Kanada Report, Teil 16

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Ein  hungriger junger Coyote auf einem leeren Fußballplatz schaut uns an. Wir glotzen zurück. Ist er wirklich da? Was ist das, ein Wolf? Ein Hund? Nein, es ist ein Coyote. Wow. WAu Wau. Er wendet sich ab und geht. Wir sind nicht interessant für ihn. Natürlich nicht. Wir sind Menschen, so was unsympathisches. Mal ganz milde ausgedrückt. Er wollte ein Kaninchen jagen. Diese Menschen versauen einem alles. Und dann glotzen sie so blöd. Wäre ich mit meinem Rudel hier, würde ich sie anfallen und in Stücke reißen. Aber nicht essen. Nein, liegenlassen. In der scheißkalten Wintersonne verdörren lassen. Den allesfressenden Ameisen zum Fraß geben. Diese Scheißleute. Ich habe seit zwei Wochen nur Mac Donalds Reste aus dem Mülleimer gegessen, und gerde als so ein leckeres Kaninchen fast mein Abendessen wurde, kommen diese Schwachmaten aus dem Gebüsch-

Wir kamen aus einem Waldstück, als ein Kaninchen an uns vorbeiraste. Wir schauten nach links. Da stand er. Hungrig. Und enttäuscht. Des einen Leid, des anderen Freud. Er war das Highlight dieses Winters. Er war das Highlight seit letzten September, als ich das letzte mal einen Beitrag geschrieben habe. Er war das Highlight seit ich in Kanada lebe. Ein einsamer Coyote auf dem Fußballplatz. Auf einem matschigen einsamen Fußballplatz an einem Sonntag im Februar in Kanada. Am Rande einer merkwürdigen kleinen Stadt an einem großen See. Eine richtige Sonntagsstadt. Verstaubt. Etwas unheimlich. Aber nicht spannend unheimlich, eher unangenehm unheimlich. Unheimlich wie ein Haar in der Suppe, die man nur aus Höflichkeit ißt, weil die alte Frau, die sie einem die Suppe gibt leid tut, weil sie wahrscheinlich bald stirbt und dann neben dem matschigen leeren Fußballplatz am Rande der Sonntagsstadt begraben wird. Es ist eine Gemüsesuppe mit Dosengemüse. Erbsen und Karotten. Der Topf war auch nicht sauber. Er wurde nur mit Seewasser ausgewaschen. Die Frau schlurfte zum See in alten Filzpantoffeln und Kopftuch. Sie mußte nicht zum See schlurfen, aber sie hatte vergessen, daß sie fließendes Wasser hat, sie ist ein Opfer der Sonntagsstadt, die Sonntage, die verstaubten Sonntage haben ihr Gedächtnis zerquetscht, weil sie so schwer sind. So schwer wie ihr Gang zum See, in der Hand den dreckigen Kochtopf, sie kommt ans Ufer und taucht den Topf ins eiskalte Sonntagsseewasser in der Sonntagsseestadt. Sie sieht nicht den toten Riesenfisch, der drei meter entfernt im kühlen Sonnenlicht vergammelt. Sie sieht ihn doch, aber sie denkt es ist ihr Nachbar und sagt: Washing the dishes, like in the old times. Der Nachbar ist taub und deswegen wundert sie sich nicht, daß sie keine Antwort bekommt.

Der Coyote schleicht manchmal in ihrem Garten rum. Letzte Notlösung für Hunger. manchmal liegen Pizzareste oder Pommes in ihrem Backyard. Nein es ist kein Garten, es ist ein backyard. Ein Backyard von einer alten Frau. Das sieht so aus. Unaufgeräumt, Holzscheite, ein altes Motorrad, vertrocknete Büsche, ein roter kaputter Sandkasteneimer und Zigarettenstummel, Pommes, Pizzareste. Verwahrlost . Ungemütlich. Trostlos. Die Frau, die eigentlich gar nicht mehr da ist, aber es nicht weiß. Deswegen schlurft sie ja auch jeden Tag zum See und wäscht ihre Töpfe mit dem Sonntagsseewasser und kocht immer die gleiche abscheuliche Gemüsesuppe mit dem immer gleichen Haar in dem immergleichen Zweiteweltkriegs Soldaten Blechteller mit Keramikbelag, der nicht mehr ganz intakt ist.

Der Coyote sieht den Altefrauengeist. Er mag sie. Obwohl er keine Menschen mag. Aber er mag Menschengeister. Sie machen nichts Böses. Ein Menschengeist ist wie ein Bild im Museum. Total harmlos. Aber man schaut es an und sieht eine Geschichte.Coyoten lieben Geschichten. Und in den paar Bruchteilen von Sekunden, als wir ihn sahen übertrug er per Telepathie die Geschichte von dem Altefrauengeist mit der verdammten Gemüsesuppe in mein Hirn.

Und der Grund warum ich empfänglich für Coyoten Telepathie war, ist, weil ich wie die alte Frau dieses blöde Haar in der Suppe nicht los werde. Und weil ich mich wie ein Geist fühle, ich wasche zwar nicht mit Seewasser ab, aber ich wasche das Geschirr von Hand, was ein ähnlich ödes Gefühl in mir produziert, der taube Nachbar ist meine Seele, die sich anfühlt wie ein vergammelter Riesenfisch am Sonntagssee. Und ich habe Gemüsesuppe immer gehaßt, Gemüsesuppe ist für mich so was wie ein verwahrlostes backyard in der Gemüseesuppensonntagsseestadt.

