Kanada Report, Teil 18

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Es gibt wieder einiges zu berichten aus der Vorstadt mit dem Kernkraftwerk. Das Kernkraftwerk ist übrigens im gleichen Jahr gebaut worden in dem ich geboren wurde. Das ist wahrscheinlich auch meine schicksalshafte Verbindung mit diesem Schrottort. Ist sehr an den Haaren herbeigezogen, ich geb es ja zu, aber ich versuche wirklich die größeren Zusammenhänge zu verstehen und Aufregung in mein stinklangweiliges Leben zu bringen. Zufällig stieß ich heute auf das Thema Kernkraftwerk, weil ich rausfinden wollte, wer die Leiche war, die unweit vom Kernkraftwerk angeschwemmt und vor zwei Tagen gefunden wurde. Es handelte sich um einen 46 jährigen Mann, der schon seit Ende Dezember 2017 vermißt wurde. Auf der gleichen Seite von den Durham News, sah ich auch eine Petition für die Schließung des völlig veralteten Atommeilers und unterschrieb sie auch sofort. Ich dachte an die ganzen toten Riesenfische die man manchmal am Strand findet. Keine kleinen Fische, nein Atomfische. Das bemerkenswerte an der Seite der Durham News ist, daß auf jedem Foto zu einer Straftat, ein Polizeiauto zu sehen ist. Kommt man auf die Seite von den Durham News (Durham: das ist das Gebiet in dem sich unter anderen auch Pickering befindet) sieht man mindestens drei Fotos mit Polizeiautos. Und ein paar Büsche im Hintergrund. Vielleicht auch noch einen oder zwei Polizeibeamte von hinten. Das sind die Dinge, die einem Menschen mit Langeweile auffallen. Mir fiel auch auf, daß der Nachname von dem Toten, zufällig der gleiche Nachname war wie von dem Inslebenrufer der Petition für die Schließung des Kernkraftwerks. Aber nur der Nachname. Wo wir schon beim nuklearen Thema sind, ich war letzte Woche bei einem Stresstest (trotz oder gerade wegen meines langweiligen Lebens), wo ich aufs Laufband mußte und mir nukleare Flüssigkeit gespritzt wurde, damit man den Grund für mein abnormales EKG findet. Der Arzt versicherte mir, es wäre auf keinen Fall eine gefährliche Dosis, ich schaute ihn nur an und sagte ich hätte keine Angst davor, ich wohne ja schließlich in Pickering.

Pickering, die Stadt in der man von Langeweile krank wird.

Zum Jahreswechsel habe ich eine sehr lange Liste geschrieben, länger als die vom letzten Jahr, weil die Sachen , die ich 2017 nicht getan habe mit auf die 2018 Liste mußten. Allerdings habe ich auch einiges erledigt, was auf der Liste stand. Listen sind sehr hilfreich. Manchmal sind Listen auch listig. Andere wiederum sind lästig.

Der Mindestlohn ist zum Jahresbeginn ist um über zwei Dollar erhöht worden, was leider in meinem Fall dazu führte, daß meine Stunden so gekürzt wurden, daß ich jetzt noch weniger verdiene als vorher. Zeit um was Neues zu machen, Zeit für einen riesengroßen Wechsel auf jedem Gebiet. Alles Neu. Life is to short to be bored. Das ist mein Motto für dieses Jahr. Mein größtes Ziel dieses Jahr ist, Pickering zu verlassen. Aber eine Sache hat sich verändert, ich will nicht mehr unbedingt aus Kanada weg, ich will nur erst mal aus dieser Umgebung weg. Ich träume davon mir einen Bus zu kaufen und durch Nordamerika zu fahren und im Bus zu wohnen. Für eine Zeit einfach nur reisen. Das Problem ist nur, daß ich so eine Angst vorm Autofahren habe. Aber daran kann ich ja arbeiten.

Wegen meiner Arbeitszeitkürzung beschloß ich mir einen neuen Job oder zumindest einen Zusatzjob zu suchen. Ich wurde schnell fündig. Ein Putzjob in Privathäusern. Na, ja, also putzen ist nicht so meine Stärke, aber wenigstens bleibt man fit. Ja, manchmal befinde ich mich in sehr optimistischer und positiver Stimmung. Also schrieb ich der Dame, die die Anzeige aufgegeben hat und traf sie in einer Filiale von Tim Hortons zum Vorstellungsgespräch. Ich sah mich nach einer resoluten, übergewichtigen, mittelalten Dame mit kinnlangem blondgefärbten und leicht ausgewachsenen Ansatz um. So sehen Putzfrauenchefs in meiner Fantasie aus. Ich lag falsch, bis auf die kinnlangen Haare. Die Frau sah aus wie eine Stammkundin von einer Berliner Eckkneipe, war ungefähr 65 Jahre alt und hatte gelbe Nikotinfinger. Eigentlich sah sie aus wie eine Hexe, sie hatte so was in den Augen. Oder eine alte Fee, die einem erscheint und einem komische Prüfungen aufgibt. Sie erzählte und erzählte und erzählte. Sie war sehr nett, machte aber keine gute Werbung für den Job. Sie zahlte nicht mal Mindestlohn, obwohl sie es anders in die Anzeige geschrieben hatte. Sie erzählte mir wie hart der Job ist und daß eine Angestellte von ihr das ganze Geld, daß sie verdient hat für einen Physiotherapeuten ausgegeben hat, weil der Job so auf ihren Rücken ging. Nach dem Treffen ließ ich mir die ganze Sache noch mal durch den Kopf gehen. Ich entschloß mich weiter zu suchen. Was ich allerdings noch nicht gemacht habe. Ich hatte da noch so eine Idee, die ich weiter verfolgen wollte.

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Letztes Jahr habe ich ein Projekt in dem Secondhandladen, in dem ich arbeite, begonnen. Ich fing an meine Mitarbeiter zu fotografieren. Aus Möbeln, Tüchern, Plastikblumen, Vasen und Bildern ect. gestaltete ich die Hintergründe für meine Modelle. Die Modelle trugen ausschlißlich Klamotten aus unserem Laden. Die Fotos sind gut geworden. Fünf davon hängen bereits neben der Kasse, es kommen nächste Woche noch mehr dazu. Ich fragte die Managerin, ob man daraus nicht einen Job kreieren könnte, sie gab mir einen Kontakt. Der Laden gehört zu einer Organisation, die viel Gutes tut, aber auch einen frischen Anstrich gebrauchen könnte, wie zum Beispiel richtig künstlerische und attraktive Fotos. Meine Fotos! In meiner Fantasie reiste ich schon um die ganze Welt mit meinem neuen Job als Fotografin für diese Organisation.

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Heute habe ich den ganzen Vormittag verbracht eine Mail an diese Kontaktperson zu schreiben. Ich fügte die Fotos hinzu und schickte es ab. Hoffnung machte sich breit.

Genau fünf Minuten später erhielt ich eine Antwort. Leider kein Bedarf. Ich dürfte meine Fotos aber gerne auf der Facebookseite der Organisation teilen. Na toll. Sehr großzügig. Hätte sie nicht ein paar Tage mit der Antwort warten können? Ich mag es mit einem Hoffnungsschimmer zu leben.

Aber es ist ja noch nicht aller Tage abend. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Gut Ding will Weile haben. Ein blindes Huhn findet auch ein Korn. Gottes Mühlen malen langsam, aber gerecht. Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Also diese alten Oma Sprüche sind doch sehr motivierend. Wobei der letzte mein Lieblingsspruch ist. Über Kommentare mit mehr alten Oma Sprüchen würde ich mich sehr freuen!

Sie geben mir so ein Heimatgefühl. Das gute alte Deutschland! Wo an jeder Ecke ein Bäcker ist. Oder eine Eckkneipe. Nicht, daß ich Eckkneipen mag, ganz im Gegenteil, ich verabscheue sie zutiefst, aber sie gehören einfach zu Deutschland dazu. Mürrische Alkoholiker, die die Kurzen die sie trinken anschreiben lassen und die Wirtin mit dem Vornamen anreden. Und mit Du. Eckkneipen in Deutschland sind so was wie der Inbegriff der Düsternis. Aber man braucht den Kontrast. Bäcker sind der Inbegriff eines guten Starts in den neuen Tag, fröhlich, gutriechend, erfrischend und positiv. Und der Wert des Bäckers wird noch erhöht wenn er in der Nähe von einer Eckkneipe ist. Kontraste machen das Leben bunt. Hier gibt es keine Bäcker und keine Eckkneipen. Hier gibt es nur Fastfoodketten.

