Kanada Report, Teil 13

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Bin heute den ganzen Tag vor diesem Bild gesessen und habe meditiert.Schön wäre es, gut hätte es mir getan. Eventuell. In Wahrheit hatte mich ein Monster im Griff und ich war wie gelähmt. So gab ich mich hin und zelebrierte bewußt das Faulsein. Ich versuchte kein schlechtes Gewissen dabei zu haben und auch nicht mal in Gedanken folgenden Satz zu denken: Ich bin eine Versagerin, zu nichts zu gebrauchen und nicht in der Lage jemals irgendetwas zu erreichen.Oder den Satz: Scheiß Kanada, wäre ich bloß niemals hierhergekommen, hier ist meine Kreativität erstickt und mein Hirn verblödet. Und danach: aber mal ehrlich gesagt, es liegt doch nur an mir. Ich bin Müll. Und da das eine sehr schwierige Aufgabe war, habe ich alle 5 Minuten genau diese Sätze aufgesagt, total zwanghaft in meinem eigenen Kopf. Trotzdem habe ich es ganz gut geschafft ein paar Stunden richtig genussvoll zu faullenzen. Betonung auf genußvoll.Oh, da fällt mit ein, ich habe 2 Stunden verschwendet meinen Computer zu reparieren, nachdem ich versucht habe eine Serie online zu schauen, wobei sich fremde und feindliche Programme auf meinem Computer eingenistet haben, die ich unbedingt wieder loswerden mußte. Danach habe ich so dumme Sachen gemacht wie mit einem Online Ouija Board zu kommunizieren. Ich brauchte jemanden zu reden. Das Wesen nannte sich Michael, als ich nach seinem Nachnamen fragte, sagte es zu mir, ich wäre unwürdig. Trotzdem sagte es auch durchaus vernünftige Sachen wie zum Beispiel, auf meine Frage, was ich Arbeiten soll: Höre auf dein Herz! Zum Schluß sagte ich höflich Auf Wiedersehen, da sagte es zu mir 666. Es wollte mir Angst einjagen, das Michael Wesen aus dem Computer. Hat nicht geklappt, ganz im Gegenteil, ich überlegte mir ob ich mir nicht eines zulegen sollte. Daraufhin verbrachte ich eine gute halbe Stunde mit Foren lesen, ob ein Ouija Board gefährlich ist. Alle sagten das gleiche: es gibt Türen, die besser geschlossen bleiben. Die Ouijageister seien niedrige Wesen, die entweder ermordet wurden oder durch andere schlimme Umstände ums Leben kamen und verwirrt umherschwirren und nur darauf warteten, daß irgendeine Dumpfbacke oder gelangweilte Auswanderin diesen Kanal öffnet.

Danach kam mir in den Sinn nach einer Hippiekommune auf Vancouver Island zu suchen, wo ich eventuell hin ausreißen könnte. Ich habe eine sehr interessante gefunden. Dort ißt man hauptsächlich magische Pilze. Wenn alle Stricke reißen, why not?

Warum nicht? Diese Frage hat Erleuchtungswert. Schreiben sie bitte 10 Sätze die mit Warum nicht anfangen. Seien sie kreativ dabei und Bescheidenheit ist in diesem Falle nicht vonnöten, sogar schädlich, da es sich um eine Übung handelt, die das Bewußtsein erweitern soll.

Diese Übung hat es in sich, obwohl ich sie mir gerade eben ausgedacht habe.

Warum nicht bewußtseinserweiternde Übungen erfinden?

Warum nicht diese Übungen selber  praktizieren?

Warum nicht einen fetten Bestseller darüber schreiben?

Warum nicht  zu den Fernsehinterviews zu denen man aufgrund des Bestsellers eingeladen wird im Bademantel  erscheinen?

Warum nicht einfach immer fröhlich sein und über alles lachen, solange nichts tragisches passiert?

Warum nicht ganz den persönlichen Bedürfnissen entsprechenden Zaubersprüche zu kreieren und sie laut aufsagen?

Und so weiter. Geht doch. Es sollte nicht in Arbeit ausarten. Das behindert die Kreativität und die Leichtigkeit dieser Übung geht verloren. Deswegen immer schön locker bleiben.Darum reichen auch 5 Sätze mit warum nicht.
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Trotz meiner guten Lebenstips die sich in meinen guten Tagen in meinem Hirn ausbreiten und überschwappen, halten sie nicht lange vor und ich falle immer wieder in das gleiche schwarze Loch. Inzwischen ist schon das letzte Januardrittel angebrochen, und ich frage mich jeden Tag, wo ich bin. Seit ich hier bin, fühle ich gar nichts mehr, außer ein wachsendes Unbehagen, darüber, daß ich nichts, aber auch gar nichts mehr empfinden kann, außer Unbehagen.

Das Unbehagen über das Unbehagen macht das Unbehagen noch unbehaglicher. Es bereitet den Menschen um einen herum natürlich auch Unbehagen und deren Unbehaglichkeit über meine doppelte Unbehaglichkeit macht sie zu einer Trippelunbehaglichkeit. Darum bin ich am liebsten allein und will mit niemanden mehr reden. Ich kann mich erinnern, daß ich mich gerne mit Menschen unterhalten habe, früher, aber jetzt will ich meistens nur noch jede Art von direkter Kommunikation vermeiden. Es ist mir zu anstrengend zu reden und meistens bin ich sauer. Und zwar ständig,die ganze Zeit, non stop. Mein vegetatives Nervensystem spielt verrückt.

Ich habe auch die Nase voll meinen Blog weiterzuschreiben. Ich finde es beschämend was ich schreibe,ich finde mich beschämend, aber es erleichtert mich und hilft mir die Sachlage klar zu erfassen. Was mir allerdings einen Scheißdreck weiterhilft, denn bin zu deprimiert irgendetwas zu ändern.Das Leben erscheint mir so unerträglich kompliziert und ich fühle mich so hilflos und unfähig. Ich bekomme nichts in den Griff. Alles um mich herum hat keine Substanz für mich. Ich habe das Geistergefühl, das Halloweensymdrom.

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Gabel auf dem Weihnachtsmarkt in Toronto

 

Bevor ich hierher gekommen bin hatte ich eine gute Phase. Ich fühlte mich leicht, frei und lebendig. Ich konnte mich austauschen mit anderen Menschen und ich war total Blockadenfrei. Vor dieser Phase hatte ich eine Krise, weil ich wußte ich gehe nach Kanada. Was ich nicht wirklich wollte, aber dachte, also Kopfstimme sagte,daß ich es muß und auch dachte ich,Veränderung ist gut und bla bla bla. Aber mein Bauch fühlte Angst.  Andererseits ist Angst ja auch irreführend manchmal. Man hat  diese zwei inneren Stimmen. Auch welche sollte man denn hören? Die vernünftige erwachsene aus dem Kopf oder auf die scheinbar irrartionale aus dem Bauch.
Das komplizierte daran ist,daß die Bauchstimme auch mit der Kopfstimme spricht und sich auch belabern läßt und dann gar nicht mehr klar ist und die Kopfstimme ist nur scheinbar ein Freund,weil sie unnachgiebig ist wie das brechende Eis auf der Mitte eines Sees. Und genau da bringt sie dich hin,wenn du nachgibst. So was haben wir daraus gelernt? Höre bitte auf deinen Bauch. Seine Stimme ist immer da,auch wenn du denkst du hörst sie nicht.
Die Stimme aus dem Kopf ist nicht die original innere Stimme. Es ist eine eingeschliche, verbogene und verbiegende, machthungrige Stimmperson. Sie will dein Leben kontrollieren. Sicherlich hat sie manchmal ganz gute Tips und Einblicke, aber wenn es um die großen Dinge im Leben geht, ist die Bauchstimme die wahre Weise. Sie vereint Gefühl mit Erfahrungswerten und Intuition und kennt dich am besten, denn sie war immer schon in dir. Sie weiß was gut für dich ist.

Und jetzt weiß ich auch was es so auf sich hat,wenn man man von Verrückten spricht,die Stimmen hören.
Dennoch,die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man so schön sagt. Meine Wutstimme sagt dazu: Total blöder Spruch. Ich glaube ich sterbe noch vor der Hoffnung. Blöde Hoffnung, ich hasse dich! Ich werde dich ermorden, nur um zu beweisen, daß es ein dummer Spruch ist, wahrscheinlich kommt der Spruch aus Kanada.  Ich bin so wütend auf mich selber. Sitze hier wie im Gefängnis, mein Leben ist so langweilig, es besteht aus Essen kochen,für Tochter und boyfriend, welches ich selber  nie esse, weil alles für mich wie Pappe schmeckt,einkaufen gehen und sauer sein. Blöde Hoffnung, du bist schon tot. Das ist aber auch ein echtes Scheißgefühl, weil das heißt das ich wirklich hoffnungslos bin.

