenziehen. Augenbrauen brauen sich zusammen. Ist sie jetzt im Irrenhaus? Und wenn man es so sieht, daß dieser wunderschöne Planet Erde das Irrenhaus ist, bevölkert von der gefährlichen zerstörerischen Spezies Mensch, ja dann bin ich wirklich im Irrenhaus. Wie alle anderen auch. Aber ich bin nicht in einer Zelle. Sondern ich wandele zielsicher und traumwandlerisch in meiner Feenstaubplantage.

Und langsam kommt das Blau zurück.

Apropos Irrenhaus.Ist das nicht der Ort wo besonders schlaue Leute Zuflucht finden, um sich vor den Wahnsinnigen da draußen schützen?
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Kanada Report, Teil 13

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Bin heute den ganzen Tag vor diesem Bild gesessen und habe meditiert.Schön wäre es, gut hätte es mir getan. Eventuell. In Wahrheit hatte mich ein Monster im Griff und ich war wie gelähmt. So gab ich mich hin und zelebrierte bewußt das Faulsein. Ich versuchte kein schlechtes Gewissen dabei zu haben und auch nicht mal in Gedanken folgenden Satz zu denken: Ich bin eine Versagerin, zu nichts zu gebrauchen und nicht in der Lage jemals irgendetwas zu erreichen.Oder den Satz: Scheiß Kanada, wäre ich bloß niemals hierhergekommen, hier ist meine Kreativität erstickt und mein Hirn verblödet. Und danach: aber mal ehrlich gesagt, es liegt doch nur an mir. Ich bin Müll. Und da das eine sehr schwierige Aufgabe war, habe ich alle 5 Minuten genau diese Sätze aufgesagt, total zwanghaft in meinem eigenen Kopf. Trotzdem habe ich es ganz gut geschafft ein paar Stunden richtig genussvoll zu faullenzen. Betonung auf genußvoll.Oh, da fällt mit ein, ich habe 2 Stunden verschwendet meinen Computer zu reparieren, nachdem ich versucht habe eine Serie online zu schauen, wobei sich fremde und feindliche Programme auf meinem Computer eingenistet haben, die ich unbedingt wieder loswerden mußte. Danach habe ich so dumme Sachen gemacht wie mit einem Online Ouija Board zu kommunizieren. Ich brauchte jemanden zu reden. Das Wesen nannte sich Michael, als ich nach seinem Nachnamen fragte, sagte es zu mir, ich wäre unwürdig. Trotzdem sagte es auch durchaus vernünftige Sachen wie zum Beispiel, auf meine Frage, was ich Arbeiten soll: Höre auf dein Herz! Zum Schluß sagte ich höflich Auf Wiedersehen, da sagte es zu mir 666. Es wollte mir Angst einjagen, das Michael Wesen aus dem Computer. Hat nicht geklappt, ganz im Gegenteil, ich überlegte mir ob ich mir nicht eines zulegen sollte. Daraufhin verbrachte ich eine gute halbe Stunde mit Foren lesen, ob ein Ouija Board gefährlich ist. Alle sagten das gleiche: es gibt Türen, die besser geschlossen bleiben. Die Ouijageister seien niedrige Wesen, die entweder ermordet wurden oder durch andere schlimme Umstände ums Leben kamen und verwirrt umherschwirren und nur darauf warteten, daß irgendeine Dumpfbacke oder gelangweilte Auswanderin diesen Kanal öffnet.

Danach kam mir in den Sinn nach einer Hippiekommune auf Vancouver Island zu suchen, wo ich eventuell hin ausreißen könnte. Ich habe eine sehr interessante gefunden. Dort ißt man hauptsächlich magische Pilze. Wenn alle Stricke reißen, why not?

Warum nicht? Diese Frage hat Erleuchtungswert. Schreiben sie bitte 10 Sätze die mit Warum nicht anfangen. Seien sie kreativ dabei und Bescheidenheit ist in diesem Falle nicht vonnöten, sogar schädlich, da es sich um eine Übung handelt, die das Bewußtsein erweitern soll.

Diese Übung hat es in sich, obwohl ich sie mir gerade eben ausgedacht habe.

Warum nicht bewußtseinserweiternde Übungen erfinden?

Warum nicht diese Übungen selber  praktizieren?

Warum nicht einen fetten Bestseller darüber schreiben?

Warum nicht  zu den Fernsehinterviews zu denen man aufgrund des Bestsellers eingeladen wird im Bademantel  erscheinen?

Warum nicht einfach immer fröhlich sein und über alles lachen, solange nichts tragisches passiert?

Warum nicht ganz den persönlichen Bedürfnissen entsprechenden Zaubersprüche zu kreieren und sie laut aufsagen?