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Am liebsten schreibe ich, wenn ich mich total miserabel fühle. Deswegen sind meine Beiträge auch etwas düster von Zeit zu Zeit.  Was leicht untertrieben ist.  Mein Kanada Report hat sehr optimistisch angefangen Anno 2014 und ist mit jedem Beitrag pessimistischer geworden. Wie ein Psychothriller. Es gibt Menschen die sagen, man muß nur schöne Gedanken haben, dann fühlt man sich auch gut. Das Problem ist nur, daß man wenn man sich schlecht fühlt, einfach keine schönen Gedanken haben kann. Und dann ganz plötzlich, ohne ersichtlichen Grund und ohne diese gewollten schönen Gedanken, fühlt man sich plötzlich besser. Was für mich ein Beweis ist, daß man seine Stimmungen und Gefühle eben nicht einfach so beeinflussen kann mit  Gedanken. Wir sind ja keine Computer. Oder etwa doch? Vielleicht halbe Computer. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad programmieren, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Gefühle und Stimmungen kommen bei mir wie Besucher, die ich nicht einlade. Plötzlich sind sie da, machen sich breit und benehmen sich schlecht. Und dann plötzlich ziehen sie sich ihre stinkigen dreckigen Schuhe an und gehen wortlos weg. Und plötlich bin ich  fröhlich und leicht und alles ist gut. Bis zum nächsten Mal. Wo kommen diese Besucher her? Was wollen Sie? Es ist an der Zeit das rauszufinden.

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Schaufensterpuppe (Modell unheimliches Geisterkind) in der Sonntagsseestadt

199 Jahre first Settlement

First Settlement 1789 bis 1998

Die gute Nachricht ist, daß sich momentan keine ungewollten Besucher in mir breitmachen. Und ich fühle mich dementsprechend entspannt. Und das obwohl ich immer noch am häßlichsten Ort dieser Welt wohne, ich mich immer noch nach Schönheit sehne, es viel zu kalt ist für Mai, sogar für Mai in Kanada, es in Strömen regnet und so weiter und so weiter. Endlosliste.

Wenn man nicht an dem Ort ist, wo man denkt oder sich einbildet, daß man dort viel glücklicher wäre, sollte man umdenken. Der Ort ist man selber und man muß in erster Linie bei sich selber ankommen.

Und wenn man gerne bei sich selber ist, kann man auch ganz konstruktiv mit seinen ungewollten Besuchern umgehen. Man sagt freundlich, aber bestimmt: Ich lasse dich gehen. Viel Glück und alles Gute. Denn immerhin haben sie den weiten Weg gemacht, aus dem Land der Unendlichkeit um dich zu sehen. Sie brauchen Hilfe. Du mußt ihnen sagen: Geh zu dir.Da bist zu zu Hause.

Alles Theorie. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In Wirklichkeit sollte man mit den Besuchern sprechen. Sie haben nämlich wichtige Botschaften aus dem Unterbewußtsein und sich Dinge schönzureden bringt einen wirklich nicht weiter. Und als Mensch ist man abhängig von seiner Umgebung, außer man ist ein Mönch oder man ist in einer Sekte.

 

 

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Das Leben ist wunderlich, drum wunder dich nicht, wenn ein Wunder wunderlich ist

Genug mit dem Gefasel. Wir haben heute 8 grad Celsius, die Bäume sind erst zu einem drittel grün, meine Katze sitzt am Fenster und starrt auf die vorbeifahrenden Autos, es ist der 7.te Mai 2017 und es ist Sonntag.
Das war es mit der Folge 16, etwas kurz diesmal, dafür aber vollgepackt mit wertvollen Infos. Wie immer. Tschühüss!

 

Kleiner Tip für alle, die einen Übersetzer brauchen, der sich aufs Thema auswandern spezialisiert hat, hier der Link.

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Kanada Report, Teil 15

Schreiben.

Was ?

Das.

Was ist das?

Das was ist.Das ist was.

Achso.

Achso was?

Das was!

Achso das.

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Schwitzen im Sebtember.Das Rauschen der Autobahn ist immer noch leiser als meine inneren Stimmen, die wirr sich anschreien, entwirrt werden wollen, entwirrt werden müssen, doch kleben sie wegen der Hitze wie verschweißt zu einem lauten Kauderwelsch.

Erst Hitze,dann Regen

Der Regen macht mich hoffnungsvoll und hoffnungslos zugleich, denn mein Regenschirm ist verschwunden und mein Radarschirm auch. Und so sitz ich da halb liegend mit dem Rücken zur Wand, mein Halt, wünschte ich hätte ein Kissen aus Eis um meine Gedanken eiskristallklar werden zu lassen. Wenn die Seele sich versteckt und man nur noch ein ganz leises Hauchen hören kann, daß aber immer noch lauter ist als der Lärm der rasenden Autos, den Marionettenspielern der Marionetten, die sie dahinrauschen lassen in die verschmutzten Gewässer des öden Alltags. Eintönig, beschleunigt und tot.

Eintönig beschleunigt und tot. Dieser Satz kommt mir so  wahr vor für das moderne Leben.Ganz besonders,seit ich hier lebe.Davon habe ich ja wirklich schon genug erzählt.Zuviel.Obwohl ich nicht beschleunigt bin, aber eintönig und innerlich…,nein ich bin nicht innerlich tot,ich bin traurig über die Eintönigkeit. Solange man noch traurig ist,ist man noch sehr lebendig.