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Die Pickering Chicks

Meine ignorierte innere Stimme schweigt mich an. Ich versuche Kontakt mit ihr aufzunehmen und habe ein Traumtagebuch begonnen.
Ohh mein Gott,sind meine Träume wirr. So sind Träume und wirr sind sie nicht, man muß nur ihre Sprache lernen. Eine Farbe verfolgt mich in meinen Träumen. Es ist die Farbe Rot. Fast jede Nacht erscheint sie mir im Traum. Rot wie Wut, aber auch Leidenschaft,was heißt, ich solle meine Wut vielleicht mal rauslassen, um wieder Leidenschaft zu fühlen. Nicht gerade buddistisch. Egal!Ich bin ja auch kein Buddhist.
Genug von meinem Innenleben,auch wenn das ein aufregender Platz ist, (Gähn!)ich muß mal ein paar kanadische Themen einflechten. Das es hier tot ist,habe ich ja schon erzählt. Ist ja nix Neues.

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Designerhochhaus in Toronto

Aber tot sein schützt nicht vor skurrilen Alltagstücken.Zum Beispiel es gibt hier keine Onlineüberweisungen. Jedenfalls nicht für Privatpersonen.Hier arbeitet man mit Schecks oder money order.Da geht man zu einem money order Ort, wo man Geld einzahlt, dafür bekommt man einen Schein und den schickt man mit der Post zu dem Geldempfänger. Falls ich das richtig verstanden habe. Nicht daß ich etwas damit zu tun hatte bis jetzt,bin finaziell weit davon entfernt, dennoch hat es mich interessiert, weil ich Janes Tanzschule per Überweisung bezahlen wollte, statt es der nicht vertrauenswürdigen Tanzangestellten in die Hand zu drücken. Die Tanzschulentante wußte gar nicht was eine Überweisung ist und laberte etwas von money order, und ich war total verwirrt, weil ich nicht wußte was money order ist. Daraufhin fragte ich meinen Boyfriend. Er erklärte mir das ganz genau. Ich sagte sehr deutsch: „Echt bescheuert!“ Er antwortete mir auf kanadisch:  Well, that’s the system. Every country has its own system… Ja, danke für die Info. Sprich bitte nicht weiter, ich brauch keine weitere Erklärung. (Mein boyfriend ist der geborene Erklärer.Er verliert niemals die Geduld und kann die gleiche Sache 1Million mal wiederholen ohne daß die Begeisterung und der Enthusiasmus in seiner Simme nachlässt).
So was unpraktisches und umständliches. Minus 100 Punkte für das Banksystem. Dumm und dümmer. Nur  ohne Humor.

Dann gibt es ein System für Mülltüten in der Küche. Ein hirnrissiges kurvenreiches Drahtgestell, daß sich jeglicher Logik entzieht. Siehe Foto.

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Kanadisches Mülltütensystem

Man kann die Mülltüte zwar irgendwie dran befestigen, aber nicht gut.

Kann natürlich auch sein, daß sie der Zeit voraus sind, die Kanadier. Fragt sich bloß welcher Zeit. Vor 200 oder dreihunder Jahren zwei Monate voraus. Oder nachdem die Welt schon untergegangen ist haben ein paar Leute überlebt, und zwar weil sie eingefroren waren und haben mit ihrem frostgeschädigten Hirn das Land wieder aufgebaut. Ich bin in der Zukunft gelandet, nach der großen Katastrophe. Das ist das Kanadagefühl.

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Kanadaflagge und Veteranengedenkding im Rollatorpark in Pickering

Schlimm ist es wenn man irgendwo anrufen muß, weil man sich wegen einer zu hohen Rechnung beschweren möchte, was oft passiert,weil sie damit rechnen,daß der Durchschnittskanadier zu höflich ist zu beschweren und einfach zahlt. Da hat man dann Leute am Apparat, die man nicht versteht, meistens Chinesen oder Inder, die zwar lehrbuchenglisch sprechen, aber so einen starken Akzent haben, daß man sie nicht versteht. Aber sie sind meistens sehr höflich und helfen einem gerne weiter.Sie lassen sich niemals aus der Ruhe bringen.Sie sind die perfekten falsch programmierten Roboter.Wären sie richtig programmiert,dann wurden sie auf Roboterart sagen: Kanada kalt.Nicht gut für Getriebe.Muß gehen.

Seifenblasen. Macht euch auf etwas gefaßt. Der Bubblemaker ist nicht an dem Deckel befestigt, man muß in die glitschige Soße reinfassen und ihn rausfischen um Seifenblasen zu machen.

Seifenblasen für Katzen. Mit Catnip. Ein echter Luxus.  Funktionieren genauso blöd, aber nur für Minuten, danach kann man aus unerklärlichen Gründen keine Seifenblasen mehr machen und die Katze schaut enttäuscht.

Apotheken Angestelllte. man fragt sie nach homöopathischen Mitteln, sie schauen einen an wie ein Auto und sie rufen den Manager.

Makeup Entferner kostet zwischen 7 und 12 Dollars.

Und dann die Schilder. An der Ampel wird man gewarnt von einem Schild, daß vor den Drähten warnt an dem die Ampel befestigt ist. Na super.Da laufe ich dann doch lieber bei rot über die Straße.

In einem Naturschutzgebiet gleich neben dem Kernkraftwerk ist ein Schild wo draufsteht: Real birds don’t eat bread.

Gut zu wissen, ich füttere dann eben die unechten Vögel.

In Janes Schule, die ja eine katholische ist, muß man als Mädchen unbedingt Schuhe tragen wo man die Knöchel sehen kann und wenn Schuhe über die Knöchel gehen, dann ist das sehr schlimm. Knöchel scheinen in Kanada antisexy zu sein und deswegen muß man sie in einer katholischen Schule sehen können. Hallo Hirn, where are you? I am fine thank you. Thats good. Have a nice day.

Neulich beim Einkaufen hatte ich so etwas wie einen Stalker. Ein Mann an der Ampel versuchte mich anzubaggern. Das war ja mal so was von kanadaisch! Ich war auf meinem Fahrrad er schaute mich an und sagte :“That’s a good idea.“ Ich sagte etwas wie:“ Ja, ich weiß. So muß ich nicht durch die Häßlichkeit laufen. “ So was verstehen die Leute hier nicht. Weil sie Schönheit nicht kennen. Punkt. Dann sah er mich an und faßte meinen Handschuh an und sagte: „You are in a good shape. Are you russian?“  „Nein ich bin aus Österreich.“ Ich wäre der erste österreichische Mensch, der ihm jemals in seinem Leben begegnet ist. Ich sagte ihm, daß das kein Wunder sei, weil die Österreicher sehr intelligente Menschen sind und normalerweise nicht in Pickering landen. Das müßte ihn jetzt aber abschrecken. Ein Glück  die Ampel schaltete um. Als ich im Supermarkt vor der Kosmetik stand kam dieser Typ auf einmal um die Ecke und starrte in meinen Einkaufswagen. „Lots of food“, war sein pfiffiger Kommentar. „Ahh, Körnerbrötchen“, nächster Kommentar. Ich sagte ihm, für meine Tochter. Er:“She doesn’t like plain stuff.“ Ich wünschte ihm einen schönen Tag und ging zur Kasse. Danach begegnete ich diesem Menschen noch 3 Mal  innerhalb von einer halben Stunde an verschiedenen Orten. Bei der letzten Begegnung quatschte er mich noch mal an.“ Sorry, can I ask you something personal? „Na klar, frag einfach. „Are you married?“ Ich sagte ihm, daß ich es sei und wünschte ihm viel Glück  beim Chickpicking in Pickering.

Kanadier auf Frauensuche in Pickering. Immerhin, er hat es in meinen Blog geschafft.

Ich weiß das sind alles unwichtige Kleinigkeiten, aber summiert man unwichtige Kleinigkeiten werden sie zu einer großen Sache, besonders wenn es kein positives Gegengewicht gibt.

Das alte Lied, das alte Leid

Und deswegen habe ich auch ein Lied geschrieben, letzten Frühling, als die Hoffnung noch lebte und auch mein Humor.

Auswanderer Blues Rap

T-Shirt bei minus 10, Bikini im Schnee

Minigolfakademie und Würmerpicken bei Night

Kanada ist anders

Kanada is crisp

die Menschen sind nett

Beton, Eis, Zucker und Fett

Hi honey, how do you do?