Und so weiter. Geht doch. Es sollte nicht in Arbeit ausarten. Das behindert die Kreativität und die Leichtigkeit dieser Übung geht verloren. Deswegen immer schön locker bleiben.Darum reichen auch 5 Sätze mit warum nicht.
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Trotz meiner guten Lebenstips die sich in meinen guten Tagen in meinem Hirn ausbreiten und überschwappen, halten sie nicht lange vor und ich falle immer wieder in das gleiche schwarze Loch. Inzwischen ist schon das letzte Januardrittel angebrochen, und ich frage mich jeden Tag, wo ich bin. Seit ich hier bin, fühle ich gar nichts mehr, außer ein wachsendes Unbehagen, darüber, daß ich nichts, aber auch gar nichts mehr empfinden kann, außer Unbehagen.

Das Unbehagen über das Unbehagen macht das Unbehagen noch unbehaglicher. Es bereitet den Menschen um einen herum natürlich auch Unbehagen und deren Unbehaglichkeit über meine doppelte Unbehaglichkeit macht sie zu einer Trippelunbehaglichkeit. Darum bin ich am liebsten allein und will mit niemanden mehr reden. Ich kann mich erinnern, daß ich mich gerne mit Menschen unterhalten habe, früher, aber jetzt will ich meistens nur noch jede Art von direkter Kommunikation vermeiden. Es ist mir zu anstrengend zu reden und meistens bin ich sauer. Und zwar ständig,die ganze Zeit, non stop. Mein vegetatives Nervensystem spielt verrückt.

Ich habe auch die Nase voll meinen Blog weiterzuschreiben. Ich finde es beschämend was ich schreibe,ich finde mich beschämend, aber es erleichtert mich und hilft mir die Sachlage klar zu erfassen. Was mir allerdings einen Scheißdreck weiterhilft, denn bin zu deprimiert irgendetwas zu ändern.Das Leben erscheint mir so unerträglich kompliziert und ich fühle mich so hilflos und unfähig. Ich bekomme nichts in den Griff. Alles um mich herum hat keine Substanz für mich. Ich habe das Geistergefühl, das Halloweensymdrom.

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Gabel auf dem Weihnachtsmarkt in Toronto

 

Bevor ich hierher gekommen bin hatte ich eine gute Phase. Ich fühlte mich leicht, frei und lebendig. Ich konnte mich austauschen mit anderen Menschen und ich war total Blockadenfrei. Vor dieser Phase hatte ich eine Krise, weil ich wußte ich gehe nach Kanada. Was ich nicht wirklich wollte, aber dachte, also Kopfstimme sagte,daß ich es muß und auch dachte ich,Veränderung ist gut und bla bla bla. Aber mein Bauch fühlte Angst.  Andererseits ist Angst ja auch irreführend manchmal. Man hat  diese zwei inneren Stimmen. Auch welche sollte man denn hören? Die vernünftige erwachsene aus dem Kopf oder auf die scheinbar irrartionale aus dem Bauch.
Das komplizierte daran ist,daß die Bauchstimme auch mit der Kopfstimme spricht und sich auch belabern läßt und dann gar nicht mehr klar ist und die Kopfstimme ist nur scheinbar ein Freund,weil sie unnachgiebig ist wie das brechende Eis auf der Mitte eines Sees. Und genau da bringt sie dich hin,wenn du nachgibst. So was haben wir daraus gelernt? Höre bitte auf deinen Bauch. Seine Stimme ist immer da,auch wenn du denkst du hörst sie nicht.
Die Stimme aus dem Kopf ist nicht die original innere Stimme. Es ist eine eingeschliche, verbogene und verbiegende, machthungrige Stimmperson. Sie will dein Leben kontrollieren. Sicherlich hat sie manchmal ganz gute Tips und Einblicke, aber wenn es um die großen Dinge im Leben geht, ist die Bauchstimme die wahre Weise. Sie vereint Gefühl mit Erfahrungswerten und Intuition und kennt dich am besten, denn sie war immer schon in dir. Sie weiß was gut für dich ist.

Und jetzt weiß ich auch was es so auf sich hat,wenn man man von Verrückten spricht,die Stimmen hören.
Dennoch,die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man so schön sagt. Meine Wutstimme sagt dazu: Total blöder Spruch. Ich glaube ich sterbe noch vor der Hoffnung. Blöde Hoffnung, ich hasse dich! Ich werde dich ermorden, nur um zu beweisen, daß es ein dummer Spruch ist, wahrscheinlich kommt der Spruch aus Kanada.  Ich bin so wütend auf mich selber. Sitze hier wie im Gefängnis, mein Leben ist so langweilig, es besteht aus Essen kochen,für Tochter und boyfriend, welches ich selber  nie esse, weil alles für mich wie Pappe schmeckt,einkaufen gehen und sauer sein. Blöde Hoffnung, du bist schon tot. Das ist aber auch ein echtes Scheißgefühl, weil das heißt das ich wirklich hoffnungslos bin.