Die Zeit hat die Bedeutung verloren, denn niemand sieht sie mehr. Sie ist weg. Die Zeit ist weg. Sie wollte gehen. Und so verging die Zeit.

Wenn das alles so ist, wenn ich mich in so einem seelischen nach Mitternacht  im Industriegebiet bei 0 Grad und Regen,mit Nassen Schuhen Gefühl befinde, hilft mir meistens nur noch eines, und zwar den ganzen Wirrwar in Worte zu fassen, weil ich, wie alle Menschen mit der gleichen seelischen Störung, niemanden zum Reden habe.Was mich nicht wundert.Das Schweigen ist mein Schutz,die Einsamkeit inzwischen ein Freund geworden,mit dem ich mich wunderbar unterhalten kann.Nur alles ohne Worte.Und nicht wirklich wunderbar.Eigentlich ist es die ganze Zeit ein Streitgespräch.Ich wandle aber das Wort Störung in Strömung um. Hört sich freundlicher mir selber gegenüber an. Ich bin in einer Paralellströmung. Und sie bringt mich an Orte, die seltsam erscheinen. Erscheinen nicht wirklich, sie dunkeln mich an.Sie dunkeln mich ein. Doch wie eine Katze sehe ich im Dunkeln besser.

Ich sehe mich selber auf dem Bett sitzen. Ich sitze neben mir und neben mir sitze ich und daneben sitze ich und daneben sitze ich. Ein Spiegel im Spiegel im Spiegel, und es hört nicht auf.Niemals.Ich habe Angst,daß dieses Gefühl niemals aufhört,dieses nicht rausfinden aus dem Labyrinth der  merkwürdigen Zustände.Dieses Gefühl festzustecken und alles was man hört ist das Echo seiner eigenen Gedanken.Schau dich an und schau in dich rein und schau auch mal wieder raus und vielleicht finde ich mich wieder und kann mich an den Haaren rausziehen aus dem Labyrinth der Verlorenen aus dem Spiegelland.

Ich hatte mich damals auch selber an den Haaren aus dem Spiegelland gezogen und bin in der  anderen Strömung geschwommen.Habe versucht mich anzupassen. Bloß wenn ein Fisch in fremde Gewässer kommt, ist das auch nicht leicht für den Fisch. Also meine Schuppen schillerten in einer gängigerenen Farbe und ich  schien mich strömungsentsprechend zu entwickeln. Es gibt verschieden Gewässer. Es gibt Bergquellwasser, da wo ich herkomme, bin jetzt in dreckigen Seewasser gelandet und will aber ins frische Meerwasser. Das Problem ist: Der See führt nicht zum Meer.

Und deswegen werde ich mich in eine Möwe verwandeln.In meinem Geiste.

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Möwe am St. Lawrence River in Montreal

Ich bin jetzt eine geistige Möwe (warum Möwe? Ich weiß nicht,aber ich fotografiere immer Möwen, ich habe unendlich viele Fotos von Möwen) und bevor ich mich zum geistigen Abflug begebe, schau auf die letzen sieben Monate.Die waren besser als die Monate davor, was eine gute Nachricht ist.

Ich habe mich zusammengerissen und mir fest vorgenommen,daß alles besser wird.Es  ging auch gar nicht anders,es konnte nämlich nicht mehr schlechter werden,subjektiv betrachtet.Subjektiv ist meine Realität und ich glaube nicht,daß irgenein Mensch auf dieser Welt sich und sein Leben objektiv sieht.Das muß ich sagen,wegen der imaginären Schlaubergerkommentare,die  aus der Zukunft auf mich einschallen) Es fing damit an,daß ich mir einen Job gesucht habe. Das habe ich vorher zwar auch schon versucht, war aber noch nicht synchron mit der richtigen Schwingung. Den Job habe ich aber letzendlich zufällig bekommen.Ich hatte ja bereits berichtet,daß wir ständig in Secondhandläden gehen und alles mögliche einkaufen,bevorzugterweise Vintageware.Unsere ganze Wohnung sieht inzwischen so aus wie ein Secondhandladen.Eines schönen Morgens war mir so nach Kram kaufen zu Mute,die Sonne schien ganz wunderbar und ich ging zum Thriftstore von der Salvation Army.Der ist ganz in der Nähe.Ich wünschte mir noch,daß der eine Typ nicht da ist,der dort arbeitet.Weil er stört meinen Flow beim stöbern,weil er mich immer zuquatscht.Er hätte gerne so eine Frau  usw.bla bla bla..halts Maul,du Nervensäge.Ich muß unbedingt englische Porzellantassen  finden.Nach 15 Minuten gebrochenen Englischmonologen von ihm habe ich dann meistens  keine große Lust mehr auf shoppen.Ich blieb trotzdem immer freundlich, auch weil er der einzige Mensch war,der überhaupt mit mir geredet hat.Ansonsten ist nämlich meine Katze der einzige Mensch mit dem ich rede. Vielleicht übertreibe ich ein bischen.Und er hat zwar ein wenig genervt,aber ich fand ihn trotzdem interessant,weil skurile Menschen sind nun mal interessant.Typ:nette Nervensäge. Er war ein Verkehrspolizist auf einer Karibikinsel, bevor er ins schöne Pickering zog um einen Sklavenjob bei der Heilsarmee zu machen.Heilsarmee hört sich so doof an auf deutsch.Auf englisch hört es sich ganz anders an:Salvation Army. Hat einen heroischen Klang.Trotzdem,wenn das nicht ein Griff ins Klo ist.Na ja,so läuft das hier für viele.Außerdem,was rede ich.Ich war ein Mensch in Berlin bevor ich hierherkam,jetzt bin ich eine Möwe an einem verseuchten See.