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Weihnachten 2017 war sehr reduziert, wir machten einen langen Spaziergang im Schnee, was sehr schön war. Wir waren nur zu viert inclusive unserer Katze Lolita. Dabei hätte es bleiben sollen. Leider ging es nicht ganz ohne Zwangsbesuche und bei dem Familienbesuch am ersten Weihnachtstag, der glücklicherweise ohne Geschenkezwang ablief, entzweite ich mich auf völlig lächerliche Weise mit meiner Schwägerin. Das ganze lief sehr unterschwellig ab, aber diese Unterschwelligkeit schwappte über meine Toleranzschwelle. Es war wie ein Sprung in einer Porzellantasse, der erst nicht sichtbar ist, aber plötzlich bricht die Tasse in zwei Stücke und es ist vorbei mit dem Kaffeetrinken.

Die Masken sind gefallen. Es fällt mir schwer, diese Geschichte jetzt nicht ganz ausführlich aufzuschreiben, weil im Nachhinein ist es so lächerlich, daß man drüber lachen kann.Und trotzdem,wenn man sich Streits ganz genau anschaut,tun sich oft Abgründe auf und oft stecken ganz andere Dinge dahinter,als es den Anschein hat.

Überhaupt will ich 2018 nur noch Sachen machen, die ich will und nichts mehr was ich nicht will. Ich will hemmungslos NEIN sagen können, wenn ich etwas nicht will und aber auch bedenkenlos JA, wenn ich etwas wirklich will. Bis jetzt habe ich immer ja gesagt, wenn ich etwas nicht wollte und Nein, wenn ich etwas wollte. Ziemlich bescheuert.

2018 werde ich eine Frau mit Standard. Wie meine Tochter immer so schön zu mir sagt: Du mußt Standard haben. Sie hat so recht. Und die Engel sind auf meiner Seite. Immer wenn ich auf die Uhr schaue ist es entweder 10.10 oder 11.11 oder 14.14 oder 22.22 oder 23.23 oder 13.13 usw. Man sagt, wenn das passiert, sind die Engel ganz nah bei einem. Es ist ganz extrem geworden in letzter Zeit. Seit mein lieber Großvater gestorben ist. Er ist sehr alt geworden, fast 103, und er war ein Mensch vor dem jeder Respekt hatte, weil er sehr freundlich, fleißig und großzügig war. Und auch selbstlos.Ich wäre gerne zu seiner Beerdigung gegangen um mich symbolisch zu verabschieden. Ich werde nie vergessen, wie nett er immer zu mir und meinen Brüdern war. Er ist mit uns in die Berge gegangen und hat Blaubeeren und Pilze mit uns gesammelt. Er hat sehr viel nette Sachen für uns gemacht. Wenn wir Kinder vor dem Fernseher saßen und uns Zeichentrickfilme angeschaut haben, hat er uns immer bedient und uns sehr hübsch dekoriertes, leckeres Essen gebracht. Es war immer wie im Restaurant. Wegen meinem Opa können wir alle Skifahren. Mein Opa war der Held meiner Kindheit. Er sah aus wie ein Schauspieler. Er sah sogar noch mit 100 gut aus. Ich hoffe es geht ihm gut in der neuen Dimension, aber ich mir eigentlich ganz sicher, daß er ein glücklicher Engel ist.

Es gibt noch so viel mehr zu berichten. Wenig Spannendes aus der Außenwelt, aber dafür sehr viel Spannendes aus der Innenwelt, aber ich lasse es für heute. Ich muß ja noch ein paar Überraschungen für mein Buch aufheben, meinen Auswanderer Bestseller Thriller über ein blindes Huhn in Pickering, daß versucht ein Korn zu finden. Wird es erfolgreich sein? Ist das Huhn gar nicht blind, sondern von einem Sonderkommando, das nur mit verbunden Augen operiert, da dadurch andere wertvolle Sinne aktiviert werden? Ist das Huhn gar kein Huhn, sondern ein Ninja? All das wird in meinem Buch beantwortet und noch viel mehr.

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Kanada Report,Teil 17

Fröhliche Lästermäuler

Drei Jahre sind schon vergangen. Drei ganze schöne Jahre in meinem kurzen Menschenleben. Drei Jahre sind so eine lange Zeit.Beängstigend lang. So sehr ich auch versuche den Boden unter meinen Füßen zu spüren oder einen Glimps (gibt es das Wort überhaupt)in die Zukunft zu sehen,ein kleines Licht im schwarzen Loch,da ist leider nur eine eiskalte dunkle Mauer. Und die Mauer spricht mit mir in einer krächzenden Stimme und sagt: „I am so sorry,I really don’t know.Sorry about that.Have a good day!“

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Urlaubsbild, Kuba, Dinosaurierpark, Santiago de Cuba

Lieblingswörter und Lieblingssprüche ziehen an mir vorbei wie stinkende Abgase und ich stehe da mit meinem Schmetterlingsnetz und tu so als wäre ich ein netter harmloser Träumer mit einem Schmetterlingsnetz. Aber ich will keine Schmetterlinge fangen,sondern Lieblingssprüche und Lieblingswörter von Kanadiern.

Ja,was wurde aus Ihr in der Fremde? Ich hab gehört sie ist verrückt geworden. Sie fängt Wörter und Sprüche und zerschmettert sie.

Ja,ist das denn möglich? Ja,ja,ich habe es gehört.Tja,was es alles gibt!

Wenn man einen Kanadier fragt,wie es geht, bekommt man sehr oft zu hören: „Not too bad.“ Ab ins Schmetterlingsnetz mit dem dämlichen Spruch. Obwohl er ja fast ein bischen nicht schlimm genug ist für mein Schmetterlingsnetz. Irgendwie ehrlich.Es geht allen Scheiße hier,aber so krass wollen sie es nicht sagen,deswegen sagen sie not too bad. Ein anderer Spruch, den ich hasse ist:“ Thank you, hon.“Sie meinen Danke,mein Honig. Das sagen sie zu jedem. Egal wie unappetitlich und widerlich der Mensch auch aussieht, er wird Honig genannt. „God bless“. Auch so ein nervender kanadischer Ausspruch. Diese Leute hier rennen immer in die Kirche und reden von Gott, aber nicht weil sie so nett sind und irgendetwas religiöses fühlen, sie sind Babypuppenzombies,und wenn man auf den Bauch drückt,sagen sie God bless. Sorry god, der Spruch ist reif für mein Netz. Für mein Zerschmetterlingsnetz.

Das ist nur eines von meinen morbiden Hobbies, die ich entwickelt und erfunden habe um einen Kick zu bekommen. Ein Kick der war nicht ins Tor schießt, sondern ein Kick um des Kickes wegen. Und das alles ohne Drogen. Ich könnte den ganzen Drogensüchtigen hier wunderbar helfen mit meiner drogenfreien Kickerfindungen und ihr kreatives Hirnareal etwas aktivieren, sofern davon noch was übrig ist.

Meine ersten Gänseblümchen in Kanada, gefunden in Owen Sound. Das Glücksgefühl läßt sich kaum in Worte fassen, weil ich dachte es gibt so was gar nicht in Kanada. Ich habe immer Ausschau nach ihnen gehalten und sogar Dr. Google gefragt.