I am doing fine und you

Ich nehm heute das Eichhörnchenmobil

fahr zur Fried Nutella Farm

Everything is beautiful

Everything is fried

Kanada ist anders

Kanada is bright

Nimm noch ein Muffin mit auf den Weg

You never know

It might snow

Veteranenpark und Heilsarmee

Petrescuefarm brennt down in Pickering

Mann mit Ziege sucht ein Home

Zimmer mit Aussicht

auf Parkplatz bitte schön

Meine Tochter ist jetzt biopolar

alles nur wegen Kanada

Kanada ist anders

Kanada ist tralala

Alles hier ist wunderbar

Fried Joints im Fahrstuhl

dann Eisfishen mit Jack und John

Pack die Schnitzel ein

You never know

It might snow

Kanada ist anders

Kanada ist hirngechillt

Hi honey, how do you do

I am doing fine and you?

einkaufswagen

Parkplatzpoesie

 

Oh mein Gott war ich damals positiv.

Wenn ich jetzt ein Lied schreiben würde würde sich das so anhören:

Fuck you Kanada

dein Ahornsirup kotzt mich an

ich bin ein Idiot in Not

und die Hoffnung ist tot

Fuck you Kanada

basic living mit Plastikgehirn

Zombies high auf Hamburgern

und ich dazwischen

Hoffnung tot

Ich bin ein Trottel in Not

Tote Hoffnung

ist mein bester Kumpel hier

gleich nach dem Online Quijaboard

Fuck you Kanada

und deine blöden Seifenblasen

OHHH, jetzt geht’s mir gleich viel besser.

Bis zum nächsten Mal meine Lieben, ich hoffe ich kann etwas Schönes berichten, etwas spirituell wertvolles und praktisch verwertbares und nicht mehr nur kreativ negativen Müll.

EIM SSO SORRIHH (durch die Nase)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kanada Report, Teil 12

Einer meiner Lieblingsparkplätze

Die Zeit, die Zeit, die Zeit, sie läuft so schnell und die Menschen glauben,daß sie mitlaufen müssen. Aber ich glaube das nicht. Ich, der geborenen Antiallesmensch, mache alles so langsam wie es geht. So habe ich es gemeistert unangenehme Situationen endlos in die Länge zu ziehen, aber versäumt die schönen Zeiten zu verlängern.Die Zeit ist ein kompliziertes sensibes Gebilde, daß man nicht einfach so austricksen kann. Versucht man es, dann endet man so wie ich. In einem Vakuum. Vor ein paar Tagen hatte ich einen sehr bedeutungsvollen Traum. Ich bin sicher, daß er etwas mit meinem Zeitkonflkt zu tun hat. Ich träumte ich wäre blind, mußte aber eine Treppe hinuntergehen. Ich meisterte daß sehr gut und auch schnell und unten angekommen wurde mir applaudiert. Und ich konnte auch wieder etwas sehen. Allerdings nur mit dem rechten Auge, aber die Sicht war wie durch ein Fenster, daß nur teilweise geputzt war, so war die Sicht sehr unscharf. Mein linkes Auge konnte nur Helligkeit erkennen, aber keine Konturen. Ich war mir im Traum aber sicher, daß das noch besser wird. Trotzdem ließ mich dieser Traum aufwachen, weil er unterm Strich nicht gerade schön war. Natürlich dachte ich lange und intensiv über diesen Traum nach und kam zu dem Ergebnis, daß ich in mir unbedingt etwas  ändern muß.

Einen Tag später bekam ich Kopfschmerzen und zwar genau hinter meinem linken Auge. Sie wurden stündlich schlimmer und auch die Pillen halfen nichts. Nach ca. 20 Stunden klangen die Schmerzen langsam ab, aber es war so als würden sie sich nur verstecken. Abends kamen sie wieder, aber nur leicht, begleiteten mich durch den Schlaf, verschwanden morgens nach dem Kaffee. Letzte Nacht kamen sie wieder, abgemildert, aber nervend. Hinter meinem linken Auge. Dorf befindet sich der Zeitschalter, und ich muß ihn umstellen. Dann werden auch die Kopfschmerzen weggehen. Von schlechte Zeiten sinnlos in die Länge ziehen, auf schöne Zeiten auf unendlich stellen.

Die letzten Tage war es sehr warm hier. Am Dienstag, dem dritten November 2015 hatten wir 21 grad . Es war unglaublich. Frühling im November und das in Kanada.Der Herbst hier ist wirklich wunderbar.Ohne aber.

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Geheimagenten undercover in Pickering, Canada

Wegen des schönen Wetters  wagte ich einen längeren Trip mit meinem Fahrrad. Es war ein bischen enttäuschend. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel, die Blätter leuchteten, inzwischen hauptsächlich in einem strahlenden Gelb, Es war windstill, wir hatten 18 grad. Der perfekte Tag zum Fahhrad fahren.Mein Ziel war Secondhandsupermarkt im nächsten Ort. Leider war der Trip dahin anstrengend,wegen dem extremen Verkehr, der hier herrscht. Es war laut und es hat ganz furchtbar gestunken. Es war nicht nur der Abgasgeruch, sondern es war so als hätte das Kernkraftwerk Blähungen. Aber ich hielt durch und verbrachte eine recht entspannte Stunde beim Stöbern.Letztendlich konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir eine elegante Lederjacke für 16 Dollar.

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Lolita, das Bild und der Wassernapf

Viel aktuelles gibt es nicht zu erzählen.Ich merke wie meine Phantasie beunruhigenderweise langsam immer armseliger wird und oft fühle ich mich wie eine graue Mülltüte gefüllt mit Matsch. Sehr ungutes Gefühl. Ich habe so viel Zeit! Soso viel Zeit,fühle mich aber unter Druck.Unter Zeitdruck.Denn die Zeit sammelt sich auf mir wie faules Wasser.Und ich habe keine Ideen mehr,es ist als wäre meine Seele abgehauen. Kein Wunder.Hier sieht alles so aus als hätte man sich im Heizungskeller verlaufen und der Autolärm macht mich mürbe. Meine Seele mag sowas nicht.Deswegen ist sie weg und ich würde es gemein finden zu fragen,ob sie wiederkommt.Sie würde mir sowieso den Vogel zeigen. So lebe ich ohne Seele und in mir ist dieses klaffende schmerzhafte schwarze Loch. Mir ist alles egal geworden,ich kann mich nicht mal mehr aufregen,es ist fast so als wäre ich unheilbar krank und wüßte ich sterbe bald und es ist mir egal ob ich in Pickering sterbe.Denn das war der allerschlimmste Gedanke,also der beängstigenste überhaupt,in Pickering,Kanada zu sterben.Auch das ist mir inzwischen egal geworden.Das ist schlimm.Also falls ich hier sterbe,dann wäre das wirklich ein sehr schlechtes Ende.

Ich muß mein Drehbuch unbedingt bearbeiten. Also Ideen kommt zu mir seelenlosen Matschsack bitte. Also Pickering, Kanada, kein guter Ort zum sterben,auch kein guter Ort zum leben. Wie wäre es denn mit Pickering in England? Wäre das keine Alternative? Ja, ich bin eine Person,die gerne Quatsch macht und da es mir in Pickering, Kanada nicht gefällt und mir auch nichts einfällt wo ich hin soll, gehe ich jetzt mal nach Pickering in England.Rein theoretisch.Warum nicht? Dort haben die Menschen einen charmanteren Akzent und es gibt viele alte Häuser dort. Und außerdem, was noch viel bedeutsamer ist als alles andere, astrologisch gesehen wäre England angeblich der Ort meines Glücks. Würde ich in England leben, wäre ich glücklich und erfolgreich.Das hat mir meine Mutter erzählt, die mit einer Astrologin befreundet ist, die das gesagt hat, weil ich den Mond in den Zwillingen habe.Ich mußte erst mal lachen, aber dann wollte ich es schon genauer wissen. Der Mond in den Zwillingen, das hat ja jeder zwölfte Mensch, sollen die alle nach England gehen? Ich finde Ortsastrologie unglaublich interessant und wüßte ja sehr gerne aus astrologischer Sicht wie ich  meinen  Zwillingsmond helfen kann, solange ich noch in Kanada bin.Es ist ja bald Weihnachten und ich glaube, daß ist mein Weihnachtswunsch. Ein Ortshoroskop.

