Kanada Report,Teil 17

Fröhliche Lästermäuler

Drei Jahre sind schon vergangen. Drei ganze schöne Jahre in meinem kurzen Menschenleben. Drei Jahre sind so eine lange Zeit.Beängstigend lang. So sehr ich auch versuche den Boden unter meinen Füßen zu spüren oder einen Glimps (gibt es das Wort überhaupt)in die Zukunft zu sehen,ein kleines Licht im schwarzen Loch,da ist leider nur eine eiskalte dunkle Mauer. Und die Mauer spricht mit mir in einer krächzenden Stimme und sagt: „I am so sorry,I really don’t know.Sorry about that.Have a good day!“

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Urlaubsbild, Kuba, Dinosaurierpark, Santiago de Cuba

Lieblingswörter und Lieblingssprüche ziehen an mir vorbei wie stinkende Abgase und ich stehe da mit meinem Schmetterlingsnetz und tu so als wäre ich ein netter harmloser Träumer mit einem Schmetterlingsnetz. Aber ich will keine Schmetterlinge fangen,sondern Lieblingssprüche und Lieblingswörter von Kanadiern.

Ja,was wurde aus Ihr in der Fremde? Ich hab gehört sie ist verrückt geworden. Sie fängt Wörter und Sprüche und zerschmettert sie.

Ja,ist das denn möglich? Ja,ja,ich habe es gehört.Tja,was es alles gibt!

Wenn man einen Kanadier fragt,wie es geht, bekommt man sehr oft zu hören: „Not too bad.“ Ab ins Schmetterlingsnetz mit dem dämlichen Spruch. Obwohl er ja fast ein bischen nicht schlimm genug ist für mein Schmetterlingsnetz. Irgendwie ehrlich.Es geht allen Scheiße hier,aber so krass wollen sie es nicht sagen,deswegen sagen sie not too bad. Ein anderer Spruch, den ich hasse ist:“ Thank you, hon.“Sie meinen Danke,mein Honig. Das sagen sie zu jedem. Egal wie unappetitlich und widerlich der Mensch auch aussieht, er wird Honig genannt. „God bless“. Auch so ein nervender kanadischer Ausspruch.  Diese Leute hier rennen immer in die Kirche und reden von Gott, aber nicht weil sie so nett sind und irgendetwas religiöses fühlen, sie sind Babypuppenzombies,und wenn man auf den Bauch drückt,sagen sie God bless. Sorry god, der Spruch ist reif für mein Netz. Für mein Zerschmetterlingsnetz.

Das ist nur eines von meinen morbiden Hobbies, die ich entwickelt und erfunden habe um einen Kick zu bekommen. Ein Kick der war nicht ins Tor schießt, sondern ein Kick um des Kickes wegen. Und das alles ohne Drogen. Ich könnte den ganzen Drogensüchtigen hier wunderbar helfen mit meiner drogenfreien Kickerfindungen und ihr kreatives Hirnareal etwas aktivieren, sofern davon noch was übrig ist.

Meine ersten Gänseblümchen in Kanada, gefunden in Owen Sound. Das Glücksgefühl läßt sich kaum in Worte fassen, weil ich dachte es gibt so was gar nicht in Kanada. Ich habe immer Ausschau nach ihnen gehalten und sogar Dr. Google gefragt.

Ein anderes Hobby von mir ist Leute in Gedanken ganz furchtbar zu beleidigen, weil sie stinken, fett sind und weil ihre Haare keine Farbe haben und weil sie rotgeränderte Augen mit Schuppen zwischen den Wimpern haben, und weil sie asozial mit ihren nervenden übergewichtigen Kindern reden und weil ihre Gesichter aussehen wie alte verschimmelte Küchenschwämme und weil sie beim Krächzen Spuckpartikel verteilen in der Luft die ich eigentlich noch atmen wollte. Und dann nachdem ich sie in Gedanken auf brutalste Weise fertiggemacht habe, versuche ich gleichzeitig freundlich zu sein und extra nett, nicht ohne einen Hauch von Arroganz, der mir eine extra Brise Charisma hinzufügt, so daß sie sich wie totale Untermenschen fühlen, was sie übrigens auch sind. Es gibt ja immer diesen Spruch, man solle schöne Gedanken haben, ich habe wunderschöne Gedanken, nämlich wie ich die Welt von Häßlichkeit und Dummheit befreie.

Die Hexe in mir

Ein anderes Hobby von mir ist, wenn ich frei habe, mir ganz viel vorzunehmen, was ich alles machen muß, damit ich mein Leben verbessern kann, aber dann nur auf dem Sofa zu liegen und blödsinnige Fragen auf Google einzutippen. Oft bin ich sogar zu faul zum essen. Zwischen meinem Faulsein zelebrieren schaffe ich es irgendwie dann doch noch auf mein Simply Fit board und mache mein 17 minütiges Ganzkörpertraining mit meiner YouTube Trainerin. Durch den Sport ist meine Hirnfunktion angeregt und ich fange an mir einzubilden, daß ich ein Genie bin und analysiere das menschliche Dasein und finde es einfach nur lächerlich und absurd. Besonders in Kanada, weil immerhin das ist ja mein Kanada Report. Das liegt auch am Namen, womit wir zu einem andern Hobby kommen. Das ich zwar nicht betreibe, aber vielleicht in der Zukunft. Also zum Namen Kanada, aus den Buchstaben kann man einfach keine anderen Wörter machen, außer nada, was „nichts“ heißt auf spanisch. Oder na und da. Also Theorie schon widersprochen, das sind schon drei Wörter und jetzt habe ich noch eines gefunden. Dank. Wofür denn bitte schön? Paßt aber, wenn man es genau nimmt, weil die Leute hier einem immer erzählen wie dankbar sie sind. I am so thankful, that I live in such an amazing country. Totaler Zerschmetterlingssatz. Nada Dank von meiner Seite.