Ein anderes Hobby von mir ist Leute in Gedanken ganz furchtbar zu beleidigen, weil sie stinken, fett sind und weil ihre Haare keine Farbe haben und weil sie rotgeränderte Augen mit Schuppen zwischen den Wimpern haben, und weil sie asozial mit ihren nervenden übergewichtigen Kindern reden und weil ihre Gesichter aussehen wie alte verschimmelte Küchenschwämme und weil sie beim Krächzen Spuckpartikel verteilen in der Luft die ich eigentlich noch atmen wollte. Und dann nachdem ich sie in Gedanken auf brutalste Weise fertiggemacht habe, versuche ich gleichzeitig freundlich zu sein und extra nett, nicht ohne einen Hauch von Arroganz, der mir eine extra Brise Charisma hinzufügt, so daß sie sich wie totale Untermenschen fühlen, was sie übrigens auch sind. Es gibt ja immer diesen Spruch, man solle schöne Gedanken haben, ich habe wunderschöne Gedanken, nämlich wie ich die Welt von Häßlichkeit und Dummheit befreie.

Die Hexe in mir

Ein anderes Hobby von mir ist, wenn ich frei habe, mir ganz viel vorzunehmen, was ich alles machen muß, damit ich mein Leben verbessern kann, aber dann nur auf dem Sofa zu liegen und blödsinnige Fragen auf Google einzutippen. Oft bin ich sogar zu faul zum essen. Zwischen meinem Faulsein zelebrieren schaffe ich es irgendwie dann doch noch auf mein Simply Fit board und mache mein 17 minütiges Ganzkörpertraining mit meiner YouTube Trainerin. Durch den Sport ist meine Hirnfunktion angeregt und ich fange an mir einzubilden, daß ich ein Genie bin und analysiere das menschliche Dasein und finde es einfach nur lächerlich und absurd. Besonders in Kanada, weil immerhin das ist ja mein Kanada Report. Das liegt auch am Namen, womit wir zu einem andern Hobby kommen. Das ich zwar nicht betreibe, aber vielleicht in der Zukunft. Also zum Namen Kanada, aus den Buchstaben kann man einfach keine anderen Wörter machen, außer nada, was „nichts“ heißt auf spanisch. Oder na und da. Also Theorie schon widersprochen, das sind schon drei Wörter und jetzt habe ich noch eines gefunden. Dank. Wofür denn bitte schön? Paßt aber, wenn man es genau nimmt, weil die Leute hier einem immer erzählen wie dankbar sie sind. I am so thankful, that I live in such an amazing country. Totaler Zerschmetterlingssatz. Nada Dank von meiner Seite.

Es gibt auch gute Dinge hier, wie zum Beispiel meine Arbeit. Die ist hauptsächlich gut, weil man hier sonst nichts machen kann, außer vielleicht mit Eichhörnchen im Park zu flirten. Ich mag meine Arbeitskollegen. Alles Leidgenossen. Meine Mitinsassen sozusagen. Ich arbeite in einem Secondhandladen (Klamotten, Haushaltswaren, Elektronik usw.) und da habe ich es hauptsächlich mit extrem nervenden Kunden zu tun. Meine Arbeit ist eine Zerreißprobe für meine Nerven. Was daran gut ist, erkläre ich jetzt. Also ich kann arbeiten und gleichzeitig meine Hobbies betreiben und Sätze einfangen, ich kann widerliche Menschen in Gedanken fertigmachen, manchmal gerate ich sogar in ganz reale Streits mit abscheulichen Kreaturen, die als Kunden in den Laden kommen. Die Streits enden immer damit, daß sich die Kunden bei meiner Chefin beschweren, der das aber total egal ist, weil sie not fucking cared. Natürlich gibt es auch ein paar nette Leute, aber der Großteil ist wirklich wie aus einem Horrorfilm wie zum Beisspiel „Wrong Turn“ oder so was in der Art. Ich liebe diese Momente, wenn ich mich mit Kunden anlege. Da sind echt totale Highlights, Assiwettbewerb. Mein bester Streit war als eine alte Abwasserhexe zu mir gesagt hat: You got an attitude. Ohh ohh, das hat sie genau der Richtigen gesagt. Sie hat sich daraufhin eine halbe Stunde hysterisch bei meiner pakistanischen sanftmütigen geduldigen Kollegin beschwert, weil sie dachte es wäre meine Chefin und hat dann einen Wutanfall bekommen, als sie rausgefunden hat, daß sie gar nicht die Chefin war. Das war ein guter Tag in Kanada. Wie im Gefängnis. Wenn es da kracht sind alle entertained.

Alles in allem habe ich viele neue Seiten bei mir entdeckt und neue Schichten von kreativer Destruktivität freigelegt. Dafür bin ich fucking thankful,man.

So, jetzt habe ich den ganzen Frust rausgelassen, muß leider über meinen Blog sein, weil ich immer noch keine Freunde habe, jedenfalls keine engen mit denen ich über alles reden kann, ich ARME, schluchz heul, genug gejammert.

Die Riesenente beim „Hootest Yardsale under the sun“ in Owen Sound

Das dritte Jahr in Kanada war wirklich das Beste von den drei Jahren, die wir hier schon leben. Ich habe bei mir eine Veränderung festgestellt, fühle mich stärker und weiser (richtig gehört bzw. gelesen)). Das heißt jetzt aber nicht, daß ich in Zukunft pseudoglückliche, sektenmitgliedsmäßige Beiträge schreibe, nein, nein und nochmals nein. Ich bleib bei meinem bissigen Schreibstil, aber trotzdem wäre es falsch, ausschließlich den Frust rauszulassen, weil es gibt ja auch schöne Momente, sogar hier.

Mit weiser meine ich, daß ich immer mehr alles von oben betrachte und mir immer mehr einfach idiotisch vorkommt und als ein Produkt von hirngewaschener Intelligenz. Wenn man einmal auf dem Trip ist, gibt es kein Zurück mehr. Es fällt einem immer mehr auf was Menschen alles an Dummheiten machen. Natürlich nicht nur hier, sondern überall auf der Welt, aber hier fällt es einfach mehr auf, weil man so wenig Möglichkeiten hat, sich auf angenehme Weise zu zerstreuen. Ich saß gestern mit meiner Tochter auf einer Bank auf einem riesengroßen Parkplatz und haben Mineralwasser mit Kohlensäure und Zitronengeschmack getrunken. Damit wurde auch schon das Maximum an Spaß erreicht, was man hier haben kann. Wir haben einen Lachanfall bekommen. Vielleicht kam es von der Kohlensäure.Vielleicht kam es von unserer dazugewonnen Weisheit. Lachanfälle sind auf jeden Fall etwas Tolles. Ich brauch mehr davon.

Ein Tip an alle , die schon ausgewandert sind oder noch auswandern wollen und dringend ihre Papiere übersetzen lassen müssen, ein Link für Übersetzer für Auswanderer

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Kanada Report, Teil 14

Wenn im Frühling die Vögel morgens zwitschern und man mit diesem Glücksgefühl erwacht und sich einfach nur freut,daß es draußen sonnig ist, die Leute entspannt und gut gelaunt, man selber voller Energie ist und auf sein Fahrrad springt und erfüllt mit