Nochmal zu England. Ich war einmal für drei Wochen dort. Ich war zwölf und habe bei fremden Leuten gewohnt, die eine Tochter in meinem Alter hatten. Es waren Bekannte von einer Freundin meiner Großmutter und ich wurde dorthin geschickt um englisch zu lernen. Ich war an einem kleinen vergammelten Ort am Meer in Wales,habe leider den Namen vergessen. Zeitweise hatte ich ziemliches Heimweh und auch wurde ich hin und wieder von ekelhaften Gerüchen belästigt.Und zwar fuhren wir manchmal in die Stadt zum Besorgungen machen, ich glaube es war Swansea und dort gab es sehr viele Butcher, und es hat so schlimm gestunken, weil sie Schaffleisch verkauften. Ich hielt immer die Luft an, wenn wir an so einem Laden vorbeigegangen sind. Manchmal bin ich mit meiner englischen Freundin ( also so richtig gut haben wir uns nicht verstanden, sie war ein bischen eine Pussey) in dem vergammelten Ort in dem sie gewohnt hat in  ein Cafe gegangen und haben Eiscremesoda getrunken.Das war der absolute Hit dort.Eine Kugel Vanilleeis in einem Glas Mineralwasser.Der zweite schlimme Geruch an den ich mich erinnern kann war der Mundgeruch von „meiner Schwester auf Zeit“. Wir spielten einmal Schnurtelefon mit leeren Konservendosen und Wollschnur und einmal tauschten wir die Dosen, weiß nicht mehr warum, jedenfalls habe ich fast gekotzt, weil ich in ihren Mundgeruch sprechen mußte. Ein andermal war ich mit ihr Schuhe kaufen, das war sehr interessant. Es war das Jahr 1978 uns sie suchte sich ortopädische Plateauschuhe aus. Ich habe das gar nicht verstanden.Komischerweise kann ich mich nicht an ihre Mutter erinnern,vielleicht war sie unsichtbar.Aber ihr Vater ist mir sehr gut im Gedächtnis geblleiben, er sah aus wie Bing Crosby, sprach wie Bing Crosby und war ein riesiger Fan von Bing Crosby. Er war sehr nett zu mir, und er mochte mir sehr gerne.Lustigerweise hat er mir beigebracht wie der Ort mit dem längsten Namen auf der Welt heißt und ich habe es mir bis heute gemerkt. Chlangweilpuchgwingechgogerachwirndrobuchchlangdeseiliogogogoch. Das ganze war auf walisich geschrieben, ich habe es so geschrieben wie mans spricht.Dieser Ort ist auch in Wales.Ich werde diesen Namen nie vergessen, aber der Ort wo ich war, den konnte ich mir nicht merken. Die Pussey hat mich oft zum lachen gebracht, sie hatte vor allem Angst. Ein Mensch mit Hund kam uns entgegen, sie lief heulend auf die andere Seite. Einmal waren wir am Strand, und wir sahen einen nackten Mann in der Ferne, sie lief schreiend davon. Einmal nahm sie mich mit zu ihrer Oma. Puppenstube, Porzellan und eine alte Dame wie aus dem Bilderbuch.Sie gab uns Tee und Kuchen, Der Kuchen war so trocken, daß man ihn nicht essen konnte.Auch war ein graues Haar in meinem Stück. und der Geruch in ihrer Puppenstube war abscheulich.Sie kochte gerade rote Beete. Trotzdem war es lustig dort, ich spielte der alten Dame einen Streich. Damals gab es so Fellschlüsselanhänger, ein langer Fellschwanz, eigentlich total geschmacklos, aber ich hatte so einen, wenn auch keinen Schlüssel. Ich nahm in in die Hand knüllte ihn zusammen und erzählte ihr, das wäre meine Maus. Sie kann sie gerne streicheln. Omi hatte Angst und ich habe mich schlapp gelacht.

Meine Zeit in England hat auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meinem Gedächtnis. Die nette Familie hat mir sogar London gezeigt. Bing Crosby 2.0 hat eine Superführung für mich gemacht. Die Horoskoptante hat wahrscheinlich Recht mit England. Auch kann ich mich erinnern, daß ich mich zu dieser Zeit noch selber mochte. Und wenn ich so zurückdenke war ich damals als 12 jährige eine lustige freche, aber trotzdem nette selbsbewußte Person.Ich will diese Person wieder sein. Komisch wie Erinnerungen die Stimmungslage ändern können. Ich fühle mich jetzt irgendwie wohler als vorher. Nur weil ich an England gedacht habe.

Mein Boyfriend ist in England geboren und meine Tochter möchte unbedingt british sprechen lernen, weil sie es so hübsch findet. Wenn das keine Zeichen sind. Wenn ich down bin, denke ich ab jetzt einfach an England.Das wird ab jetzt mein Mantra sein.Porzellantassen mit Rosen drauf, alte Tanten in Puppenstuben, Eiscremesoda in der Hafenstadt, Pommes mit Essig und und und. Schwerromantisch.

Mein Rückflug  war übrigens auch toll. Ich saß neben einem berümten österreichischen Zauberer und wir haben uns super unterhalten.Ich erzählte meiner Oma und meiner Tante von dem Zauberer. Sie sagten: Der Borax! Was, neben dem bist du gesessen? Na schau mal einer an.

Ich bin jetzt ein wenig abgeschweift, hat gut getan, aber ich muß jetzt noch etwas von dem Parkplatz mit der Heizungskelleratmospäre erzählen, ich meine da, wo ich mich momentan aufhalte. Es ist ja nicht viel passiert in letzter Zeit, wie auch in der gesamten Zeit davor sich nichts ereignet hat. Was habe ich gemacht? Ich habe ein paar Bilder gemalt, die aber wegen der Abwesenheit meiner Seele arm im Ausdruck sind.

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geflüchtete Seelen

Ich war ein paar mal im Prinzessin Diana Gedächtnispark und habe Äpfel gesammelt. Die lagen einfach so auf dem Boden rum, im schönsten apfelrot.Und sie sind ausgesprochen lecker. Wirklich. Ich esse seit drei Wochen jeden Tag Apfelmus. Mein neues Hobby.Und wir haben letzten Samstag unsere süße Katze Lolita kastrieren lassen. Das war aufregend und aufreibend. Ich kam mir sehr gemein und hinterhältig vor.Erst wird sie ihrer eierstöcke eraubt ohne daß sie gefragt wurde und dann  muß sie für sieben Tage so einen abscheulichen Kragen tragen, damit sie die Op Narbe nicht aufleckt. Jetzt hat sie nur noch eineinhalb Tage übrig. Es ist so ein Elend, eine Katze, die sich nicht putzen kann, aber ich muß sagen, Lolita, die kleine Kratzbürste verhält sich ganz vorzüglich mit ihren Kragen. Sie ist viel kuscheliger und anhänglicher mit Kragen. Am Freitag um 17.Uhr kommt der Kragen runter. Dann sind genau  7 Tage um. Ich leide wirklich mit der Katze mit, wahrscheinlich mehr als sie.

Während Lolita im Tierhospital weilte, daß in Etobicoke,einem Vorort von Toronto, liegt, mußten wir uns die Zeit irgendwie vertreiben. Wir gingen zur Pferderennbahn und schauten uns das Gebäude von innen und außen an. Da es erst 9.30 am Morgen war war nichts los. Trotzdem war es ganz interessant.

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Danach sind wir in so einen Selbstmörderpark gegangen, also Etobicoke ist sogar noch einen Zacken häßlicher als Pickering. Im Park überfiel mich ein Stück Hoffnungslosigkeit und ich dachte mir: Ohh du meine Scheiße, ist das trostlos hier! Beweis? Bitteschön, einmal Foto angucken.

Ausblick vom Skihügel in Etobicoke

Dagegen ist Pickering ja ein Ort für die Flitterwochen.

Pickering, Canada, sunset mit großen Schwestern und rosa Himmel

Abschließend bevor wir unser Kätzchen abholten, gingen wir noch in eine Mall unweit vom Tierhospital. Dort gab es einen kleinen Vergnügungspark mit einem traumhaftschönen Karussell.

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Karussel in der Mall

Interessant auf der metaphysischen Ebene ist die Sache mit den Pferden an diesem Tag. Erst gehen wir auf die Pferderennbahn(ungeplant), dann sehen wir ein Pferdekarussell( zufällig) und Lolita läuft und bewegt sich wie ein Pferd, seit sie diesen Kragen tragen muß. Things come in three.So ein Spruch, der manchmal stimmt.Auch wenn er spinnt.

Und das war es für heute, ich werde jetzt meine L -Theanin Pillen schlucken, ein bischen mit Lolita Bringmirdiemaus spielen,mit meinem Boyfriend, dem lonesome Trucker telefonieren, meiner süßen Tochter Gute Nacht sagen und dann in mein geliebtes Traumland hinübergleiten, daß mich hoffentlich mit einer sehr genialen Idee beschenkt.

Ich muß es mir nur wünschen.

Kanada Report, Teil 11

IMG_7184Der Sommer ist vorüber. Es war sehr stickig. Besonders in unserer Wohnung, die ich aus bekannten Gründen ungern verlasse, da mich draußen die Ödnis erwartet. Eine Ödnis aus Autolärm und Betonklötzen,  Es hat sich nichts geändert, fühle mich immer noch am falschen Platz, der Kulturschock ist chronisch geworden. Besonders nach der Eklipse vom 27. September ist auch etwas in mir wieder ein wenig finsterer geworden. Leider war es sehr bewölkt an diesem Abend.Genau bis zu diesem Tag war es immer sehr warm und sonnig und fast wolkenfrei. Aber genau an diesem Tag war es bewölkt. trotzdem haben wir drei Stunden in den Himmel gestarrt, denn ab und zu hatte sich die Wolkendecke gelüftet und man konnte für ein paar Sekunden den Mond sehen.