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Die Pickering Chicks

Meine ignorierte innere Stimme schweigt mich an. Ich versuche Kontakt mit ihr aufzunehmen und habe ein Traumtagebuch begonnen.
Ohh mein Gott,sind meine Träume wirr. So sind Träume und wirr sind sie nicht, man muß nur ihre Sprache lernen. Eine Farbe verfolgt mich in meinen Träumen. Es ist die Farbe Rot. Fast jede Nacht erscheint sie mir im Traum. Rot wie Wut, aber auch Leidenschaft,was heißt, ich solle meine Wut vielleicht mal rauslassen, um wieder Leidenschaft zu fühlen. Nicht gerade buddistisch. Egal!Ich bin ja auch kein Buddhist.
Genug von meinem Innenleben,auch wenn das ein aufregender Platz ist, (Gähn!)ich muß mal ein paar kanadische Themen einflechten. Das es hier tot ist,habe ich ja schon erzählt. Ist ja nix Neues.

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Designerhochhaus in Toronto

Aber tot sein schützt nicht vor skurrilen Alltagstücken.Zum Beispiel es gibt hier keine Onlineüberweisungen. Jedenfalls nicht für Privatpersonen.Hier arbeitet man mit Schecks oder money order.Da geht man zu einem money order Ort, wo man Geld einzahlt, dafür bekommt man einen Schein und den schickt man mit der Post zu dem Geldempfänger. Falls ich das richtig verstanden habe. Nicht daß ich etwas damit zu tun hatte bis jetzt,bin finaziell weit davon entfernt, dennoch hat es mich interessiert, weil ich Janes Tanzschule per Überweisung bezahlen wollte, statt es der nicht vertrauenswürdigen Tanzangestellten in die Hand zu drücken. Die Tanzschulentante wußte gar nicht was eine Überweisung ist und laberte etwas von money order, und ich war total verwirrt, weil ich nicht wußte was money order ist. Daraufhin fragte ich meinen Boyfriend. Er erklärte mir das ganz genau. Ich sagte sehr deutsch: „Echt bescheuert!“ Er antwortete mir auf kanadisch:  Well, that’s the system. Every country has its own system… Ja, danke für die Info. Sprich bitte nicht weiter, ich brauch keine weitere Erklärung. (Mein boyfriend ist der geborene Erklärer.Er verliert niemals die Geduld und kann die gleiche Sache 1Million mal wiederholen ohne daß die Begeisterung und der Enthusiasmus in seiner Simme nachlässt).
So was unpraktisches und umständliches. Minus 100 Punkte für das Banksystem. Dumm und dümmer. Nur  ohne Humor.

Dann gibt es ein System für Mülltüten in der Küche. Ein hirnrissiges kurvenreiches Drahtgestell, daß sich jeglicher Logik entzieht. Siehe Foto.

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Kanadisches Mülltütensystem

Man kann die Mülltüte zwar irgendwie dran befestigen, aber nicht gut.

Kann natürlich auch sein, daß sie der Zeit voraus sind, die Kanadier. Fragt sich bloß welcher Zeit. Vor 200 oder dreihunder Jahren zwei Monate voraus. Oder nachdem die Welt schon untergegangen ist haben ein paar Leute überlebt, und zwar weil sie eingefroren waren und haben mit ihrem frostgeschädigten Hirn das Land wieder aufgebaut. Ich bin in der Zukunft gelandet, nach der großen Katastrophe. Das ist das Kanadagefühl.

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Kanadaflagge und Veteranengedenkding im Rollatorpark in Pickering

Schlimm ist es wenn man irgendwo anrufen muß, weil man sich wegen einer zu hohen Rechnung beschweren möchte, was oft passiert,weil sie damit rechnen,daß der Durchschnittskanadier zu höflich ist zu beschweren und einfach zahlt. Da hat man dann Leute am Apparat, die man nicht versteht, meistens Chinesen oder Inder, die zwar lehrbuchenglisch sprechen, aber so einen starken Akzent haben, daß man sie nicht versteht. Aber sie sind meistens sehr höflich und helfen einem gerne weiter.Sie lassen sich niemals aus der Ruhe bringen.Sie sind die perfekten falsch programmierten Roboter.Wären sie richtig programmiert,dann wurden sie auf Roboterart sagen: Kanada kalt.Nicht gut für Getriebe.Muß gehen.