Und das ist etwas total Starkes,wenn ich so drüber nachdenke. Ich bin ein Survivor.Im Sinne von Bergsteiger und Schneesturm.Bergsteigen ist ja etwas freiwilliges,auch zwanghaftes und gefährliches,wegen Naturgewalten ect. und wenn man dann überlebt,dann ist man stolz.Wäre man nicht auf den Berg gestiegen,hätte man nichts erlebt,vielleicht Fernsehen geschaut,einen Film über Bergsteiger z..B.

An diesem schönen Morgen erzählte er mir,daß sie jemanden einstellen wollen und er würde ein gutes Wort für mich einlegen.So bekam ich den Job. Inzwischen bin ich über drei Monate dort.Bevor ich dort angefangen habe,hatte ich auch ein paar andere Dinge in Bezug auf Jobsuche unternommen.So bekam ich einen kleinen Modeljob für eine russische Fotografin.Sie fotografierte Jane und mich auf Fahrrädern vor der Bücherei in Pickering.Ein anderes Mal mußte ich Bürochefin spielen.

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Bei meinem Kleinanzeigenstudium  stieß ich auf eine Anzeige,in der Künstler gesucht wurden für Gemälde mit Politikern.Ich antwortete auf die Anzeige und schickte einen Link mit meiner Webseite. Letzendlich bekam ich den Auftrag,der einer war ,wo man nur vielleicht was verdient.Ich malte 3 Bilder mit Putin und Trump als Liebespaar,so lautete mein Auftrag.Irgendwie hat mein Auftraggeber aber dann das Feuer für die Aktion verloren und sich keine Mühe gegeben die Bilder zu verkaufen.Was aber nicht so schlimm ist, nicht so schlimm,aber schade ist es trotzdem

Wenigstens habe ich mich mit etwas beschäftigt und wer die Bilder gerne kaufen möchte,kann mich kontaktieren.

Trotzdem,obwohl mir die Sache von Anfang an komisch vorkam,hatte ich trotzdem 20 prozent Hoffnung,daß ich endlich meinen großen Durchbruch habe.

Nochmal zu meinem Auftraggeber,der schon ein bemerkenswerter Typ ist. Er ist Rechtsanwalt,arbeitet als Arbeitsvermittler fürs Arbeitsamt und zu der Zeit,als ich noch Kontakt mit ihm hatte,war er gerade in einem langwierigen Bewerbungsprozess für einen Job als Spion bei der Regierung Kanadas.Ich frag mich was draus geworden ist.Ich fand die Kombination aus Spion und Geschäftsmann mit zweideutigen Politikerbildern sehr originell.

Donald Trump,Vladimir Putin, political paintings

Halloweendeko im Salvation Army Thriftshop

Ganz kurz im Schnelldurchlauf .Unser Frühling/Sommer 2016: Es gab viel Sonne und keinen Regen. Zu der  Eintönigkeit des Ortes gesellte sich noch die Eintönigkeit des Wetters. Ich habe meine permanent residence bekommen  (in Kanada ein Grund glücklich zu sein)und eine Krankenversicherung(noch ein grund glücklich in Kanada zu sein). Wir waren eine Woche im Urlaub,endlich mal raus aus diesem Pickering,  erst in Montreal, da wo Kanada sich zur lebenslustigen Französin verwandelt,wo wir uns mit Waschbären vergnügten, ich much versehentlich mit Tequila bis zum Umfallen besoff,dann im Norden Ontarios, in Mattawa,einen hübschen Ort mit Wildwest Goldgräbertown Atmossphäre,dort wo dein Schwiegersohn dein Bruder ist und deine Mutter deine Schwester und dein Kind dein Großvater. Dort  sind wir Kanu  auf dem Ottawa River gefahren und haben nach Bären Ausschau gehalten.Ansonsten haben wir nicht viel gemacht, was aber nicht langweilig war. Unlangweiliges nichtstun. Und vor allem immer draußen sein, keine Autos hören, ich fühlte mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mehr wie ich selber.Ansonsten waren wir bei einer Hochzeit,Peters Cousine hat ihren langjährigen Freund,einen Politiker aus Toronto geheiratet. 

Ich habe ihnen ein Bild zur Hochzeit geschenkt,weil ich ja grad beim Thema Politikerbilder war.

Wir waren auch bei einer Beerdigung in Montreal,bei der heitere Stimmung herrschte,da die Beerdigung ein halbes Jahr nach dem eigentlichen Tod stattfand.Nur als wir gingen,und ich zurück aus Grab schaute,tat mir die einsame Asche in der Urne leid.Ein Symbol unendlicher Einsamkeit.Blödsinn,weil es ja nur die sterblichen Überreste sind,was ja viel mehr über den Tod sagt,als einem bewußt wird.Peter und ich waren oft am Strand neben dem Atomkraftwerk.Hört sich schlimmer an,als es ist,es war sehr angenehm dort und sehr entspannend.Einmal haben wir unsere Katze mitgenommen.Sie hatte furchtbare Angst aus ihrem Katzentrageding rauszugehen.Sie blieb da drinnen und schaute den Möwen zu.Ich nahm sie raus für ein Familienfoto.