Davor hatte es fast so ausgesehen, als würden sich etwas verbessern, ich hatte Mut geschöpft, hatte endlich wieder ein bischen Drive in meinem Leben, aber seit dem Blutmond blutet meine Seele wieder und ich fühle mich einer Realität ausgeliefert, die einem Straflager in Sibirien gleichkommt. Natürlich nur gefühlsmäßig. Was sind schon Gefühle.Sie sind alles und einerseits leide ich ab und zu unter extremen Beklemmungen, die mich nachts mit Herzrasen aufwachen lassen, andererseits fühle ich mich einfach nur leer und absolut gefühlsfrei. Nicht absolut. Ich bekomme zwischendurch abstrakte Wutanfälle. Ich denke innerlich ganz laut: du blödes langweiliges ArschlochKanada.Das ist echt zum Hobby geworden. Meine Tochter Jane und ich picken uns manchmal einfach so willkürlich fremde unschuldige Menschen raus und lästern ganz furchtbar über sie. Bevorzugter Weise schwerfällige Verkäufer. Einfach weil es Spaß macht und wir gerne zickig sind.“ It is not appropiate as a mother to talk like this with your daughter“( kanadische Stimme im Ohr). Gutes Lästerthema ist auch der Religionsunterricht in Janes katholischer Schule. Es ist einfach schon unglaublich was die armen Kinder sich da anhören müssen. Zum Beispiel:“Wenn man nicht Jesus in sein Herz läßt, kommt man in die Hölle!“ Das erzählt die Religionslehrerin ihren Zehntklässlern. Sie sollte sofort in die Hölle kommen, die dumme Suppe! Jawoll!  Hobby bricht wieder durch .Manchmal sitze ich hier vor Panik gelähmt und will einfach nur wieder nach Europa, was mir wie das Paradies auf Erden erscheint. Hallo Nadelbäume, ihr dämlichen Riesenseen und Scheiß rote Blätter im Herbst ich hasse euch! Ich leide unter säuerlichen Schimpftiradenattacken. Ich brauche unbedingt ein neues Hobby.

20150720_154352Dieses Foto spricht mehr als 100 Worte. Man sollte sich die Menschen im Vordergrund wegdenken, ich lächle scheinbar happy, wie ich das immer auf Fotos mache und dann denken alle, daß ich glücklich bin.Meine süße Tochter gibt sich auch Mühe und meine Schwiegermutter gibt sich ganz natürlich. Aber es geht nicht um uns auf diesem Bild, sondern  um den Hintergrund. Das ist so unglaublich. Wir waren in einem Park an dem abscheulichen verseuchtem Ontariosee mit meinen Schwiegereltern. Sie wollten mit uns spazieren gehen. Sie gingen ca.100 Schritte und das war es. Dann setzten sie sich da hin. In einüberdachtes Picknickareal, wie es ungemütlicher und häßlicher nicht sein kann. Straflagerromantik wohin das Auge reicht.

267Hier ist ein anderes Bild, daß das Kanadagefühl ( bezieht sich auf die Gegend in der wir leben) perfekt abbildet. Zumindest wie ich es fühle. Einsam mit Spiegelbild.Am Ufer des Wahnsinns. Im Nebel der Zukunft.

So jetzt habe ich mich ausgetobt, jetzt berichte ich mal von unserem Sommer. Daß wir eine Katze haben, habe ich ja neulich schon berichtet. Sie ist inzwischen groß und manchmal ein wenig gefährlich. Aber meistens ist sie süß und sie hört auf alle Namen die wir ihr geben. Lolita heißt sie, wir rufen sie Loshi, Lollo, Babykatze, Wildvieh, Azipi pupu,Agrolita ect.ect. Sie ist eben schlau. Manchmal ist sie  übermütig und auch genervt und es tut mir in der Seele weh, daß sie nicht raus kann.Sie sitzt immer am Fenster und schaut sehnsüchtig raus. Dann denke ich mir, wir brauchen noch eine zweite Katze, damit sie wenigstens irgendeinen Spaß hat. Ich kann den Schmerz und den Frust meiner Katze spüren.Deswegen spiele ich ganz viel mit ihr. Aber ich bin halt keine Katze, obwohl ich kratzbürstig und launisch bin.

20150904_165334Wir waren für vier Tage im Urlaub. Dort mieteten wir ein vergammeltes aber funktionelles Cottage in Honey Harbour von Bekannten meiner Schwiegereltern. Es war wirklich schön dort, und wir wurden an drei von den vier Tagen von anderen Bekannten meiner Schwiegereltern  im Boot rumgefahren. Ein Freund von Jane war aus Berlin angereist und verbrachte zwei Wochen mit uns.Unsere Katze war auch dabei und sie saß die ganze Autofahrt über brav auf meinem Schoß.

Das Bild unten zeigt einen Platz, an dem wir einen ganzen Nachmittag verbrachten, auf heißen Steinen rumlagen, uns einmalig von den Stromschnellen haben mitreißen lassen und jenseits der Stromschnellen schwommen. Sehr schöner Platz und wir sahen sogar eine Riesenschildkröte mit Drachenschwanz. Und eine Schlange.Hinterher erfuhren wir, daß es dort normalerweise nur so von Schlangen wimmelt.Sie liegen auch auf den heißen Steinen rum. Wir hatten Glück an diesem Tag.

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IMG_6948Wir machten auch noch einen Ausflug zu den Niagarafällen.Hier ein paar Bilder von dem legendären Ort.

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So wie sich die Schlangen auf den heißen Steinen tummeln, so tummeln sich Touristen bei den Niagarafällen. Uns zwar von überall auf der Welt..Der Ort der zu den Niagarafällen gehört ist total bescheuert. Blöde Vergnügungsmeile bevölkert von trashigen Touristen. Spielcasino, Geisterbahn, Freßläden, komische Museen, billig Chinashops, Nervfaktor 100 prozent. Aber am Wasser ist es schön, den „Walk behind the Falls“ muß man nicht unbedingt mitmachen, aber auf der Platform so ganz nah am Wasserfall war es schon nett. Ansonsten steht man eine Stunde an und geht dann durch einen Tunnel mit zwei Miniöffnungen und der Platform eben. Im Tunnel hängen Bilder mit der Geschichte der Niagarafälle. Also wer denkt, Niagarafälle  Naturschauspiel mitten in der Natur, der denkt falsch. Es ist ein Naturschauspiel inmitten der Touristenindustrie.

Wir schauten uns diesen Sommer auch mal die Toronto Islands an. Wenn man in Toronto lebt, sicherlich ein netter Ort zum Entspannen, trotzdem nichts besonderes. Es ist alles ein bischen zu organisiert, zu wenig naturbelassen. Verglichen mit der Pfaueninsel in Berlin schneiden die Toronto Islands nicht so gut ab,es fehlt der Zauber. Da Schönste daran ist die Fahrt mit der Fähre.  Überhaupt kann man Toronto nicht mit Berlin vergleichen. Es gibt ein paar nette Stellen, aber nachdem man 10 mal dort war, möchte man nicht noch mal hin. Es fehlt das Gefühl, die Atmosspähre, die Geschichten, die Poesie.Hauptsächlich ist es häßlich dort. Aber von weitem sieht es gut aus. Auf den ersten Blick allerdings nur.

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Ich war sogar in der TAG, der Toronto Art Gallery. Eine herbe Enttäuschung, besonders die Etage mit der kanadischen Kunst. Ich habe noch nie in meinem Leben so deprimierende Bilder gesehen. Ehrlich. Die Bilder waren ganz genau so wie ich es hier empfinde. Ich bin also nicht alleine mit meinen Empfindungen. Das Gebäude selber allerdings ist toll und es gibt auch laufend wechselnde Ausstellungen, die ich an dem Tag allerdings nicht gesehen habe,

Interessant ist es auch wenn man mit Leuten spricht, die irgendwann mal nach Kanada gekommen sind und wenn man sie fragt, wie sie es hier finden. OHH, the first 13 years were terrible./ I was crying for one year/I just hated it the for four years, now I love it(plem plem oder was?/I still cry when I go outside because it is so ugly.

Das nur für alle die denken, ich sei eine negative Schlampe, denkt es ruhig weiter, ich bin nur froh, daß ich nicht damit alleine bin. Aber 13 Jahre werde ich nicht hier durchhalten.