Seifenblasen. Macht euch auf etwas gefaßt. Der Bubblemaker ist nicht an dem Deckel befestigt, man muß in die glitschige Soße reinfassen und ihn rausfischen um Seifenblasen zu machen.

Seifenblasen für Katzen. Mit Catnip. Ein echter Luxus.  Funktionieren genauso blöd, aber nur für Minuten, danach kann man aus unerklärlichen Gründen keine Seifenblasen mehr machen und die Katze schaut enttäuscht.

Apotheken Angestelllte. man fragt sie nach homöopathischen Mitteln, sie schauen einen an wie ein Auto und sie rufen den Manager.

Makeup Entferner kostet zwischen 7 und 12 Dollars.

Und dann die Schilder. An der Ampel wird man gewarnt von einem Schild, daß vor den Drähten warnt an dem die Ampel befestigt ist. Na super.Da laufe ich dann doch lieber bei rot über die Straße.

In einem Naturschutzgebiet gleich neben dem Kernkraftwerk ist ein Schild wo draufsteht: Real birds don’t eat bread.

Gut zu wissen, ich füttere dann eben die unechten Vögel.

In Janes Schule, die ja eine katholische ist, muß man als Mädchen unbedingt Schuhe tragen wo man die Knöchel sehen kann und wenn Schuhe über die Knöchel gehen, dann ist das sehr schlimm. Knöchel scheinen in Kanada antisexy zu sein und deswegen muß man sie in einer katholischen Schule sehen können. Hallo Hirn, where are you? I am fine thank you. Thats good. Have a nice day.

Neulich beim Einkaufen hatte ich so etwas wie einen Stalker. Ein Mann an der Ampel versuchte mich anzubaggern. Das war ja mal so was von kanadaisch! Ich war auf meinem Fahrrad er schaute mich an und sagte :“That’s a good idea.“ Ich sagte etwas wie:“ Ja, ich weiß. So muß ich nicht durch die Häßlichkeit laufen. “ So was verstehen die Leute hier nicht. Weil sie Schönheit nicht kennen. Punkt. Dann sah er mich an und faßte meinen Handschuh an und sagte: „You are in a good shape. Are you russian?“  „Nein ich bin aus Österreich.“ Ich wäre der erste österreichische Mensch, der ihm jemals in seinem Leben begegnet ist. Ich sagte ihm, daß das kein Wunder sei, weil die Österreicher sehr intelligente Menschen sind und normalerweise nicht in Pickering landen. Das müßte ihn jetzt aber abschrecken. Ein Glück  die Ampel schaltete um. Als ich im Supermarkt vor der Kosmetik stand kam dieser Typ auf einmal um die Ecke und starrte in meinen Einkaufswagen. „Lots of food“, war sein pfiffiger Kommentar. „Ahh, Körnerbrötchen“, nächster Kommentar. Ich sagte ihm, für meine Tochter. Er:“She doesn’t like plain stuff.“ Ich wünschte ihm einen schönen Tag und ging zur Kasse. Danach begegnete ich diesem Menschen noch 3 Mal  innerhalb von einer halben Stunde an verschiedenen Orten. Bei der letzten Begegnung quatschte er mich noch mal an.“ Sorry, can I ask you something personal? „Na klar, frag einfach. „Are you married?“ Ich sagte ihm, daß ich es sei und wünschte ihm viel Glück  beim Chickpicking in Pickering.

Kanadier auf Frauensuche in Pickering. Immerhin, er hat es in meinen Blog geschafft.

Ich weiß das sind alles unwichtige Kleinigkeiten, aber summiert man unwichtige Kleinigkeiten werden sie zu einer großen Sache, besonders wenn es kein positives Gegengewicht gibt.

Das alte Lied, das alte Leid

Und deswegen habe ich auch ein Lied geschrieben, letzten Frühling, als die Hoffnung noch lebte und auch mein Humor.

Auswanderer Blues Rap

T-Shirt bei minus 10, Bikini im Schnee

Minigolfakademie und Würmerpicken bei Night

Kanada ist anders

Kanada is crisp

die Menschen sind nett

Beton, Eis, Zucker und Fett

Hi honey, how do you do?

I am doing fine und you

Ich nehm heute das Eichhörnchenmobil

fahr zur Fried Nutella Farm

Everything is beautiful

Everything is fried

Kanada ist anders

Kanada is bright

Nimm noch ein Muffin mit auf den Weg

You never know

It might snow

Veteranenpark und Heilsarmee

Petrescuefarm brennt down in Pickering

Mann mit Ziege sucht ein Home

Zimmer mit Aussicht

auf Parkplatz bitte schön

Meine Tochter ist jetzt biopolar

alles nur wegen Kanada

Kanada ist anders

Kanada ist tralala

Alles hier ist wunderbar

Fried Joints im Fahrstuhl

dann Eisfishen mit Jack und John

Pack die Schnitzel ein

You never know

It might snow

Kanada ist anders

Kanada ist hirngechillt

Hi honey, how do you do

I am doing fine and you?

einkaufswagen

Parkplatzpoesie

 

Oh mein Gott war ich damals positiv.