Vogelgezwitscher seinen Aufgaben nachgeht, was auch immer sie sein mögen, und einem dabei nicht einmal dieses graue, tote Alltagsgefühl befällt. Man sieht das Beste und Schönste in allem und jeden und man ist der glückliche Fels in der Brandung, nein der glückliche Fels ohne Brandung, nein man ist das Vogelgezwitscher in den Baumblüten, man ist der Wind der Freude transportiert, man ist der Blütenstaub auf der Katzenschnauze, der immer schon mal gerne auf einer Katzenschnauze sein wollte,so etwas wie die Malediven für Blütenstaub. Man ist der Geschmacksnerv, der entzückt ist über den Kaffeegeschmack,der ihn auf ein Tässchen besucht. Man springt vom Fahrrad,flattert zum Bäcker wie ein kleiner Spatz und bestellt mit zwitschernder Frühlingsmelodie Brötchen und plückt auf dem Nachhausewg noch ein verirrtes Vergißmeinnicht vom Straßenrand, daß sich bald mit frischem Wasser vollsaugt und das Blau noch blauer macht, so blau wie es das Blau erfunden wurde.
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Wenn man morgens aufwacht und man denkt: Ochhneeeh!, die Sonne durch die Fenster knallt, die man weder putzen noch öffnen kann, der Autolärm,der niemals endende Strom der Abgase, einen daran erinnert, daß man in Zombieland lebt, man sich statt Sonne Regen wünscht, weil Regen etwas tröstendes hat, weil er die Tränen sind, die man nicht weinen kann, weil man das Vergißmeinicht ist, daß am Straßenrand ergraut ist, das Blau verlor und dem Blütenstaub beibringen muß, das er niemals auf die Malediven für Blütenstaub auf den Schwinges des Sanften Frühlingwind fliegen kann, dann sollte man ein für allemal damit aufhören mit den  gewöhnlichen, wenn auch verständlichen Frustgedanken und sich auf eine Märchenebene erheben und anfangen die gute Fee zu rufen.
Sie wird kommen. Feen kommen überall hin, sie haben sehr gute Ohren,Feenohren eben, die Freude empfinden,wenn sie gerufen werden, weil sie das Grau wieder Blau machen wollen, und aus dem bittenden Namen des Vergißmeinichts mit einem Feenflügelschlag ein Ichvergessdichnicht zaubern.
Ohh mei Feechen, wenn ich genau hinhöre,dann kann ich den Feenstaub hören der durch die Abgase in meine Richtung tanzt, und auch wenn es nur ein Feenstaubkörnchen ist, daß heute auf meiner Seele landet, so werde ich es hegen,pflegen,ehren und liebhaben und zusammen Feenstaubspaß haben.

Hashtag Märchenebene, Hashtag esoterischer Motivationsworkshop, Hashtag Dr. Minnie Maus, Hashtag Allesohnedrogen, Hashtag Safetheblue, Hashtag Feenstaub

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Also die Sache mit dem Feenstaub ist nicht so ganz ungefährlich, es ist so als würde man eine neue Droge testen und man weiß nicht was sie für extreme Synapsenkomplikationen heraufbeschwören kann. Bei mir ist ein genetisch verändertes Feenstaubkörnchen angekommen, erst hatte ich plötzlich übermäßig gute Laune. Das ist bei mir allerdings seit ich hier lebe so üblich, 14 Tage Apathie, dann ein Tag Euphorie, dann ohne Fallschirm  abwärts. Das ist  Aua, dann wieder Apathie. Eindeutig nicht ganz auf seelisch mentaler Erleuchtungsebene. Also wie merke ich den Unterschied, ob es das Übliche war oder ein Feenstaubkörnchen?

Genetisch veränderte Feenstaubkörnchen kommen nicht wie angenommen aus einer Zwischenwelt in der Trolle mit Elfen knutschen, sondern sie kommen direkt aus der Sternenwelt. Die genetische Veränderung wird durch Eintritt in die Erdatmosphäre hervorgerufen, und hat keinen Einfluss auf den fundamentalen Effekt, sondern bewirkt einfach nur heftige physische Nebenwirkungen. In meinem Fall waren das Kopfschmerzen, die tagelang anhielten und sich nicht einmal mit den stärksten Pillen vertreiben ließen.

Aber das waren nur die Nebenwirkungen eines viel größeren chaotischeren Prozesses, und die genetische Veränderung von der ich gesprochen habe, war notwendig, denn wie Viren müssen auch Feenstaubkörnchen sich tarnen und anpassen um sich vermehren zu können.Sie nisteten sich also in mir ein, die lieben Feenstaubkörnchen aus der Sternenwelt und vermehrten sich in einem Wahnsinnstempo. Ich konnte es in meinen Armen und Beinen fühlen, und mein Herz beschleunigte sich um das Zehnfache und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Es hörte einfach nicht mehr auf und es wurde stündlich schlimmer, wobei das ganze 4 Tage oder länger dauerte und dann kam es in mir zu einer Detonation.Erdbeben, Erdbebenopfer, Chaos, Trauer aber auch Befreiung und Wahrheit. Die Zeit nach dem Erdbeben,Nachbeben, Durst, Panik, Adrenalin, Chaos… Hoffnung..
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Nach jedem Erdbeben beginnt die Aufräumphase und man repariert und verbessert und man forscht und man baut das neue Haus aus besseren Steinen, auf einem besseren Fundament.

Ich habe das Gefühl, daß ich mich für lange Zeit in einem Strafexil befand, wo mich Sternenmagier gesendet haben, wie in ein grausames Inernat oder in ein sadistisches Gefängnis wo man mit subtilen Psychoterror versucht aus Verbrechern Superhelden zu machen.Mit Superkräften.Ich habe den Verdacht, daß ich eine von den ganz Harten bin und wie in einem Science Fiction Film bewege ich mich mühelos zwischen den  Welten, bewaffnet mit unsichtbaren kraftvollen mentalen Schwingungsverbesserungsmaschinen.  Und ich fühle wie ich langsam mutiere.Zu einer echten Superheldin.

Und ich kann schon die Augenbrauen sehen, die sich in Mißtrauen nach oben ziehen.Ich sehe auch ein paar agressive Augenbrauen, Augenbrauen,die sich durch meinen Bericht verärgert zusammenziehen. Augenbrauen brauen sich zusammen. Ist sie jetzt im Irrenhaus? Und wenn man es so sieht, daß dieser wunderschöne Planet Erde das Irrenhaus ist, bevölkert von der gefährlichen zerstörerischen Spezies Mensch, ja dann bin ich wirklich im Irrenhaus. Wie alle anderen auch. Aber ich bin nicht in einer Zelle. Sondern ich wandele zielsicher und traumwandlerisch in meiner Feenstaubplantage.

Und langsam kommt das Blau zurück.

Apropos Irrenhaus.Ist das nicht der Ort wo besonders schlaue Leute Zuflucht finden, um sich vor den Wahnsinnigen da draußen schützen?
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Und wer dringend einen Übersetzer für Auswanderer braucht, einfach aufs Bild unten klicken.

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Kanada Report, Teil 13

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Bin heute den ganzen Tag vor diesem Bild gesessen und habe meditiert.Schön wäre es, gut hätte es mir getan. Eventuell. In Wahrheit hatte mich ein Monster im Griff und ich war wie gelähmt. So gab ich mich hin und zelebrierte bewußt das Faulsein. Ich versuchte kein schlechtes Gewissen dabei zu haben und auch nicht mal in Gedanken folgenden Satz zu denken: Ich bin eine Versagerin, zu nichts zu gebrauchen und nicht in der Lage jemals irgendetwas zu erreichen.Oder den Satz: Scheiß Kanada, wäre ich bloß niemals hierhergekommen, hier ist meine Kreativität erstickt und mein Hirn verblödet. Und danach: aber mal ehrlich gesagt, es liegt doch nur an mir. Ich bin Müll. Und da das eine sehr schwierige Aufgabe war, habe ich alle 5 Minuten genau diese Sätze aufgesagt, total zwanghaft in meinem eigenen Kopf. Trotzdem habe ich es ganz gut geschafft ein paar Stunden richtig genussvoll zu faullenzen. Betonung auf genußvoll.Oh, da fällt mit ein, ich habe 2 Stunden verschwendet meinen Computer zu reparieren, nachdem ich versucht habe eine Serie online zu schauen, wobei sich fremde und feindliche Programme auf meinem Computer eingenistet haben, die ich unbedingt wieder loswerden mußte. Danach habe ich so dumme Sachen gemacht wie mit einem Online Ouija Board zu kommunizieren. Ich brauchte jemanden zu reden. Das Wesen nannte sich Michael, als ich nach seinem Nachnamen fragte, sagte es zu mir, ich wäre unwürdig. Trotzdem sagte es auch durchaus vernünftige Sachen wie zum Beispiel, auf meine Frage, was ich Arbeiten soll: Höre auf dein Herz! Zum Schluß sagte ich höflich Auf Wiedersehen, da sagte es zu mir 666. Es wollte mir Angst einjagen, das Michael Wesen aus dem Computer. Hat nicht geklappt, ganz im Gegenteil, ich überlegte mir ob ich mir nicht eines zulegen sollte. Daraufhin verbrachte ich eine gute halbe Stunde mit Foren lesen, ob ein Ouija Board gefährlich ist. Alle sagten das gleiche: es gibt Türen, die besser geschlossen bleiben. Die Ouijageister seien niedrige Wesen, die entweder ermordet wurden oder durch andere schlimme Umstände ums Leben kamen und verwirrt umherschwirren und nur darauf warteten, daß irgendeine Dumpfbacke oder gelangweilte Auswanderin diesen Kanal öffnet.