Und wenn man mit Leuten spricht, die hier aufgewachsen sind hört man folgendes: It is the best country of the world ( andere Länder kennen sie nur aus den Nachrichten), I don’t want to live anywhere else( sie können auch nicht weg, weil sie es sich nicht leisten können), the people are so nice here ( perfekte Roboter)It is so safe here( wegen den ganzen Terroristen auf dem Rest der Welt) Canada has such a good health system, everybody is insured( ist totaler Unfug, Augen und Zähne muß man selber bezahlen, Medikamente auch) the standard here is very high( die Schulden sind noch höher)

Man fragt sich ob vielleicht bei ihrer Geburt gleichzeitig eine Lobotomie vorgenommen wurde, so wie man das früher mit Geisteskranken gemacht hat. Aus wildgewordenen Wahnsinnigen haben sie mit Hilfe der Lobotomie gefügige Schäfchenzombies gemacht.

Trotzdem, die Freundlichkeit der Menschen hier,( Lobotomie hin und her), ist noch das Beste hier. Ich freue mich immer noch darüber. Und die Lehrer in der Schule sind auch viel netter als in Deutschland, auch wenn sie manchmal merkwürdige Sachen erzählen. Aber die Kinder werden hier wenigstens nicht wie Feinde behandelt. Sie sind lieb zu den Kindern und das ist sehr viel wert.

Und zum Schluß noch etwas ganz Ungewöhnliches, das vor zwei Tagen mit der Post gekommen ist. Jodtabletten, die man einnehmen soll im Fall einer nuklearen Katastrophe, wegen dem naheliegenden Kernkraftwerk.

It is the safest Country in the world.

AMEN and God safe the queen

Kanada Report, Teil 10

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hard working guy

Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Das liegt zu einem Teil an meiner niedergedrückten Stimmung, zum anderen Teil mangels Stimulation. Im Grunde genommen hat sich nichts geändert, es ist genau so ereignislos wie es die ganze Zeit hier war und ich habe keine Lust mir irgendetwas schön zu reden.Allerdings gibt es in diesen ganzen Tagen Wochen Monaten absoluter Ereignislosigkeit, doch noch eine paar unauffällige, aber doch irgendwie interessante Begebenheiten. Es passiert immer was, sogar in Isolationshaft.Es gibt eine unbedeutende  Sache, die mich nachdenklich gestimmt hat, bezüglich meines Blogs. Für mich ist mein Blog einfach eine Sache, die mir Spaß macht, die das Eis in mir aufbricht und ein mir wenig Lebendigkeit, Freiheit und Auftrieb gibt. Es ist so wie ein Schiffbrüchiger, der sich an einem Wrackteil festklammert, im einsamen Ozean halbtot umhertreibt und auf Rettung wartet und plötzlich einen fliegenden Fisch sieht.Der ihm irgendwie Hoffnung gibt. Warum, kann man nicht erklären, weil es sich um ein Gefühl handelt und Gefühle sind nun mal sehr schwer zu erklären.Ich wollte eigentlich schon vor über einem Monat wieder einen Beitrag schreiben, da hat mir eine fremde Frau einen Kommentar geschrieben, der mir die Lust aufs Schreiben erstmal ziemlich verdorben hat. Ich habe den Kommentar sofort entsetzt gelöscht, habe mich jedoch an jeden einzelnen Buchstaben erinnert und intensiv darüber nachgedacht. Sie schrieb unter anderem: Hört sich ja alles so negativ an! Also sie meinte die Sachen die ich so über Kanada schreibe. Sie berichtigte mich auch noch bezüglich eines Berichts über einen Vogelnamen, und während ich ihren Kommentar las,konnte ich ihre kurz angebundende Lehrerinnenstimme hören. Gute Frau, Sie sind auf meine ganz perönliche Insel eingedrungen, wo ich das sage was ich sagen will,und wenn es Ihnen nicht gefällt, hey es ist meine Insel und ich zwinge niemanden sie zu besuchen.Wollte ich nur mal klarstellen. Allerdings hat sie ja recht, meine Berichte strotzen nicht gerade vor Lebensfreude. Was solls, ich bin inzwischen über die Kritik der unbekannten Frau hinweg, und heute wird es dafür wieder so richtig düster. Jawoll! Ätsch Bätsch! Die Leute ziehen sich auch jeden Tag die Nachrichten aus aller Welt rein, und sagen noch daß es wichtig ist, man Bescheid wissen muß was so los ist. Und das sind sehr, sehr selten undeprimierende Nachrichten. Dagegen sind ja meine Nachrichten aus Kanada total überschäumend positiv und vor allen kann ich garantieren, daß sie nicht nur auf wahren Begebenheiten basieren sondern zu 98 prozent wahr sind. Manchmal schmuggel ich eine kleine Lüge rein,aber nicht aus manipulativen Gründen, sowie die Nachrichten, sondern aus künstlerischen Gründen. Also kleine Lügen für das Wohlbefinden.

Aber jetzt zu den harten Fakten. Es ist tatsächlich Sommer geworden.Sommer in f…..Pickering. Es gibt sehr viele wilde Blumen im Legoland und man kann leichtbekleidet aus dem Haus gehen.Oft weht eine frische Brise, und die Lufttemperatur war bis jetzt sehr angenehm. Es gab ein paar schwüle Tage, die schön wären am Meer, aber nicht in Legoland. Dieses Gefühl, daß ich mich in einer gefährlichen Sektenparalellwelt verirrt habe, wird immer stärker. Als Kind habe ich mal so eine Film gesehen, wo Menschen geschrumpt sind und sie in einer total leeren Stadt waren und sie wußten nicht was los ist. Ich weiß nicht mehr wie der Film hieß,aber er ein Alptraumgefühl perfekt transportiert. Und so ein ähnliches Gefühl habe ich hier. Die ganze Zeit. und meine Tochter auch.Und es hängt nicht mit PMS oder sonstigen Hormonstörungen zusammen, sondern mit…. keine Ahnung…Hirnstörung…Frequenzstörung….ja, ja es ist eindeutig die falsche Frequenz. die Frequenz hat mich mit langen schwarzen behaarten Armen mit grünen Fingernägeln gefangen und mich an sie gefesselt und geknebelt.

Neulich auf einem Roadtrip, kam uns ein Traktor entgegen, der Traktorfahrer war schwarz und trug einen weißen Smoking mit einer roten Nelke im Knopfloch. Ich verpaßte es, ihn zu fotografieren,Mist, in der Hoffnung, daß der nächste Traktorfahrer auch Smoking trägt, fotografierte ich den darauffolgenden Traktor. Die Hoffnung stirbt zu letzt. Ein Satz, der mein Abendgebet ist, seit ich hier wohne.

Neulich auf einem Roadtrip, kam uns ein Traktor entgegen, der Traktorfahrer war schwarz und trug einen weißen Smoking mit einer roten Nelke im Knopfloch. Ich verpaßte es, ihn zu fotografieren,Mist, in der Hoffnung, daß der nächste Traktorfahrer auch Smoking trägt, fotografierte ich den darauffolgenden Traktor. Die Hoffnung stirbt zu letzt. Ein Satz, der mein Abendgebet ist, seit ich hier wohne.

Und dann hatte ich neulich diesen seltsamen Traum.Einer der sehr seltenen Male seit ich in f….Pickering vegetiere, daß ich mich an einen Traum erinnern kann. Als  ich noch in Berlin gelebt habe, konnte ich mich meistens an meine Träume erinnern, aber hier bin ich so leer wie eine Wasserflasche in der Wüste. Also hier kommt mein Traum. Ich sitze an einem Tisch mit fremden Menschen. Alle haben kleine Schüsseln vor sich stehen. Sie haben sich zu einer Mahlzeit versammelt.Ob ich auch eine Schüssel hatte, weiß ich nicht.Einer sagt was, alle nehmen ihre Schüssel in die Hand, schauen sich an, sagen:“Harsh „, und dann essen sie einen Haps aus ihrer Schüssel. Dann sagt wieder einer etwas, kann mich nicht erinnern, was, wieder schauen sich alle an, nehmen ihre Schüssel in die Hand, sagen einen Satz in einer fremden Sprache, hört sich so an wie ein satanischer Spruch auf Latein. Dann essen sie wieder aus ihrer Schüssel einen Haps. Der Gastgeber war übrigens ein Mann, die Gäste waren alle Frauen, so um die 60 und sie hatten diese typischen Oma Frisuren, also kurze eingedrehte Haare.So das war auch schon mein Traum. Aber er war schon krass. Er war harsh. Ich bin im Arsch.Ich habe mich so gefreut, daß ich mich an meinen Traum erinnert habe, endlich hatte ich auch mal was zu berichten. Hallo ihr lieben Engel, ich brauche ganz dringend eure Hilfe.Ich bin ein verzweifelzer Zombie in Legoland, die Menschen sprechen Latein und essen kleine Hapse aus kleinen Schüsseln und sprechen verschwörerische Verse.