Wenn ich jetzt ein Lied schreiben würde würde sich das so anhören:

Fuck you Kanada

dein Ahornsirup kotzt mich an

ich bin ein Idiot in Not

und die Hoffnung ist tot

Fuck you Kanada

basic living mit Plastikgehirn

Zombies high auf Hamburgern

und ich dazwischen

Hoffnung tot

Ich bin ein Trottel in Not

Tote Hoffnung

ist mein bester Kumpel hier

gleich nach dem Online Quijaboard

Fuck you Kanada

und deine blöden Seifenblasen

OHHH, jetzt geht’s mir gleich viel besser.

Bis zum nächsten Mal meine Lieben, ich hoffe ich kann etwas Schönes berichten, etwas spirituell wertvolles und praktisch verwertbares und nicht mehr nur kreativ negativen Müll.

EIM SSO SORRIHH (durch die Nase)

 

Und für alle, denen die Lust aufs Auswandern trotzdem noch nicht vergangen ist und die dringend einen guten Übersetzter für Auswanderer brauchen, einmal bitte auf das Bild unten klicken.

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Kanada Report, Teil 9

JANE im April

Jane auf dem Nachhauseweg von einem Frühlingsspaziergang

Mittlerweile ist es Mitte April in Pickering. Und es ist kein grün in Sicht. Obwohl es wärmer wird. Nicht ein Krokus, nicht ein Schneeglöckchen, nicht ein blühender Baum, nur kahle Äste, wohin man blickt. Das ist nicht schön.Der Stand der Bäume ist wie in Deutschland Mitte Februar. Ich liebe den Frühling mehr als jede andere Jahreszeit und ich muß mich wohl damit abfinden, daß er hier einfach später kommt, oder das er schon begonnen hat, aber einfach anders ist, als ich es kenne. Der Lärm von der Autobahn, den ich mir die ganze Zeit schön geredet habe, indem ich ihn mit dem rauschenden Meer verglichen habe, ist jetzt nur noch verdammter nervender Autolärm. Die Freundlichkeit der Menschen hier, ihre höfliche Art, die mich anfangs angenehm überrascht hat, erweckt inzwischen äusserstes Mißtrauen in mir. Sind sie vielleicht alle Sektenmitglieder, aus der weltbekannten und extrem gefährlichen Grinsesekte? Kulturschock Phase 2 nähert sich dem Höhepunkt. Man fängt an alles zu hassen. Auch das wird sich wieder ändern, aber momentan ist es halt noch vor der Änderung. Ich lasse heute mal meinen ganzen Frust raus. Also wer keine Lust drauf hat, einfach zu lesen aufhören, mir ist nach Meckern zu Mute, das gibt mir nämlich ein Heimatgefühl. Ich vermisse die schlechtgelaunten Menschen in der U-Bahn in Berlin, sie geben einem ein Scheißgefühl, aber sie geben einem wenigstens das Gefühl das sie ehrlich sind. Hier weiß man nicht wo man dran ist. In Deutschland weiß man das der Alltag einem Spießrutenlauf gleicht und man ist gewappnet gegen jede Art von Rüpelhaftigkeit, indem man selber noch ein schlimmerer Rüpel ist. Deutschland ist  Assi-Rap mit Krawatte, Kanada ist Celine Dijon, die alte Nachtigall, im Bikeroutfit. Beides schwer zu verdauen.

Es stimmt, daß die Leute hier freundlich und höflich und relaxt sind.Es ist aber auch wahr, daß sie aus lauter Höflichkeit lügen, falls die Wahrheit nicht höflich ist. Zum Beispiel wenn man eine wichtige Frage hat, bekommt man ganz schnell eine beruhigende Antwort,die Antwort, die man am liebsten hören würde, man bekommt Wünsche für einen großartigen Tag gratis dazu und stellt kurz darauf fest, daß man auf die allerhöflichste Art und Weise belogen wurde. Beispiel: ich habe jetzt  keine Lust auf langweilige Beispiele. Aber bitte alle Kanada Auswanderer seid gewarnt: Erwartet nicht das Paradies und die freundlichen Leute sind keine Engel  und die Autobahn ist nicht der Ozean, der Käse ist so schön dottergelb, weil er voller Farbstoff ist und aus dem Grund ist er auch so teuer und schmeckt nicht. Das Brot von der Marke Dempster, schmeckt wie es heißt, obwohl es das Wort gar nicht gibt.