Danach kam mir in den Sinn nach einer Hippiekommune auf Vancouver Island zu suchen, wo ich eventuell hin ausreißen könnte. Ich habe eine sehr interessante gefunden. Dort ißt man hauptsächlich magische Pilze. Wenn alle Stricke reißen, why not?

Warum nicht? Diese Frage hat Erleuchtungswert. Schreiben sie bitte 10 Sätze die mit Warum nicht anfangen. Seien sie kreativ dabei und Bescheidenheit ist in diesem Falle nicht vonnöten, sogar schädlich, da es sich um eine Übung handelt, die das Bewußtsein erweitern soll.

Diese Übung hat es in sich, obwohl ich sie mir gerade eben ausgedacht habe.

Warum nicht bewußtseinserweiternde Übungen erfinden?

Warum nicht diese Übungen selber  praktizieren?

Warum nicht einen fetten Bestseller darüber schreiben?

Warum nicht  zu den Fernsehinterviews zu denen man aufgrund des Bestsellers eingeladen wird im Bademantel  erscheinen?

Warum nicht einfach immer fröhlich sein und über alles lachen, solange nichts tragisches passiert?

Warum nicht ganz den persönlichen Bedürfnissen entsprechenden Zaubersprüche zu kreieren und sie laut aufsagen?

Und so weiter. Geht doch. Es sollte nicht in Arbeit ausarten. Das behindert die Kreativität und die Leichtigkeit dieser Übung geht verloren. Deswegen immer schön locker bleiben.Darum reichen auch 5 Sätze mit warum nicht.
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Trotz meiner guten Lebenstips die sich in meinen guten Tagen in meinem Hirn ausbreiten und überschwappen, halten sie nicht lange vor und ich falle immer wieder in das gleiche schwarze Loch. Inzwischen ist schon das letzte Januardrittel angebrochen, und ich frage mich jeden Tag, wo ich bin. Seit ich hier bin, fühle ich gar nichts mehr, außer ein wachsendes Unbehagen, darüber, daß ich nichts, aber auch gar nichts mehr empfinden kann, außer Unbehagen.

Das Unbehagen über das Unbehagen macht das Unbehagen noch unbehaglicher. Es bereitet den Menschen um einen herum natürlich auch Unbehagen und deren Unbehaglichkeit über meine doppelte Unbehaglichkeit macht sie zu einer Trippelunbehaglichkeit. Darum bin ich am liebsten allein und will mit niemanden mehr reden. Ich kann mich erinnern, daß ich mich gerne mit Menschen unterhalten habe, früher, aber jetzt will ich meistens nur noch jede Art von direkter Kommunikation vermeiden. Es ist mir zu anstrengend zu reden und meistens bin ich sauer. Und zwar ständig,die ganze Zeit, non stop. Mein vegetatives Nervensystem spielt verrückt.

Ich habe auch die Nase voll meinen Blog weiterzuschreiben. Ich finde es beschämend was ich schreibe,ich finde mich beschämend, aber es erleichtert mich und hilft mir die Sachlage klar zu erfassen. Was mir allerdings einen Scheißdreck weiterhilft, denn bin zu deprimiert irgendetwas zu ändern.Das Leben erscheint mir so unerträglich kompliziert und ich fühle mich so hilflos und unfähig. Ich bekomme nichts in den Griff. Alles um mich herum hat keine Substanz für mich. Ich habe das Geistergefühl, das Halloweensymdrom.

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Gabel auf dem Weihnachtsmarkt in Toronto

 

Bevor ich hierher gekommen bin hatte ich eine gute Phase. Ich fühlte mich leicht, frei und lebendig. Ich konnte mich austauschen mit anderen Menschen und ich war total Blockadenfrei. Vor dieser Phase hatte ich eine Krise, weil ich wußte ich gehe nach Kanada. Was ich nicht wirklich wollte, aber dachte, also Kopfstimme sagte,daß ich es muß und auch dachte ich,Veränderung ist gut und bla bla bla. Aber mein Bauch fühlte Angst.  Andererseits ist Angst ja auch irreführend manchmal. Man hat  diese zwei inneren Stimmen. Auch welche sollte man denn hören? Die vernünftige erwachsene aus dem Kopf oder auf die scheinbar irrartionale aus dem Bauch.
Das komplizierte daran ist,daß die Bauchstimme auch mit der Kopfstimme spricht und sich auch belabern läßt und dann gar nicht mehr klar ist und die Kopfstimme ist nur scheinbar ein Freund,weil sie unnachgiebig ist wie das brechende Eis auf der Mitte eines Sees. Und genau da bringt sie dich hin,wenn du nachgibst. So was haben wir daraus gelernt? Höre bitte auf deinen Bauch. Seine Stimme ist immer da,auch wenn du denkst du hörst sie nicht.
Die Stimme aus dem Kopf ist nicht die original innere Stimme. Es ist eine eingeschliche, verbogene und verbiegende, machthungrige Stimmperson. Sie will dein Leben kontrollieren. Sicherlich hat sie manchmal ganz gute Tips und Einblicke, aber wenn es um die großen Dinge im Leben geht, ist die Bauchstimme die wahre Weise. Sie vereint Gefühl mit Erfahrungswerten und Intuition und kennt dich am besten, denn sie war immer schon in dir. Sie weiß was gut für dich ist.

Und jetzt weiß ich auch was es so auf sich hat,wenn man man von Verrückten spricht,die Stimmen hören.
Dennoch,die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man so schön sagt. Meine Wutstimme sagt dazu: Total blöder Spruch. Ich glaube ich sterbe noch vor der Hoffnung. Blöde Hoffnung, ich hasse dich! Ich werde dich ermorden, nur um zu beweisen, daß es ein dummer Spruch ist, wahrscheinlich kommt der Spruch aus Kanada.  Ich bin so wütend auf mich selber. Sitze hier wie im Gefängnis, mein Leben ist so langweilig, es besteht aus Essen kochen,für Tochter und boyfriend, welches ich selber  nie esse, weil alles für mich wie Pappe schmeckt,einkaufen gehen und sauer sein. Blöde Hoffnung, du bist schon tot. Das ist aber auch ein echtes Scheißgefühl, weil das heißt das ich wirklich hoffnungslos bin.

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Die Pickering Chicks

Meine ignorierte innere Stimme schweigt mich an. Ich versuche Kontakt mit ihr aufzunehmen und habe ein Traumtagebuch begonnen.
Ohh mein Gott,sind meine Träume wirr. So sind Träume und wirr sind sie nicht, man muß nur ihre Sprache lernen. Eine Farbe verfolgt mich in meinen Träumen. Es ist die Farbe Rot. Fast jede Nacht erscheint sie mir im Traum. Rot wie Wut, aber auch Leidenschaft,was heißt, ich solle meine Wut vielleicht mal rauslassen, um wieder Leidenschaft zu fühlen. Nicht gerade buddistisch. Egal!Ich bin ja auch kein Buddhist.
Genug von meinem Innenleben,auch wenn das ein aufregender Platz ist, (Gähn!)ich muß mal ein paar kanadische Themen einflechten. Das es hier tot ist,habe ich ja schon erzählt. Ist ja nix Neues.