Jane hatte einen schönen Sommer und sie hat endlich Freunde gefunden.Seit sie so viele Freunde hat redet sie sehr komisch englisch.Eigentlich akzentfrei,aber sie redet als hätte sie Kaugummi im Mund und blondgefärbte Haare und als würde sie in der einzigen Bar in Hilliebillie Village arbeiten.Ziemlich filmreif.Sie versucht auch sich anzupassen. Peter  hat einen neuen Job in naher Zukunft, er wird kein Trucker mehr sein,sondern ein Gabelstaplerfahrer,was obwohl es sich nicht so anhört, hier in Kanada ein Superkarrieresprung ist.Das gute daran ist,daß er jetzt immer nach Hause kommt und ich nicht die ganze Woche Truckerwitwe bin, die an der Autobahn lebt und denkt:What the hell did I came for? 

Ich habe auch Pläne,ich plane Geschirr wegzuschmeißen, weil ich nicht gerne abwasche ,weil abwaschen ultraöde ist und weil eine Hand aus der Spüle kommt und mich ins Spiegelland zieht,in denen körperlose verlorene Seelen an ihrer Hoffnungslosigkeit ersticken.

So schlimm finde ich Abwaschen. Und das ist nicht übertrieben.Geschirrspülen ist ein Symbol des überflüssigen Überflusses von überflüssigen Zeug.

3 Personen,3 Tellerchen,Gabelchen und Löffelchen und so weiterchen.Wie bei Schneewitterchen

Sonnenuntergang in Mattawa

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Chillende Waschbären auf dem Mont Real

 Ich will da nicht mehr hin,aber ich bin schon drinnen. Ich suche dort was. Habe etwas vergessen, denn  die andere Strömung ist  auch nicht mein Ort und ich  muß meine Seele finden die ich  im Spiegelland gelassen habe,weil sie mich genervt hat. Ich hole sie da raus und nehme sie mit,weil eine nervende Seele ist besser als keine Seele.Und wenn ich noch weiter drüber nachdenke, muß man sein Leben so leben,daß es gut für die Seele ist.Und dann nervt sie auch nicht mehr und man nimmt sie gerne mit.Immer und jederzeit.Und dann fliege ich mit ihr dahin wo der Windgott wohnt und das Wasser wild und lebendig ist. Soviel ist sicher.

gleise

Das war das.

 Detailliertere Informationen gibt es eventuell in meinem Buch, welches im Jahre xxxx erscheinen wird.

Ich sag dann  noch Bescheid.

 

An alle Auswanderer , die einen Übersetzer brauchen, hier der Link.

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Kanada Report, Teil 11

IMG_7184Der Sommer ist vorüber. Es war sehr stickig. Besonders in unserer Wohnung, die ich aus bekannten Gründen ungern verlasse, da mich draußen die Ödnis erwartet. Eine Ödnis aus Autolärm und Betonklötzen,  Es hat sich nichts geändert, fühle mich immer noch am falschen Platz, der Kulturschock ist chronisch geworden. Besonders nach der Eklipse vom 27. September ist auch etwas in mir wieder ein wenig finsterer geworden. Leider war es sehr bewölkt an diesem Abend.Genau bis zu diesem Tag war es immer sehr warm und sonnig und fast wolkenfrei. Aber genau an diesem Tag war es bewölkt. trotzdem haben wir drei Stunden in den Himmel gestarrt, denn ab und zu hatte sich die Wolkendecke gelüftet und man konnte für ein paar Sekunden den Mond sehen.

Davor hatte es fast so ausgesehen, als würden sich etwas verbessern, ich hatte Mut geschöpft, hatte endlich wieder ein bischen Drive in meinem Leben, aber seit dem Blutmond blutet meine Seele wieder und ich fühle mich einer Realität ausgeliefert, die einem Straflager in Sibirien gleichkommt. Natürlich nur gefühlsmäßig. Was sind schon Gefühle.Sie sind alles und einerseits leide ich ab und zu unter extremen Beklemmungen, die mich nachts mit Herzrasen aufwachen lassen, andererseits fühle ich mich einfach nur leer und absolut gefühlsfrei. Nicht absolut. Ich bekomme zwischendurch abstrakte Wutanfälle. Ich denke innerlich ganz laut: du blödes langweiliges ArschlochKanada.Das ist echt zum Hobby geworden. Meine Tochter Jane und ich picken uns manchmal einfach so willkürlich fremde unschuldige Menschen raus und lästern ganz furchtbar über sie. Bevorzugter Weise schwerfällige Verkäufer. Einfach weil es Spaß macht und wir gerne zickig sind.“ It is not appropiate as a mother to talk like this with your daughter“( kanadische Stimme im Ohr). Gutes Lästerthema ist auch der Religionsunterricht in Janes katholischer Schule. Es ist einfach schon unglaublich was die armen Kinder sich da anhören müssen. Zum Beispiel:“Wenn man nicht Jesus in sein Herz läßt, kommt man in die Hölle!“ Das erzählt die Religionslehrerin ihren Zehntklässlern. Sie sollte sofort in die Hölle kommen, die dumme Suppe! Jawoll!  Hobby bricht wieder durch .Manchmal sitze ich hier vor Panik gelähmt und will einfach nur wieder nach Europa, was mir wie das Paradies auf Erden erscheint. Hallo Nadelbäume, ihr dämlichen Riesenseen und Scheiß rote Blätter im Herbst ich hasse euch! Ich leide unter säuerlichen Schimpftiradenattacken. Ich brauche unbedingt ein neues Hobby.