Ach die Rotkehlchen hier haben die doppelte Größe, wovon  Rotkehlchenliebhaber profitieren können. Kleine Enttäuschung für Eichhörnchenfans. Sie sind in Wirklichkeit böse kleine Dämonen.

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Kunstinstallation: Das Ende des Auswanderertraum

Das mit der Grinsesekte hört sich natürlich ganz schön heftig an und man sollte solche Gerüchte nicht verbreiten, wenn man keine handfesten Beweise dafür hat. Die harten Worte aus meinem Mund dienen mir selber zur Unterhaltung.So was machen frustrierte und verwirrte Menschen eben gerne und das sollte niemandem sauer aufstoßen. Aber wenn ich mir das Foto oben anschaue, dann sehe ich einfach Menschen, denen das Lachen vergangen ist und sie tragen jetzt zur Strafe Papiertüten über dem Kopf. Sie sollten ein Grinsen draufmalen, was sie irgendwie nicht schafften.

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Neulich in Toronto traf ich auf einen Philosophen. Er saß nachdenklich auf einer Bank und hielt seine Schiebermütze, die seine revolutionären Gedanken beschützt, fest, denn der torontanische Wind hat die Kraft die Segelboote fliegen läßt. Ich setzte mich zu ihm, damit etwas von seiner Gelassenheit und Weisheit auf mich überspringen konnte.Oder auch umgekehrt.

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Für die wenigen Leser, die ich habe, die diesen Blog lesen, weil sie Auswanderergeschichten lesen wollen, denen muß ich sagen, daß ich wirklich keine normale Auswandererin bin. Ich bin nicht hier weil ich in einem Blockhaus leben will und ich bin auch nicht hier um den amerikanischen Traum zu erfüllen. Ich bin nicht hier für das Haus,den  Swimmingpool, die Cocktailpartys, fürs Grillen am Wochenende und um sportliche Kinder zu gebären, perfekte Kuchen zu backen und in hoher Stimme positive Konservation zu betreiben und allen zu sagen wie wunderbar sie sind und wie sehr ich sie liebe. Ich bin auch nicht hier um das perfekte grüne Leben zu leben, Tauwasser zu trinken, Elchschinken zu räuchern und Kanu zu fahren. Auch habe ich keinen indianischen Berater und Schamanen, der mich in der Schwitzhütte unterstützt. Schon gar nicht bin ich hier, weil ich irgendeinen Plan habe. Ich neige einfach dazu auszuwandern. So wie andere Leute dazu neigen zu trinken, oder zum Grübeln oder oder oder. Das ist einfach eine Eigenschaft von mir, die ich schwer ablegen kann.

Bevor ich mich von dem Philosophen verabschiedete fraget ich ihn:“ Du als Statue, warum trägst du Handschuhe?“ Er schaute mich ernst an und schwieg für eine Weile, dann sagte er:“Ich neige einfach dazu, Handschuhe zu tragen.“

So sind sie die Philosophen. Sie sprechen mit tiefer Stimme in Rätseln und schauen ernst dabei und schon glauben alle sie erfinden gerade eine neue Bibel. Wenn ich sage, daß ich zum Auswandern neige, hat das wenigstens Hand und Fuß, aber niemand würde denken, daß ich tiefsinnig bin.

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7.4.2015, Park in Downtown Toronto

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Krasser Gegensatz, Möwe und Mensch

Der Ausflug nach Toronto war bitter nötig, für Jane und für mich, weil wir Pickeringzombies einfach mal ein bischen Leben tanken mußten. Das muß wieder eine Weile reichen und die Wirkung hat schon wieder total nachgelassen. Ich werde mir wohl einen Schamanen, bzw. Schamanin suchen müssen, der oder die meine Seele befreit und mir einen indianischen Namen gibt.

Pickering, die trostlose Beauty

Pickering, die trostlose Beauty

Wir waren neulich in einem Wald ganz in der Nähe, also 20 Autominuten.Dort war es saukalt, nebenbei bemerkt. Wir liefen durch das Unterholz und ich machte ein paar Fotos von Jane. Sie hatte sich im Wald verwandelt. In eine mächtige indianische Zauberin. Leider wußte sie nichts davon, und ich bemerkte es auch erst am nächsten Tag, als ich mir die Fotos anschaute. Klarer Fall von Zeichen. Jane ist in Kanada, weil sie irgendetwas mit Naturgottheiten, Schamanismus und Indianern zu tun hat.