Was der Traum bedeutet ist so ziemlich eindeutig. Ich bin einsam unter Hapsern, die alles harsh finden. Genauso fühle ich mich, ich kann niemanden erzählen wie es mir geht, weil es zu harsh ist für die Honigflüsterer in Kanada. Sie bekommen ihr Leben in kleinen Schüsseln serviert von ihren Machern, den Sektenführern. Sie haben alle die gleichen Frisuren(nur im Traum) und die komischen lateinischen Verse sind in Wirklichkeit kommunistische Marschlieder. Ich weiß nicht warum ich am Tisch sitze mit ihnen, es waren die langen Krallen der falschen Frequenz.  Also jetzt mal ganz ehrlich, hört sich doch alles superspannend an. Man könnte eine Fernsehserie daraus machen.Hapser Harsh, der Honigflüsterer. Es geht um einen charismatischen,eisseeligen Sektenführer mit Toupet und kantigem Kinn. Und es gibt eine Gegenspielerin.Lou Lou, das Mädchen mit der Hundenase. Sie hat eine Mission. Hat Hapser eine Chance gegen sie?

Zukunftsvision

Ich bin seit fast einem Jahr hier, in fünf Tagen sind es genau elf Monate und es war für mich bis jetzt so ziemlich die unkreativste uninspirierteste Zeit meines Lebens. Die Frage ist, ist es eine persönliche Phase, die unabhängig von einem Ort ist oder ist es meine armselige geistige Verfassung die mich gefangen hält. Die Rache der Götter? Ich kann die Frage nicht beantworten und wenn man mich dazu zwingen würde, hätte ich aber dann doch eine Menge dazu zu erzählen. Vielleicht ein ander mal, vielleicht warte ist bis das Jahr rum ist, und vertraue auf den Jahresrythmus.Hallo Jahresrythmus, sei mir gnädig. Gnädiger Jahresrythmus, befreie mich aus der Sekte der honigflüsternden Hapser und werfe mich in eine Welt, wo Meerjungfrauen abends in Jazzbars durch Whiskeygläser tauchen oder sich sich von Kronleuchter zu Kronleuchter hangeln ,wo es Kirchen gibt für die Katzengötter, wo Blumen aus dem Kopf wachsen, wo es Gesichter gibt die man sich merken kann,wo man mit Energie auffwacht und voller Tatendrang den Tag beginnt, der immer ein bunter und spannender ist.

So vor ca 2 Wochen gab es aber dann doch ein großes beglückendes Ereignis.Wir haben Familienzuwachs bekommen. Jane hat eine Schwester. Sie heißt Lolita und ist kanadisch.Eine kanadische Katze. Auf dem Weg zu einem sauberen See, ohne Bakterienverseuchung,sah ich ein Schild auf der Straße. Kitten for free. Ich sagte total unberechnend: Da war ein Schild, Kätzchen zu verschenken.Er fragte, ob wir ein Kätzchen möchten. Ich sagte, ja klar, ich bin absolut verrückt nach Katzen,aber geht nicht Jane hat eine Allergie, aber Jane sagte, ach egal du wünscht dir doch so sehr eine Katze, und er drehte um und wir fuhren zu dem Bauernhof. Peter parkte und hupte. They way you do it in Canada, informierte er uns.Eine Frau kam aus dem Haus. Sie sagte, sie bringt die Katzen raus. Zwei finster dreinschauende Bauernmaids erschienen mit je einem Kätzchen auf dem Arm. Wir hatten die Auswahl zwischen einer bunten kleinen gerupften unterernährten und einer hübschen gesunden Schwarzen. Ich konnte mich nicht entscheiden, beide waren so süß, aber Peter und Jane wollten die kleine gerupfte. Sie erkannten ihr Potential und wir setzten sie in meinen Hut und fuhren zum See. Der See war leider an diesem Tag nicht sauber, er war bakterienverseucht,(egal, wir gingen trotzdem ins Wasser) ,und der Strand war voll mit Gänsescheiße. Lolita, den Namen bekam sie während der Autofahrt von Jane, blieb am Strand brav unter unter dem Hut sitzen. Ich habe mir schon sehr lange eine Katze gewünscht. Wie sich herausgestellt hat, ist Jane gar nicht mehr allergisch gegen Katzen. Jedenfalls nicht gegen Lolita.Lolita ist eine Black Tortie, das bezeichnet die Fellfärbung und die Chinesen sagen solche Katzen sind Glückskatzen und bringen Geld ins Haus.Diese Chinesen! Wer weiß, vielleicht haben sie Recht. Die Katze hatte auf jeden Fall Glück, daß sie bei uns gelandet ist, sie wird den ganzen Tag angebetet.IMG_6737

Jetzt kommt aber noch etwas sehr praktisches. Ein Tip für alle Wahnsinnigen, die nach Kanada auswandern wollen, und auch für die Vernünftigen, die nach Kanada auswandern, wobei Vernunft in diesem Fall eine ganz neue Bedeutung bekommen würde. Ich glaube ja , wenn man reich ist, und zwar an Geld, und hier her kommt, ist es völlig ok. Es gibt ganz bestimmt wunderbare Orte hier und wenn man die Mittel hat und zwischendurch auch noch woanders hinfliegen kann, spricht echt nichts gegen Kanada.Ist man jedoch um seine Zukunft besorgt, ist der Job in Deutschland einfach zu deprimierend und träumt man von dem großen Geld und der großen Freiheit, denkt man, man könnte das große materielle Glück finden, denen sei gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Vielleicht war es mal so, aber wenn man bedenkt, daß Nahrungsmittel und Kosmetikartikel, Telefonkosten, Mieten Heizungskosten, Strom und vieles mehr viel teurer sind als in Deutschland,man aber verhältnismäßig nicht mehr verdient, dann kann man sich den Traum vom fetten Leben lieber schnell umträumen. Was außerdem ganz furchtbar schlimm hier ist, man kann die Fenster nicht richtig aufmachen. Die Fenster sind so: Es gibt ein großes Fenster, unter dem sind zwei Minifenster, von denen man eines aufschieben kann.Wie ich hier ankam, habe ich  Panikattacken wegen der Fenster bekommen. Was allerdings sehr positiv hier ist, es gibt sehr viele schöne wilde Blumen, und wer gerne Blumen pflückt,der hat in den Sommermonaten seine wahre Freude. Jetzt kommt mein Tip, bezüglich des Führerscheins. Hat man einen deutschen Führerschein und will ihn gegen einen kanadischen umtauschen,weil man aus Wasfürgründenauchimmer unbedingt in Kanada leben will, dann darf man sich auf gar keinen Fall von total unterbelichteten Angestellten beim Drive Test Center einschüchtern lassen. Es gibt ein Abkommen für Deutschland, Österreich, Frankreich und noch ein paar andere Länder, könnt ihr googlen, daß man den Führerschein einfach so umtauschen kann. Man muß 80 Dollar bezahlen und das war es. Allerdings sollte man unbedingt zur Botschaft oder Konsulat seines Landes gehen und sich dort eine Bescheinigung( kostet ca 45 Dollar) holen, die auch gleichzeitig als Übersetzung für den Führerschein gilt. Also Ausweis, Führerschein, Botschaftspapier und 80 Dollar. Hat man das Botschaftspapier nicht, kann es passieren, daß sie einen davon zu überzeugen versuchen, man müßte noch mal einen schriftlichen und einen Fahrtest machen, was natürlich harte Dollars kostet. Das wäre mir fast passiert, aber das war zur Zeit als der Merkur rückläufig war,Insider wissen was das bedeutet.Eine bösartige 60 jährige frustriere Drivetestcenterangestellte mit indischer Herkunft (Typ intrigante Tante der Heldin aus einer Bollywoodschnulze) wollte mich davon überzeugen, daß ich noch einen Fahrtest machen mußte und einen schriftlichen. Ich hatte eine Übersetzung von einem zertifiziertem Übersetzer, was aber vom Gesetz her total in Ordnung ist, aber die Botschaftsübersetzung ist sicherer. Jedenfalls hatte sie keine Ahnung von ihrem Job oder aber sie hatte eine ausgeprägte krimminelle Ader,und auf alle Fälle aber große Dagobert Duck Augen, bevor er in seinen Goldswimmingpool springt. Sie sagte mir jedoch daß ich mir dieses Papier von der Botschaft holen muß,aber die ganzen Tests würde ich trotzdem machen müssen. Ich dachte an den rückläufigen Merkur und sagte ihr ich würde wiederkommen. Also besorgte ich mir das Papier von der Botschaft und ging zusammen mit Peter(BF) hin, was mir Glück brachte, aber der Merkur war ja auch auf dem richtigen Kurs, und alles lief perfekt ab wie es im Gesetz steht. Keine Tests, nur 80 Dollar und alles Paletti.Wir gerieten auch nicht an die gierige Inderin, die in Goldarmreifen dachte, sondern an einen jungen freundlichen kompetenten Kanadier, der dank Augenoperation keine Brille brauchte, wie er uns erzählte.