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Designerhochhaus in Toronto

Aber tot sein schützt nicht vor skurrilen Alltagstücken.Zum Beispiel es gibt hier keine Onlineüberweisungen. Jedenfalls nicht für Privatpersonen.Hier arbeitet man mit Schecks oder money order.Da geht man zu einem money order Ort, wo man Geld einzahlt, dafür bekommt man einen Schein und den schickt man mit der Post zu dem Geldempfänger. Falls ich das richtig verstanden habe. Nicht daß ich etwas damit zu tun hatte bis jetzt,bin finaziell weit davon entfernt, dennoch hat es mich interessiert, weil ich Janes Tanzschule per Überweisung bezahlen wollte, statt es der nicht vertrauenswürdigen Tanzangestellten in die Hand zu drücken. Die Tanzschulentante wußte gar nicht was eine Überweisung ist und laberte etwas von money order, und ich war total verwirrt, weil ich nicht wußte was money order ist. Daraufhin fragte ich meinen Boyfriend. Er erklärte mir das ganz genau. Ich sagte sehr deutsch: „Echt bescheuert!“ Er antwortete mir auf kanadisch:  Well, that’s the system. Every country has its own system… Ja, danke für die Info. Sprich bitte nicht weiter, ich brauch keine weitere Erklärung. (Mein boyfriend ist der geborene Erklärer.Er verliert niemals die Geduld und kann die gleiche Sache 1Million mal wiederholen ohne daß die Begeisterung und der Enthusiasmus in seiner Simme nachlässt).
So was unpraktisches und umständliches. Minus 100 Punkte für das Banksystem. Dumm und dümmer. Nur  ohne Humor.

Dann gibt es ein System für Mülltüten in der Küche. Ein hirnrissiges kurvenreiches Drahtgestell, daß sich jeglicher Logik entzieht. Siehe Foto.

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Kanadisches Mülltütensystem

Man kann die Mülltüte zwar irgendwie dran befestigen, aber nicht gut.

Kann natürlich auch sein, daß sie der Zeit voraus sind, die Kanadier. Fragt sich bloß welcher Zeit. Vor 200 oder dreihunder Jahren zwei Monate voraus. Oder nachdem die Welt schon untergegangen ist haben ein paar Leute überlebt, und zwar weil sie eingefroren waren und haben mit ihrem frostgeschädigten Hirn das Land wieder aufgebaut. Ich bin in der Zukunft gelandet, nach der großen Katastrophe. Das ist das Kanadagefühl.

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Kanadaflagge und Veteranengedenkding im Rollatorpark in Pickering

Schlimm ist es wenn man irgendwo anrufen muß, weil man sich wegen einer zu hohen Rechnung beschweren möchte, was oft passiert,weil sie damit rechnen,daß der Durchschnittskanadier zu höflich ist zu beschweren und einfach zahlt. Da hat man dann Leute am Apparat, die man nicht versteht, meistens Chinesen oder Inder, die zwar lehrbuchenglisch sprechen, aber so einen starken Akzent haben, daß man sie nicht versteht. Aber sie sind meistens sehr höflich und helfen einem gerne weiter.Sie lassen sich niemals aus der Ruhe bringen.Sie sind die perfekten falsch programmierten Roboter.Wären sie richtig programmiert,dann wurden sie auf Roboterart sagen: Kanada kalt.Nicht gut für Getriebe.Muß gehen.

Seifenblasen. Macht euch auf etwas gefaßt. Der Bubblemaker ist nicht an dem Deckel befestigt, man muß in die glitschige Soße reinfassen und ihn rausfischen um Seifenblasen zu machen.

Seifenblasen für Katzen. Mit Catnip. Ein echter Luxus.  Funktionieren genauso blöd, aber nur für Minuten, danach kann man aus unerklärlichen Gründen keine Seifenblasen mehr machen und die Katze schaut enttäuscht.

Apotheken Angestelllte. man fragt sie nach homöopathischen Mitteln, sie schauen einen an wie ein Auto und sie rufen den Manager.

Makeup Entferner kostet zwischen 7 und 12 Dollars.

Und dann die Schilder. An der Ampel wird man gewarnt von einem Schild, daß vor den Drähten warnt an dem die Ampel befestigt ist. Na super.Da laufe ich dann doch lieber bei rot über die Straße.

In einem Naturschutzgebiet gleich neben dem Kernkraftwerk ist ein Schild wo draufsteht: Real birds don’t eat bread.

Gut zu wissen, ich füttere dann eben die unechten Vögel.

In Janes Schule, die ja eine katholische ist, muß man als Mädchen unbedingt Schuhe tragen wo man die Knöchel sehen kann und wenn Schuhe über die Knöchel gehen, dann ist das sehr schlimm. Knöchel scheinen in Kanada antisexy zu sein und deswegen muß man sie in einer katholischen Schule sehen können. Hallo Hirn, where are you? I am fine thank you. Thats good. Have a nice day.

Neulich beim Einkaufen hatte ich so etwas wie einen Stalker. Ein Mann an der Ampel versuchte mich anzubaggern. Das war ja mal so was von kanadaisch! Ich war auf meinem Fahrrad er schaute mich an und sagte :“That’s a good idea.“ Ich sagte etwas wie:“ Ja, ich weiß. So muß ich nicht durch die Häßlichkeit laufen. “ So was verstehen die Leute hier nicht. Weil sie Schönheit nicht kennen. Punkt. Dann sah er mich an und faßte meinen Handschuh an und sagte: „You are in a good shape. Are you russian?“  „Nein ich bin aus Österreich.“ Ich wäre der erste österreichische Mensch, der ihm jemals in seinem Leben begegnet ist. Ich sagte ihm, daß das kein Wunder sei, weil die Österreicher sehr intelligente Menschen sind und normalerweise nicht in Pickering landen. Das müßte ihn jetzt aber abschrecken. Ein Glück  die Ampel schaltete um. Als ich im Supermarkt vor der Kosmetik stand kam dieser Typ auf einmal um die Ecke und starrte in meinen Einkaufswagen. „Lots of food“, war sein pfiffiger Kommentar. „Ahh, Körnerbrötchen“, nächster Kommentar. Ich sagte ihm, für meine Tochter. Er:“She doesn’t like plain stuff.“ Ich wünschte ihm einen schönen Tag und ging zur Kasse. Danach begegnete ich diesem Menschen noch 3 Mal  innerhalb von einer halben Stunde an verschiedenen Orten. Bei der letzten Begegnung quatschte er mich noch mal an.“ Sorry, can I ask you something personal? „Na klar, frag einfach. „Are you married?“ Ich sagte ihm, daß ich es sei und wünschte ihm viel Glück  beim Chickpicking in Pickering.

Kanadier auf Frauensuche in Pickering. Immerhin, er hat es in meinen Blog geschafft.

Ich weiß das sind alles unwichtige Kleinigkeiten, aber summiert man unwichtige Kleinigkeiten werden sie zu einer großen Sache, besonders wenn es kein positives Gegengewicht gibt.

Das alte Lied, das alte Leid

Und deswegen habe ich auch ein Lied geschrieben, letzten Frühling, als die Hoffnung noch lebte und auch mein Humor.

Auswanderer Blues Rap

T-Shirt bei minus 10, Bikini im Schnee

Minigolfakademie und Würmerpicken bei Night

Kanada ist anders

Kanada is crisp

die Menschen sind nett

Beton, Eis, Zucker und Fett

Hi honey, how do you do?

I am doing fine und you

Ich nehm heute das Eichhörnchenmobil

fahr zur Fried Nutella Farm

Everything is beautiful

Everything is fried

Kanada ist anders

Kanada is bright

Nimm noch ein Muffin mit auf den Weg

You never know

It might snow

Veteranenpark und Heilsarmee

Petrescuefarm brennt down in Pickering

Mann mit Ziege sucht ein Home

Zimmer mit Aussicht

auf Parkplatz bitte schön

Meine Tochter ist jetzt biopolar

alles nur wegen Kanada

Kanada ist anders

Kanada ist tralala

Alles hier ist wunderbar

Fried Joints im Fahrstuhl

dann Eisfishen mit Jack und John

Pack die Schnitzel ein

You never know

It might snow

Kanada ist anders

Kanada ist hirngechillt

Hi honey, how do you do

I am doing fine and you?

einkaufswagen

Parkplatzpoesie

 

Oh mein Gott war ich damals positiv.

Wenn ich jetzt ein Lied schreiben würde würde sich das so anhören:

Fuck you Kanada

dein Ahornsirup kotzt mich an

ich bin ein Idiot in Not

und die Hoffnung ist tot

Fuck you Kanada

basic living mit Plastikgehirn

Zombies high auf Hamburgern

und ich dazwischen

Hoffnung tot

Ich bin ein Trottel in Not

Tote Hoffnung

ist mein bester Kumpel hier

gleich nach dem Online Quijaboard

Fuck you Kanada

und deine blöden Seifenblasen

OHHH, jetzt geht’s mir gleich viel besser.