Jane, die indianische Zauberin

Jane, die indianische Zauberin

Es hat unterm Strich alles einen spirituellen Grund, davon bin ich überzeugt, obwohl ich wirklich keine Esotante bin.Vielleicht werde ich ja noch eine. Das ist sogar sehr wahrscheinlich, denn verwirrte und verlorene Menschen finden oft Halt in Sekten oder in Geheimwissenschaften. Ist mir egal, ich muß die Esotante in mir endlich mal ausleben. Es steckt in mir und jetzt ist die Zeit gekommen.Ich konnte immer schon zaubern. Es wird langsam Zeit, daß ich das nutze.

PS: Habe ein bischen recherchiert, der Typ auf der Bank war gar kein Philosoph, sondern der weltberühmte Pianist Glenn Gould. Das erklärt natürlich die Handschuhe.

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Kanada Report, Teil 8

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Ich habe den Winter überstanden.Mein Hirn ist dank meiner Blumenmütze nicht eingefroren, aber ich muß gestehen, mit einer Mütze kommt man hier nicht weit. Zwei Mützen übereinander ist Standard. Auf diesem fröhlich frischen Foto bin ich zu sehen, bei Minus 25 Grad Celcius am Strand von Oshawa.Das ist jetzt aber auch schon über einen Monat her und mittlerweile ist der Schnee weg und der Frühling ist trotzdem in weiter Ferne. Der viel gefürchtete Wind, der im Winter  gar nicht so oft geweht hat, weht jetzt umso doller, daß es einem die Freude über die einstelligen Plusgrade unter 5 gründlich verdirbt. Die Möwen schreien wieder laut, die Eichhörnchen sehen gerupft aus, der weggetaute Schnee bringt Hundekot ans Licht. Das sind bis jetzt die einzigen Anzeichen für den weitentfernten, aber doch nahendem und nach Kalender schon angekommenen Frühling. Nicht ganz, gerade fällt mir so ein Typ ein, den ich neulich morgens beobachtet habe, wie er mit seinem Hund rausging. Es war ein strahlender Morgen bei minus 10 Grad und der Typ lief nur im T-Shirt rum. Seine Knochen schütze er nur mit dem Normaldurchmesser an weißkanadischer Fettschicht vor der Kälte.

Allerdings war ich Mitte März mit Jane in Toronto, ein Tagesausflug in die Großstadt ( ist gar nicht so weit weg, Entfernung wie von Köpenick nach Bahnhof Zoo) und wir hatten dort eine halbe Stunde am Hafen bei strahlendem Sonnenschein und absoluter Windstille, entstanden durch die Häuser, die ausnahmsweise mal menschfreundlich angeordnet waren. Dort hatten wir wirklich ein Gefühl von Frühling. Der Rest von Toronto ist ein einziger Windkanal, die Hochhäuser fungieren als Lautsprecher für den Wind, weswegen Toronto auch den Spitznamen Winddiscothek hat. Allerdings kann es schon passieren, daß man blöd angeschaut wird, wenn man am Schalter ein Ticket nach Winddiscothek verlangt, also sagt man besser doch Toronto.

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Apropos Schalter. Ich fragte die Angestellte am Schalter, welchen Zug ich aus Toronto zurücknehmen muß. Sie sagte ich muß Lakeshore West zurücknehmen. Ich sagte ihr, daß ich aber auf dem Rückweg in Richtung Osten muß, wohingegen sie erwiderte, daß der Zug ja aus dem Westen kommt. Willst du in den Osten, mußt du den Zug aus dem Westen nehmen. Klarer Fall. Sie gab mit sogar noch einen Plan und kreuzte die Züge an, die ich zurücknehmen kann. Ich muß zugeben, es verwirrte mich etwas. Aber sie mußte es ja wissen. Sie arbeitet wahrscheinlich schon ihr ganzes Erwachsenenleben in Pickering am Bahnhof. Also schenkte ihr ein bischen Vertrauen. Die Leute in Kanada arbeiten viel mit Himmelsrichtungen. Das haben sie von den Indianern.

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Nach unserem traumhaft schönen Hafenaufenthalt bewegten wir uns wieder Richtung Innenstadt.Sobald wir den Hafen verließen jagte uns eine Windböe nach der anderen, unsere Augen tränten und wir hatten mit der Kälte zu kämpfen. Glücklicherweise unterhielt mich Jane bestens mit einer perfekten Heidi Klum Imitation. Sie spielte, wir wären bei einem Fotoshooting und sie würde die gepeinigten Mädchen versuchen zu motivieren:“ Wenn du ein Bikini Shooting in Alaska hast, da kannst du auch nicht sagen: Mir ist  jetzt kalt, ich brauch eine Mütze!