20150720_154352Dieses Foto spricht mehr als 100 Worte. Man sollte sich die Menschen im Vordergrund wegdenken, ich lächle scheinbar happy, wie ich das immer auf Fotos mache und dann denken alle, daß ich glücklich bin.Meine süße Tochter gibt sich auch Mühe und meine Schwiegermutter gibt sich ganz natürlich. Aber es geht nicht um uns auf diesem Bild, sondern  um den Hintergrund. Das ist so unglaublich. Wir waren in einem Park an dem abscheulichen verseuchtem Ontariosee mit meinen Schwiegereltern. Sie wollten mit uns spazieren gehen. Sie gingen ca.100 Schritte und das war es. Dann setzten sie sich da hin. In einüberdachtes Picknickareal, wie es ungemütlicher und häßlicher nicht sein kann. Straflagerromantik wohin das Auge reicht.

267Hier ist ein anderes Bild, daß das Kanadagefühl ( bezieht sich auf die Gegend in der wir leben) perfekt abbildet. Zumindest wie ich es fühle. Einsam mit Spiegelbild.Am Ufer des Wahnsinns. Im Nebel der Zukunft.

So jetzt habe ich mich ausgetobt, jetzt berichte ich mal von unserem Sommer. Daß wir eine Katze haben, habe ich ja neulich schon berichtet. Sie ist inzwischen groß und manchmal ein wenig gefährlich. Aber meistens ist sie süß und sie hört auf alle Namen die wir ihr geben. Lolita heißt sie, wir rufen sie Loshi, Lollo, Babykatze, Wildvieh, Azipi pupu,Agrolita ect.ect. Sie ist eben schlau. Manchmal ist sie  übermütig und auch genervt und es tut mir in der Seele weh, daß sie nicht raus kann.Sie sitzt immer am Fenster und schaut sehnsüchtig raus. Dann denke ich mir, wir brauchen noch eine zweite Katze, damit sie wenigstens irgendeinen Spaß hat. Ich kann den Schmerz und den Frust meiner Katze spüren.Deswegen spiele ich ganz viel mit ihr. Aber ich bin halt keine Katze, obwohl ich kratzbürstig und launisch bin.

20150904_165334Wir waren für vier Tage im Urlaub. Dort mieteten wir ein vergammeltes aber funktionelles Cottage in Honey Harbour von Bekannten meiner Schwiegereltern. Es war wirklich schön dort, und wir wurden an drei von den vier Tagen von anderen Bekannten meiner Schwiegereltern  im Boot rumgefahren. Ein Freund von Jane war aus Berlin angereist und verbrachte zwei Wochen mit uns.Unsere Katze war auch dabei und sie saß die ganze Autofahrt über brav auf meinem Schoß.

Das Bild unten zeigt einen Platz, an dem wir einen ganzen Nachmittag verbrachten, auf heißen Steinen rumlagen, uns einmalig von den Stromschnellen haben mitreißen lassen und jenseits der Stromschnellen schwommen. Sehr schöner Platz und wir sahen sogar eine Riesenschildkröte mit Drachenschwanz. Und eine Schlange.Hinterher erfuhren wir, daß es dort normalerweise nur so von Schlangen wimmelt.Sie liegen auch auf den heißen Steinen rum. Wir hatten Glück an diesem Tag.

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IMG_6948Wir machten auch noch einen Ausflug zu den Niagarafällen.Hier ein paar Bilder von dem legendären Ort.

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So wie sich die Schlangen auf den heißen Steinen tummeln, so tummeln sich Touristen bei den Niagarafällen. Uns zwar von überall auf der Welt..Der Ort der zu den Niagarafällen gehört ist total bescheuert. Blöde Vergnügungsmeile bevölkert von trashigen Touristen. Spielcasino, Geisterbahn, Freßläden, komische Museen, billig Chinashops, Nervfaktor 100 prozent. Aber am Wasser ist es schön, den „Walk behind the Falls“ muß man nicht unbedingt mitmachen, aber auf der Platform so ganz nah am Wasserfall war es schon nett. Ansonsten steht man eine Stunde an und geht dann durch einen Tunnel mit zwei Miniöffnungen und der Platform eben. Im Tunnel hängen Bilder mit der Geschichte der Niagarafälle. Also wer denkt, Niagarafälle  Naturschauspiel mitten in der Natur, der denkt falsch. Es ist ein Naturschauspiel inmitten der Touristenindustrie.

Wir schauten uns diesen Sommer auch mal die Toronto Islands an. Wenn man in Toronto lebt, sicherlich ein netter Ort zum Entspannen, trotzdem nichts besonderes. Es ist alles ein bischen zu organisiert, zu wenig naturbelassen. Verglichen mit der Pfaueninsel in Berlin schneiden die Toronto Islands nicht so gut ab,es fehlt der Zauber. Da Schönste daran ist die Fahrt mit der Fähre.  Überhaupt kann man Toronto nicht mit Berlin vergleichen. Es gibt ein paar nette Stellen, aber nachdem man 10 mal dort war, möchte man nicht noch mal hin. Es fehlt das Gefühl, die Atmosspähre, die Geschichten, die Poesie.Hauptsächlich ist es häßlich dort. Aber von weitem sieht es gut aus. Auf den ersten Blick allerdings nur.