Es gibt auch gute Dinge hier, wie zum Beispiel meine Arbeit. Die ist hauptsächlich gut, weil man hier sonst nichts machen kann, außer vielleicht mit Eichhörnchen im Park zu flirten. Ich mag meine Arbeitskollegen. Alles Leidgenossen. Meine Mitinsassen sozusagen. Ich arbeite in einem Secondhandladen (Klamotten, Haushaltswaren, Elektronik usw.) und da habe ich es hauptsächlich mit extrem nervenden Kunden zu tun. Meine Arbeit ist eine Zerreißprobe für meine Nerven. Was daran gut ist, erkläre ich jetzt. Also ich kann arbeiten und gleichzeitig meine Hobbies betreiben und Sätze einfangen, ich kann widerliche Menschen in Gedanken fertigmachen, manchmal gerate ich sogar in ganz reale Streits mit abscheulichen Kreaturen, die als Kunden in den Laden kommen. Die Streits enden immer damit, daß sich die Kunden bei meiner Chefin beschweren, der das aber total egal ist, weil sie not fucking cared. Natürlich gibt es auch ein paar nette Leute, aber der Großteil ist wirklich wie aus einem Horrorfilm wie zum Beisspiel  „Wrong Turn“ oder so was in der Art. Ich liebe diese Momente, wenn ich mich mit Kunden anlege. Da sind echt totale Highlights, Assiwettbewerb. Mein bester Streit war als eine alte Abwasserhexe zu mir gesagt hat: You got an attitude. Ohh ohh, das hat sie genau der Richtigen gesagt. Sie hat sich daraufhin eine halbe Stunde hysterisch bei meiner pakistanischen sanftmütigen  geduldigen Kollegin beschwert, weil sie dachte es wäre meine Chefin und hat dann einen Wutanfall bekommen, als sie rausgefunden hat, daß sie gar nicht die Chefin war. Das war ein guter Tag in Kanada. Wie im Gefängnis. Wenn es da kracht sind alle entertained.

Alles in allem habe ich viele neue Seiten bei mir entdeckt und  neue Schichten von kreativer Destruktivität freigelegt. Dafür bin ich fucking thankful,man.

So, jetzt habe ich den ganzen Frust rausgelassen, muß leider über meinen Blog sein, weil ich immer noch keine Freunde habe, jedenfalls keine engen mit denen ich über alles reden kann, ich ARME, schluchz heul, genug gejammert.

Die Riesenente beim „Hootest Yardsale under the sun“ in Owen Sound

Das dritte Jahr in Kanada war wirklich das Beste von den drei Jahren, die wir hier schon leben. Ich habe bei mir eine Veränderung festgestellt, fühle mich stärker und weiser (richtig gehört bzw. gelesen)). Das heißt jetzt aber nicht, daß ich in Zukunft pseudoglückliche, sektenmitgliedsmäßige Beiträge schreibe, nein, nein und nochmals nein. Ich bleib bei meinem bissigen Schreibstil, aber trotzdem wäre es falsch, ausschließlich den Frust rauszulassen, weil es gibt ja auch schöne Momente, sogar hier.

Mit weiser meine ich, daß ich immer mehr alles von oben betrachte und mir immer mehr einfach idiotisch vorkommt und als ein Produkt von hirngewaschener Intelligenz. Wenn man einmal auf dem Trip ist, gibt es kein Zurück mehr. Es fällt einem immer mehr auf was Menschen alles an Dummheiten machen. Natürlich nicht nur hier, sondern überall auf der Welt, aber hier fällt es einfach mehr auf, weil man so wenig Möglichkeiten hat, sich auf angenehme Weise zu zerstreuen. Ich saß gestern mit meiner Tochter auf einer Bank auf einem riesengroßen Parkplatz und haben Mineralwasser mit Kohlensäure und Zitronengeschmack getrunken. Damit wurde auch schon das Maximum an Spaß erreicht, was man hier haben kann. Wir haben einen Lachanfall bekommen. Vielleicht kam es von der Kohlensäure.Vielleicht kam es von unserer dazugewonnen Weisheit. Lachanfälle sind auf jeden Fall etwas Tolles. Ich brauch mehr davon.

 

 

Ein Tip an alle , die schon ausgewandert sind oder noch auswandern wollen und dringend ihre Papiere übersetzen lassen müssen, ein Link für Übersetzer für Auswanderer

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