IMG_6164Wir liefen den ganzen Nachmittag durch die Stadt, gingen durch X Geschäfte, wurden gar nicht müde, machten eine Starbucks- und eine Burgerkingpause, wo wir uns eine Poutine teilten. Poutine, ein typisch kanadisches Delikatessenessen: Pommes mit komischem Käse und widerlicher Bratensauce. Ich hatte eigentlich das andere kanadische Nationalgericht bestellt, Cäsarsalat, aber nachdem ich festgestellt hatte, daß keine Croutons drauf waren, brachte ich ihn zurück. Die Frau informierte mich darüber, daß es schon seit zwei Monaten keine Croutons mehr gibt. Wahrscheinlich hat der Croutonlieferant die Eisenbahn in die falsche Richtung genommen oder  die Frau bei Burgerking war mit der verwirrten Schaltertante aus Pickering verwandt. Um neun Uhr hatten wir endlich genug nach einem wirklich schönen, kommerziell befriedigendem Nachmittag in Toronto.

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Wir fanden den Weg zum Bahnhof und schauten auf die große Tafel in der Halle. Wegen mangelndem Vertrauen in die Bahnangestellte aus Pickering, fragte ich ein wartendes Mädchen, wonach wir schauen müssen, wenn wir nach Pickering wollen.Wir müssen Lakeshore East nehmen, weil wir in den Osten fahren. Ich sagte ungläubig: Danke, aber die Bahn kommt doch aus dem Westen!  Wenn sie auch dachte, ich wäre komplett bescheuert, so ließ sie es sich nicht anmerken und sagte freundlich, sie müsse auch nach Pickering und es ist wirklich Lakeshore East.

Das, was ich die ganze Zeit schon geahnt hatte!

Wir waren müde und freuten uns auf zu Hause. Aber es gab noch ein kleines, typisch kanadisches Hindernis. Ca. 2 Stationen vor Pickering gab es eine Durchsage, in der ein Bahnangestellter in Schnelldurchlauf irgendwelche vierstellingen Zahlen aufsagte, welche zu den Wagen gehörten, in denen die Türen nicht aufgingen.Da er es so schnell sagte, war es unmöglich rauszufinden, welche Türen jetzt funktionieren, geschweige denn in welche Richtung man laufen sollte, damit man die richtige Tür erwischt. Dazu muß  noch gesagt sein, daß die Wagennummern  keine numerische Reihenfolge haben und auch keine logische wie bei den Intelligenztests. Wenn wir beispielsweise in Nummer 1305 saßen könnte der nächste Wagen in die Antifahrtrichtung 1707 sein und so weiter.  Ich wurde nervös und hielt mich an vier junge Mädels, von denen ich annahm, daß sie es besser als wir verstanden haben. Mit dem Ergebnis, daß wir wie die Blöden durch die Wagen liefen, weil alle Türen verschlossen waren und wir tatsächlich verpassten in Pickering auszusteigen.Einem anderen Mann erging es genauso.Wir trafen auf den Durchsager, und ich hoffte innerlich, er würde den Zug zum Stehen bringen, was er aber nicht tat, stattdessen, schnauzte er uns auch noch an, daß er es vier mal gesagt hätte. Ich sagte ihm, daß seine Durchsagen total unverständlich waren. Er wollte nicht mit mir diskutieren und sagte das auch. Ich zuckte innerlich mit den Schultern und blieb cool wie das Eis auf dem Ontariosee. Das war auch gut so, denn der Durchsager fühlte sich schuldig und wurde extrem freundlich zu mir. Er sagte wir sollten  zwei Stationen weiter fahren und dann den Zug zurücknehmen, auf diese Weise müßten wir nicht so lange in der Kälte stehen. Wir müssen auch kein neues Ticket kaufen. Er machte sogar noch einen Anruf und sagte Bescheid, daß ein paar Leutchen Pickering verpaßt hätten. Und für die Zukunft gab er uns noch einen kleiner Tip: Alle Wagen, die mit 25 beginnen, öffnen die Türen in Pickering. Na, wenn das mal kein Insidertip ist!

Endlich in Pickering auf der Treppe zum Ausgang hielt uns noch ein verzweifelter Chinese auf und bat uns ihm ein Taxi zu rufen. Ich hatte echt keine Lust dazu, ich stempelte ihn in Gedanken als Triadenmitglied ab und verweigerte ihm fast die Hilfe. Moderne Menschen haben ein Handy, nur Verbrecher tun so als hätten sie keines. Ich benahm mich sehr arrogant, besann mich aber eines Besseren und rief ihm doch ein Taxi, dem armen Kerl.

Denn schließlich leben wir in Kanada und in Kanada ist man freundlich.

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