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Ich war sogar in der TAG, der Toronto Art Gallery. Eine herbe Enttäuschung, besonders die Etage mit der kanadischen Kunst. Ich habe noch nie in meinem Leben so deprimierende Bilder gesehen. Ehrlich. Die Bilder waren ganz genau so wie ich es hier empfinde. Ich bin also nicht alleine mit meinen Empfindungen. Das Gebäude selber allerdings ist toll und es gibt auch laufend wechselnde Ausstellungen, die ich an dem Tag allerdings nicht gesehen habe,

Interessant ist es auch wenn man mit Leuten spricht, die irgendwann mal nach Kanada gekommen sind und wenn man sie fragt, wie sie es hier finden. OHH, the first 13 years were terrible./ I was crying for one year/I just hated it the for four years, now I love it(plem plem oder was?/I still cry when I go outside because it is so ugly.

Das nur für alle die denken, ich sei eine negative Schlampe, denkt es ruhig weiter, ich bin nur froh, daß ich nicht damit alleine bin. Aber 13 Jahre werde ich nicht hier durchhalten.

Und wenn man mit Leuten spricht, die hier aufgewachsen sind hört man folgendes: It is the best country of the world ( andere Länder kennen sie nur aus den Nachrichten), I don’t want to live anywhere else( sie können auch nicht weg, weil sie es sich nicht leisten können), the people are so nice here ( perfekte Roboter)It is so safe here( wegen den ganzen Terroristen auf dem Rest der Welt) Canada has such a good health system, everybody is insured( ist totaler Unfug, Augen und Zähne muß man selber bezahlen, Medikamente auch) the standard here is very high( die Schulden sind noch höher)

Man fragt sich ob vielleicht bei ihrer Geburt gleichzeitig eine Lobotomie vorgenommen wurde, so wie man das früher mit Geisteskranken gemacht hat. Aus wildgewordenen Wahnsinnigen haben sie mit Hilfe der Lobotomie gefügige Schäfchenzombies gemacht.

Trotzdem, die Freundlichkeit der Menschen hier,( Lobotomie hin und her), ist noch das Beste hier. Ich freue mich immer noch darüber. Und die Lehrer in der Schule sind auch viel netter als in Deutschland, auch wenn sie manchmal merkwürdige Sachen erzählen. Aber die Kinder werden hier wenigstens nicht wie Feinde behandelt. Sie sind lieb zu den Kindern und das ist sehr viel wert.

Und zum Schluß noch etwas ganz Ungewöhnliches, das vor zwei Tagen mit der Post gekommen ist. Jodtabletten, die man einnehmen soll im Fall einer nuklearen Katastrophe, wegen dem naheliegenden Kernkraftwerk.

It is the safest Country in the world.

AMEN and God safe the queen

 

PS:  Übersetzter für Auswanderer gesucht? Klicke bitte auf das Bild unten.

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Kanada Report, Teil 8

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Ich habe den Winter überstanden.Mein Hirn ist dank meiner Blumenmütze nicht eingefroren, aber ich muß gestehen, mit einer Mütze kommt man hier nicht weit. Zwei Mützen übereinander ist Standard. Auf diesem fröhlich frischen Foto bin ich zu sehen, bei Minus 25 Grad Celcius am Strand von Oshawa.Das ist jetzt aber auch schon über einen Monat her und mittlerweile ist der Schnee weg und der Frühling ist trotzdem in weiter Ferne. Der viel gefürchtete Wind, der im Winter  gar nicht so oft geweht hat, weht jetzt umso doller, daß es einem die Freude über die einstelligen Plusgrade unter 5 gründlich verdirbt. Die Möwen schreien wieder laut, die Eichhörnchen sehen gerupft aus, der weggetaute Schnee bringt Hundekot ans Licht. Das sind bis jetzt die einzigen Anzeichen für den weitentfernten, aber doch nahendem und nach Kalender schon angekommenen Frühling. Nicht ganz, gerade fällt mir so ein Typ ein, den ich neulich morgens beobachtet habe, wie er mit seinem Hund rausging. Es war ein strahlender Morgen bei minus 10 Grad und der Typ lief nur im T-Shirt rum. Seine Knochen schütze er nur mit dem Normaldurchmesser an weißkanadischer Fettschicht vor der Kälte.

Allerdings war ich Mitte März mit Jane in Toronto, ein Tagesausflug in die Großstadt ( ist gar nicht so weit weg, Entfernung wie von Köpenick nach Bahnhof Zoo) und wir hatten dort eine halbe Stunde am Hafen bei strahlendem Sonnenschein und absoluter Windstille, entstanden durch die Häuser, die ausnahmsweise mal menschfreundlich angeordnet waren. Dort hatten wir wirklich ein Gefühl von Frühling. Der Rest von Toronto ist ein einziger Windkanal, die Hochhäuser fungieren als Lautsprecher für den Wind, weswegen Toronto auch den Spitznamen Winddiscothek hat. Allerdings kann es schon passieren, daß man blöd angeschaut wird, wenn man am Schalter ein Ticket nach Winddiscothek verlangt, also sagt man besser doch Toronto.

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Apropos Schalter. Ich fragte die Angestellte am Schalter, welchen Zug ich aus Toronto zurücknehmen muß. Sie sagte ich muß Lakeshore West zurücknehmen. Ich sagte ihr, daß ich aber auf dem Rückweg in Richtung Osten muß, wohingegen sie erwiderte, daß der Zug ja aus dem Westen kommt. Willst du in den Osten, mußt du den Zug aus dem Westen nehmen. Klarer Fall. Sie gab mit sogar noch einen Plan und kreuzte die Züge an, die ich zurücknehmen kann. Ich muß zugeben, es verwirrte mich etwas. Aber sie mußte es ja wissen. Sie arbeitet wahrscheinlich schon ihr ganzes Erwachsenenleben in Pickering am Bahnhof. Also schenkte ihr ein bischen Vertrauen. Die Leute in Kanada arbeiten viel mit Himmelsrichtungen. Das haben sie von den Indianern.