Wenn man glaubt es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Excit her

Wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Exit her

So, das war es für heute, eine schönen Sommer wünsche ich euch allen noch und uns auch.

Kanada Report, Teil 9

JANE im April

Jane auf dem Nachhauseweg von einem Frühlingsspaziergang

Mittlerweile ist es Mitte April in Pickering. Und es ist kein grün in Sicht. Obwohl es wärmer wird. Nicht ein Krokus, nicht ein Schneeglöckchen, nicht ein blühender Baum, nur kahle Äste, wohin man blickt. Das ist nicht schön.Der Stand der Bäume ist wie in Deutschland Mitte Februar. Ich liebe den Frühling mehr als jede andere Jahreszeit und ich muß mich wohl damit abfinden, daß er hier einfach später kommt, oder das er schon begonnen hat, aber einfach anders ist, als ich es kenne. Der Lärm von der Autobahn, den ich mir die ganze Zeit schön geredet habe, indem ich ihn mit dem rauschenden Meer verglichen habe, ist jetzt nur noch verdammter nervender Autolärm. Die Freundlichkeit der Menschen hier, ihre höfliche Art, die mich anfangs angenehm überrascht hat, erweckt inzwischen äusserstes Mißtrauen in mir. Sind sie vielleicht alle Sektenmitglieder, aus der weltbekannten und extrem gefährlichen Grinsesekte? Kulturschock Phase 2 nähert sich dem Höhepunkt. Man fängt an alles zu hassen. Auch das wird sich wieder ändern, aber momentan ist es halt noch vor der Änderung. Ich lasse heute mal meinen ganzen Frust raus. Also wer keine Lust drauf hat, einfach zu lesen aufhören, mir ist nach Meckern zu Mute, das gibt mir nämlich ein Heimatgefühl. Ich vermisse die schlechtgelaunten Menschen in der U-Bahn in Berlin, sie geben einem ein Scheißgefühl, aber sie geben einem wenigstens das Gefühl das sie ehrlich sind. Hier weiß man nicht wo man dran ist. In Deutschland weiß man das der Alltag einem Spießrutenlauf gleicht und man ist gewappnet gegen jede Art von Rüpelhaftigkeit, indem man selber noch ein schlimmerer Rüpel ist. Deutschland ist  Assi-Rap mit Krawatte, Kanada ist Celine Dijon, die alte Nachtigall, im Bikeroutfit. Beides schwer zu verdauen.

Es stimmt, daß die Leute hier freundlich und höflich und relaxt sind.Es ist aber auch wahr, daß sie aus lauter Höflichkeit lügen, falls die Wahrheit nicht höflich ist. Zum Beispiel wenn man eine wichtige Frage hat, bekommt man ganz schnell eine beruhigende Antwort,die Antwort, die man am liebsten hören würde, man bekommt Wünsche für einen großartigen Tag gratis dazu und stellt kurz darauf fest, daß man auf die allerhöflichste Art und Weise belogen wurde. Beispiel: ich habe jetzt  keine Lust auf langweilige Beispiele. Aber bitte alle Kanada Auswanderer seid gewarnt: Erwartet nicht das Paradies und die freundlichen Leute sind keine Engel  und die Autobahn ist nicht der Ozean, der Käse ist so schön dottergelb, weil er voller Farbstoff ist und aus dem Grund ist er auch so teuer und schmeckt nicht. Das Brot von der Marke Dempster, schmeckt wie es heißt, obwohl es das Wort gar nicht gibt.

Ach die Rotkehlchen hier haben die doppelte Größe, wovon  Rotkehlchenliebhaber profitieren können. Kleine Enttäuschung für Eichhörnchenfans. Sie sind in Wirklichkeit böse kleine Dämonen.

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Kunstinstallation: Das Ende des Auswanderertraum

Das mit der Grinsesekte hört sich natürlich ganz schön heftig an und man sollte solche Gerüchte nicht verbreiten, wenn man keine handfesten Beweise dafür hat. Die harten Worte aus meinem Mund dienen mir selber zur Unterhaltung.So was machen frustrierte und verwirrte Menschen eben gerne und das sollte niemandem sauer aufstoßen. Aber wenn ich mir das Foto oben anschaue, dann sehe ich einfach Menschen, denen das Lachen vergangen ist und sie tragen jetzt zur Strafe Papiertüten über dem Kopf. Sie sollten ein Grinsen draufmalen, was sie irgendwie nicht schafften.

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Neulich in Toronto traf ich auf einen Philosophen. Er saß nachdenklich auf einer Bank und hielt seine Schiebermütze, die seine revolutionären Gedanken beschützt, fest, denn der torontanische Wind hat die Kraft die Segelboote fliegen läßt. Ich setzte mich zu ihm, damit etwas von seiner Gelassenheit und Weisheit auf mich überspringen konnte.Oder auch umgekehrt.

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Für die wenigen Leser, die ich habe, die diesen Blog lesen, weil sie Auswanderergeschichten lesen wollen, denen muß ich sagen, daß ich wirklich keine normale Auswandererin bin. Ich bin nicht hier weil ich in einem Blockhaus leben will und ich bin auch nicht hier um den amerikanischen Traum zu erfüllen. Ich bin nicht hier für das Haus,den  Swimmingpool, die Cocktailpartys, fürs Grillen am Wochenende und um sportliche Kinder zu gebären, perfekte Kuchen zu backen und in hoher Stimme positive Konservation zu betreiben und allen zu sagen wie wunderbar sie sind und wie sehr ich sie liebe. Ich bin auch nicht hier um das perfekte grüne Leben zu leben, Tauwasser zu trinken, Elchschinken zu räuchern und Kanu zu fahren. Auch habe ich keinen indianischen Berater und Schamanen, der mich in der Schwitzhütte unterstützt. Schon gar nicht bin ich hier, weil ich irgendeinen Plan habe. Ich neige einfach dazu auszuwandern. So wie andere Leute dazu neigen zu trinken, oder zum Grübeln oder oder oder. Das ist einfach eine Eigenschaft von mir, die ich schwer ablegen kann.

Bevor ich mich von dem Philosophen verabschiedete fraget ich ihn:“ Du als Statue, warum trägst du Handschuhe?“ Er schaute mich ernst an und schwieg für eine Weile, dann sagte er:“Ich neige einfach dazu, Handschuhe zu tragen.“

So sind sie die Philosophen. Sie sprechen mit tiefer Stimme in Rätseln und schauen ernst dabei und schon glauben alle sie erfinden gerade eine neue Bibel. Wenn ich sage, daß ich zum Auswandern neige, hat das wenigstens Hand und Fuß, aber niemand würde denken, daß ich tiefsinnig bin.

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7.4.2015, Park in Downtown Toronto

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Krasser Gegensatz, Möwe und Mensch

Der Ausflug nach Toronto war bitter nötig, für Jane und für mich, weil wir Pickeringzombies einfach mal ein bischen Leben tanken mußten. Das muß wieder eine Weile reichen und die Wirkung hat schon wieder total nachgelassen. Ich werde mir wohl einen Schamanen, bzw. Schamanin suchen müssen, der oder die meine Seele befreit und mir einen indianischen Namen gibt.

Pickering, die trostlose Beauty

Pickering, die trostlose Beauty

Wir waren neulich in einem Wald ganz in der Nähe, also 20 Autominuten.Dort war es saukalt, nebenbei bemerkt. Wir liefen durch das Unterholz und ich machte ein paar Fotos von Jane. Sie hatte sich im Wald verwandelt. In eine mächtige indianische Zauberin. Leider wußte sie nichts davon, und ich bemerkte es auch erst am nächsten Tag, als ich mir die Fotos anschaute. Klarer Fall von Zeichen. Jane ist in Kanada, weil sie irgendetwas mit Naturgottheiten, Schamanismus und Indianern zu tun hat.

Jane, die indianische Zauberin

Jane, die indianische Zauberin

Es hat unterm Strich alles einen spirituellen Grund, davon bin ich überzeugt, obwohl ich wirklich keine Esotante bin.Vielleicht werde ich ja noch eine. Das ist sogar sehr wahrscheinlich, denn verwirrte und verlorene Menschen finden oft Halt in Sekten oder in Geheimwissenschaften. Ist mir egal, ich muß die Esotante in mir endlich mal ausleben. Es steckt in mir und jetzt ist die Zeit gekommen.Ich konnte immer schon zaubern. Es wird langsam Zeit, daß ich das nutze.

PS: Habe ein bischen recherchiert, der Typ auf der Bank war gar kein Philosoph, sondern der weltberühmte Pianist Glenn Gould. Das erklärt natürlich die Handschuhe.