Bis zum nächsten Mal meine Lieben, ich hoffe ich kann etwas Schönes berichten, etwas spirituell wertvolles und praktisch verwertbares und nicht mehr nur kreativ negativen Müll.

EIM SSO SORRIHH (durch die Nase)

 

Und für alle, denen die Lust aufs Auswandern trotzdem noch nicht vergangen ist und die dringend einen guten Übersetzter für Auswanderer brauchen, einmal bitte auf das Bild unten klicken.

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Kanada Report, Teil 12

Einer meiner Lieblingsparkplätze

Die Zeit, die Zeit, die Zeit, sie läuft so schnell und die Menschen glauben,daß sie mitlaufen müssen. Aber ich glaube das nicht. Ich, der geborenen Antiallesmensch, mache alles so langsam wie es geht. So habe ich es gemeistert unangenehme Situationen endlos in die Länge zu ziehen, aber versäumt die schönen Zeiten zu verlängern.Die Zeit ist ein kompliziertes sensibes Gebilde, daß man nicht einfach so austricksen kann. Versucht man es, dann endet man so wie ich. In einem Vakuum. Vor ein paar Tagen hatte ich einen sehr bedeutungsvollen Traum. Ich bin sicher, daß er etwas mit meinem Zeitkonflkt zu tun hat. Ich träumte ich wäre blind, mußte aber eine Treppe hinuntergehen. Ich meisterte daß sehr gut und auch schnell und unten angekommen wurde mir applaudiert. Und ich konnte auch wieder etwas sehen. Allerdings nur mit dem rechten Auge, aber die Sicht war wie durch ein Fenster, daß nur teilweise geputzt war, so war die Sicht sehr unscharf. Mein linkes Auge konnte nur Helligkeit erkennen, aber keine Konturen. Ich war mir im Traum aber sicher, daß das noch besser wird. Trotzdem ließ mich dieser Traum aufwachen, weil er unterm Strich nicht gerade schön war. Natürlich dachte ich lange und intensiv über diesen Traum nach und kam zu dem Ergebnis, daß ich in mir unbedingt etwas  ändern muß.

Einen Tag später bekam ich Kopfschmerzen und zwar genau hinter meinem linken Auge. Sie wurden stündlich schlimmer und auch die Pillen halfen nichts. Nach ca. 20 Stunden klangen die Schmerzen langsam ab, aber es war so als würden sie sich nur verstecken. Abends kamen sie wieder, aber nur leicht, begleiteten mich durch den Schlaf, verschwanden morgens nach dem Kaffee. Letzte Nacht kamen sie wieder, abgemildert, aber nervend. Hinter meinem linken Auge. Dorf befindet sich der Zeitschalter, und ich muß ihn umstellen. Dann werden auch die Kopfschmerzen weggehen. Von schlechte Zeiten sinnlos in die Länge ziehen, auf schöne Zeiten auf unendlich stellen.

Die letzten Tage war es sehr warm hier. Am Dienstag, dem dritten November 2015 hatten wir 21 grad . Es war unglaublich. Frühling im November und das in Kanada.Der Herbst hier ist wirklich wunderbar.Ohne aber.

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Geheimagenten undercover in Pickering, Canada

Wegen des schönen Wetters  wagte ich einen längeren Trip mit meinem Fahrrad. Es war ein bischen enttäuschend. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel, die Blätter leuchteten, inzwischen hauptsächlich in einem strahlenden Gelb, Es war windstill, wir hatten 18 grad. Der perfekte Tag zum Fahhrad fahren.Mein Ziel war Secondhandsupermarkt im nächsten Ort. Leider war der Trip dahin anstrengend,wegen dem extremen Verkehr, der hier herrscht. Es war laut und es hat ganz furchtbar gestunken. Es war nicht nur der Abgasgeruch, sondern es war so als hätte das Kernkraftwerk Blähungen. Aber ich hielt durch und verbrachte eine recht entspannte Stunde beim Stöbern.Letztendlich konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir eine elegante Lederjacke für 16 Dollar.

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Lolita, das Bild und der Wassernapf

Viel aktuelles gibt es nicht zu erzählen.Ich merke wie meine Phantasie beunruhigenderweise langsam immer armseliger wird und oft fühle ich mich wie eine graue Mülltüte gefüllt mit Matsch. Sehr ungutes Gefühl. Ich habe so viel Zeit! Soso viel Zeit,fühle mich aber unter Druck.Unter Zeitdruck.Denn die Zeit sammelt sich auf mir wie faules Wasser.Und ich habe keine Ideen mehr,es ist als wäre meine Seele abgehauen. Kein Wunder.Hier sieht alles so aus als hätte man sich im Heizungskeller verlaufen und der Autolärm macht mich mürbe. Meine Seele mag sowas nicht.Deswegen ist sie weg und ich würde es gemein finden zu fragen,ob sie wiederkommt.Sie würde mir sowieso den Vogel zeigen. So lebe ich ohne Seele und in mir ist dieses klaffende schmerzhafte schwarze Loch. Mir ist alles egal geworden,ich kann mich nicht mal mehr aufregen,es ist fast so als wäre ich unheilbar krank und wüßte ich sterbe bald und es ist mir egal ob ich in Pickering sterbe.Denn das war der allerschlimmste Gedanke,also der beängstigenste überhaupt,in Pickering,Kanada zu sterben.Auch das ist mir inzwischen egal geworden.Das ist schlimm.Also falls ich hier sterbe,dann wäre das wirklich ein sehr schlechtes Ende.

Ich muß mein Drehbuch unbedingt bearbeiten. Also Ideen kommt zu mir seelenlosen Matschsack bitte. Also Pickering, Kanada, kein guter Ort zum sterben,auch kein guter Ort zum leben. Wie wäre es denn mit Pickering in England? Wäre das keine Alternative? Ja, ich bin eine Person,die gerne Quatsch macht und da es mir in Pickering, Kanada nicht gefällt und mir auch nichts einfällt wo ich hin soll, gehe ich jetzt mal nach Pickering in England.Rein theoretisch.Warum nicht? Dort haben die Menschen einen charmanteren Akzent und es gibt viele alte Häuser dort. Und außerdem, was noch viel bedeutsamer ist als alles andere, astrologisch gesehen wäre England angeblich der Ort meines Glücks. Würde ich in England leben, wäre ich glücklich und erfolgreich.Das hat mir meine Mutter erzählt, die mit einer Astrologin befreundet ist, die das gesagt hat, weil ich den Mond in den Zwillingen habe.Ich mußte erst mal lachen, aber dann wollte ich es schon genauer wissen. Der Mond in den Zwillingen, das hat ja jeder zwölfte Mensch, sollen die alle nach England gehen? Ich finde Ortsastrologie unglaublich interessant und wüßte ja sehr gerne aus astrologischer Sicht wie ich  meinen  Zwillingsmond helfen kann, solange ich noch in Kanada bin.Es ist ja bald Weihnachten und ich glaube, daß ist mein Weihnachtswunsch. Ein Ortshoroskop.