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Nach unserem traumhaft schönen Hafenaufenthalt bewegten wir uns wieder Richtung Innenstadt.Sobald wir den Hafen verließen jagte uns eine Windböe nach der anderen, unsere Augen tränten und wir hatten mit der Kälte zu kämpfen. Glücklicherweise unterhielt mich Jane bestens mit einer perfekten Heidi Klum Imitation. Sie spielte, wir wären bei einem Fotoshooting und sie würde die gepeinigten Mädchen versuchen zu motivieren:“ Wenn du ein Bikini Shooting in Alaska hast, da kannst du auch nicht sagen: Mir ist  jetzt kalt, ich brauch eine Mütze!

IMG_6164Wir liefen den ganzen Nachmittag durch die Stadt, gingen durch X Geschäfte, wurden gar nicht müde, machten eine Starbucks- und eine Burgerkingpause, wo wir uns eine Poutine teilten. Poutine, ein typisch kanadisches Delikatessenessen: Pommes mit komischem Käse und widerlicher Bratensauce. Ich hatte eigentlich das andere kanadische Nationalgericht bestellt, Cäsarsalat, aber nachdem ich festgestellt hatte, daß keine Croutons drauf waren, brachte ich ihn zurück. Die Frau informierte mich darüber, daß es schon seit zwei Monaten keine Croutons mehr gibt. Wahrscheinlich hat der Croutonlieferant die Eisenbahn in die falsche Richtung genommen oder  die Frau bei Burgerking war mit der verwirrten Schaltertante aus Pickering verwandt. Um neun Uhr hatten wir endlich genug nach einem wirklich schönen, kommerziell befriedigendem Nachmittag in Toronto.

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Wir fanden den Weg zum Bahnhof und schauten auf die große Tafel in der Halle. Wegen mangelndem Vertrauen in die Bahnangestellte aus Pickering, fragte ich ein wartendes Mädchen, wonach wir schauen müssen, wenn wir nach Pickering wollen.Wir müssen Lakeshore East nehmen, weil wir in den Osten fahren. Ich sagte ungläubig: Danke, aber die Bahn kommt doch aus dem Westen!  Wenn sie auch dachte, ich wäre komplett bescheuert, so ließ sie es sich nicht anmerken und sagte freundlich, sie müsse auch nach Pickering und es ist wirklich Lakeshore East.

Das, was ich die ganze Zeit schon geahnt hatte!

Wir waren müde und freuten uns auf zu Hause. Aber es gab noch ein kleines, typisch kanadisches Hindernis. Ca. 2 Stationen vor Pickering gab es eine Durchsage, in der ein Bahnangestellter in Schnelldurchlauf irgendwelche vierstellingen Zahlen aufsagte, welche zu den Wagen gehörten, in denen die Türen nicht aufgingen.Da er es so schnell sagte, war es unmöglich rauszufinden, welche Türen jetzt funktionieren, geschweige denn in welche Richtung man laufen sollte, damit man die richtige Tür erwischt. Dazu muß  noch gesagt sein, daß die Wagennummern  keine numerische Reihenfolge haben und auch keine logische wie bei den Intelligenztests. Wenn wir beispielsweise in Nummer 1305 saßen könnte der nächste Wagen in die Antifahrtrichtung 1707 sein und so weiter.  Ich wurde nervös und hielt mich an vier junge Mädels, von denen ich annahm, daß sie es besser als wir verstanden haben. Mit dem Ergebnis, daß wir wie die Blöden durch die Wagen liefen, weil alle Türen verschlossen waren und wir tatsächlich verpassten in Pickering auszusteigen.Einem anderen Mann erging es genauso.Wir trafen auf den Durchsager, und ich hoffte innerlich, er würde den Zug zum Stehen bringen, was er aber nicht tat, stattdessen, schnauzte er uns auch noch an, daß er es vier mal gesagt hätte. Ich sagte ihm, daß seine Durchsagen total unverständlich waren. Er wollte nicht mit mir diskutieren und sagte das auch. Ich zuckte innerlich mit den Schultern und blieb cool wie das Eis auf dem Ontariosee. Das war auch gut so, denn der Durchsager fühlte sich schuldig und wurde extrem freundlich zu mir. Er sagte wir sollten  zwei Stationen weiter fahren und dann den Zug zurücknehmen, auf diese Weise müßten wir nicht so lange in der Kälte stehen. Wir müssen auch kein neues Ticket kaufen. Er machte sogar noch einen Anruf und sagte Bescheid, daß ein paar Leutchen Pickering verpaßt hätten. Und für die Zukunft gab er uns noch einen kleiner Tip: Alle Wagen, die mit 25 beginnen, öffnen die Türen in Pickering. Na, wenn das mal kein Insidertip ist!

Endlich in Pickering auf der Treppe zum Ausgang hielt uns noch ein verzweifelter Chinese auf und bat uns ihm ein Taxi zu rufen. Ich hatte echt keine Lust dazu, ich stempelte ihn in Gedanken als Triadenmitglied ab und verweigerte ihm fast die Hilfe. Moderne Menschen haben ein Handy, nur Verbrecher tun so als hätten sie keines. Ich benahm mich sehr arrogant, besann mich aber eines Besseren und rief ihm doch ein Taxi, dem armen Kerl.

Denn schließlich leben wir in Kanada und in Kanada ist man freundlich.

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