Nochmal zu England. Ich war einmal für drei Wochen dort. Ich war zwölf und habe bei fremden Leuten gewohnt, die eine Tochter in meinem Alter hatten. Es waren Bekannte von einer Freundin meiner Großmutter und ich wurde dorthin geschickt um englisch zu lernen. Ich war an einem kleinen vergammelten Ort am Meer in Wales,habe leider den Namen vergessen. Zeitweise hatte ich ziemliches Heimweh und auch wurde ich hin und wieder von ekelhaften Gerüchen belästigt.Und zwar fuhren wir manchmal in die Stadt zum Besorgungen machen, ich glaube es war Swansea und dort gab es sehr viele Butcher, und es hat so schlimm gestunken, weil sie Schaffleisch verkauften. Ich hielt immer die Luft an, wenn wir an so einem Laden vorbeigegangen sind. Manchmal bin ich mit meiner englischen Freundin ( also so richtig gut haben wir uns nicht verstanden, sie war ein bischen eine Pussey) in dem vergammelten Ort in dem sie gewohnt hat in  ein Cafe gegangen und haben Eiscremesoda getrunken.Das war der absolute Hit dort.Eine Kugel Vanilleeis in einem Glas Mineralwasser.Der zweite schlimme Geruch an den ich mich erinnern kann war der Mundgeruch von „meiner Schwester auf Zeit“. Wir spielten einmal Schnurtelefon mit leeren Konservendosen und Wollschnur und einmal tauschten wir die Dosen, weiß nicht mehr warum, jedenfalls habe ich fast gekotzt, weil ich in ihren Mundgeruch sprechen mußte. Ein andermal war ich mit ihr Schuhe kaufen, das war sehr interessant. Es war das Jahr 1978 uns sie suchte sich ortopädische Plateauschuhe aus. Ich habe das gar nicht verstanden.Komischerweise kann ich mich nicht an ihre Mutter erinnern,vielleicht war sie unsichtbar.Aber ihr Vater ist mir sehr gut im Gedächtnis geblleiben, er sah aus wie Bing Crosby, sprach wie Bing Crosby und war ein riesiger Fan von Bing Crosby. Er war sehr nett zu mir, und er mochte mir sehr gerne.Lustigerweise hat er mir beigebracht wie der Ort mit dem längsten Namen auf der Welt heißt und ich habe es mir bis heute gemerkt. Chlangweilpuchgwingechgogerachwirndrobuchchlangdeseiliogogogoch. Das ganze war auf walisich geschrieben, ich habe es so geschrieben wie mans spricht.Dieser Ort ist auch in Wales.Ich werde diesen Namen nie vergessen, aber der Ort wo ich war, den konnte ich mir nicht merken. Die Pussey hat mich oft zum lachen gebracht, sie hatte vor allem Angst. Ein Mensch mit Hund kam uns entgegen, sie lief heulend auf die andere Seite. Einmal waren wir am Strand, und wir sahen einen nackten Mann in der Ferne, sie lief schreiend davon. Einmal nahm sie mich mit zu ihrer Oma. Puppenstube, Porzellan und eine alte Dame wie aus dem Bilderbuch.Sie gab uns Tee und Kuchen, Der Kuchen war so trocken, daß man ihn nicht essen konnte.Auch war ein graues Haar in meinem Stück. und der Geruch in ihrer Puppenstube war abscheulich.Sie kochte gerade rote Beete. Trotzdem war es lustig dort, ich spielte der alten Dame einen Streich. Damals gab es so Fellschlüsselanhänger, ein langer Fellschwanz, eigentlich total geschmacklos, aber ich hatte so einen, wenn auch keinen Schlüssel. Ich nahm in in die Hand knüllte ihn zusammen und erzählte ihr, das wäre meine Maus. Sie kann sie gerne streicheln. Omi hatte Angst und ich habe mich schlapp gelacht.

Meine Zeit in England hat auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meinem Gedächtnis. Die nette Familie hat mir sogar London gezeigt. Bing Crosby 2.0 hat eine Superführung für mich gemacht. Die Horoskoptante hat wahrscheinlich Recht mit England. Auch kann ich mich erinnern, daß ich mich zu dieser Zeit noch selber mochte. Und wenn ich so zurückdenke war ich damals als 12 jährige eine lustige freche, aber trotzdem nette selbsbewußte Person.Ich will diese Person wieder sein. Komisch wie Erinnerungen die Stimmungslage ändern können. Ich fühle mich jetzt irgendwie wohler als vorher. Nur weil ich an England gedacht habe.

Mein Boyfriend ist in England geboren und meine Tochter möchte unbedingt british sprechen lernen, weil sie es so hübsch findet. Wenn das keine Zeichen sind. Wenn ich down bin, denke ich ab jetzt einfach an England.Das wird ab jetzt mein Mantra sein.Porzellantassen mit Rosen drauf, alte Tanten in Puppenstuben, Eiscremesoda in der Hafenstadt, Pommes mit Essig und und und. Schwerromantisch.

Mein Rückflug  war übrigens auch toll. Ich saß neben einem berümten österreichischen Zauberer und wir haben uns super unterhalten.Ich erzählte meiner Oma und meiner Tante von dem Zauberer. Sie sagten: Der Borax! Was, neben dem bist du gesessen? Na schau mal einer an.

Ich bin jetzt ein wenig abgeschweift, hat gut getan, aber ich muß jetzt noch etwas von dem Parkplatz mit der Heizungskelleratmospäre erzählen, ich meine da, wo ich mich momentan aufhalte. Es ist ja nicht viel passiert in letzter Zeit, wie auch in der gesamten Zeit davor sich nichts ereignet hat. Was habe ich gemacht? Ich habe ein paar Bilder gemalt, die aber wegen der Abwesenheit meiner Seele arm im Ausdruck sind.

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geflüchtete Seelen

Ich war ein paar mal im Prinzessin Diana Gedächtnispark und habe Äpfel gesammelt. Die lagen einfach so auf dem Boden rum, im schönsten apfelrot.Und sie sind ausgesprochen lecker. Wirklich. Ich esse seit drei Wochen jeden Tag Apfelmus. Mein neues Hobby.Und wir haben letzten Samstag unsere süße Katze Lolita kastrieren lassen. Das war aufregend und aufreibend. Ich kam mir sehr gemein und hinterhältig vor.Erst wird sie ihrer eierstöcke eraubt ohne daß sie gefragt wurde und dann  muß sie für sieben Tage so einen abscheulichen Kragen tragen, damit sie die Op Narbe nicht aufleckt. Jetzt hat sie nur noch eineinhalb Tage übrig. Es ist so ein Elend, eine Katze, die sich nicht putzen kann, aber ich muß sagen, Lolita, die kleine Kratzbürste verhält sich ganz vorzüglich mit ihren Kragen. Sie ist viel kuscheliger und anhänglicher mit Kragen. Am Freitag um 17.Uhr kommt der Kragen runter. Dann sind genau  7 Tage um. Ich leide wirklich mit der Katze mit, wahrscheinlich mehr als sie.

Während Lolita im Tierhospital weilte, daß in Etobicoke,einem Vorort von Toronto, liegt, mußten wir uns die Zeit irgendwie vertreiben. Wir gingen zur Pferderennbahn und schauten uns das Gebäude von innen und außen an. Da es erst 9.30 am Morgen war war nichts los. Trotzdem war es ganz interessant.

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Danach sind wir in so einen Selbstmörderpark gegangen, also Etobicoke ist sogar noch einen Zacken häßlicher als Pickering. Im Park überfiel mich ein Stück Hoffnungslosigkeit und ich dachte mir: Ohh du meine Scheiße, ist das trostlos hier! Beweis? Bitteschön, einmal Foto angucken.

Ausblick vom Skihügel in Etobicoke

Dagegen ist Pickering ja ein Ort für die Flitterwochen.

Pickering, Canada, sunset mit großen Schwestern und rosa Himmel

Abschließend bevor wir unser Kätzchen abholten, gingen wir noch in eine Mall unweit vom Tierhospital. Dort gab es einen kleinen Vergnügungspark mit einem traumhaftschönen Karussell.

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Karussel in der Mall

Interessant auf der metaphysischen Ebene ist die Sache mit den Pferden an diesem Tag. Erst gehen wir auf die Pferderennbahn(ungeplant), dann sehen wir ein Pferdekarussell( zufällig) und Lolita läuft und bewegt sich wie ein Pferd, seit sie diesen Kragen tragen muß. Things come in three.So ein Spruch, der manchmal stimmt.Auch wenn er spinnt.

Und das war es für heute, ich werde jetzt meine L -Theanin Pillen schlucken, ein bischen mit Lolita Bringmirdiemaus spielen,mit meinem Boyfriend, dem lonesome Trucker telefonieren, meiner süßen Tochter Gute Nacht sagen und dann in mein geliebtes Traumland hinübergleiten, daß mich hoffentlich mit einer sehr genialen Idee beschenkt.

Ich muß es mir nur wünschen.