Kanada Report, Teil 12

Einer meiner Lieblingsparkplätze

Die Zeit, die Zeit, die Zeit, sie läuft so schnell und die Menschen glauben,daß sie mitlaufen müssen. Aber ich glaube das nicht. Ich, der geborenen Antiallesmensch, mache alles so langsam wie es geht. So habe ich es gemeistert unangenehme Situationen endlos in die Länge zu ziehen, aber versäumt die schönen Zeiten zu verlängern.Die Zeit ist ein kompliziertes sensibes Gebilde, daß man nicht einfach so austricksen kann. Versucht man es, dann endet man so wie ich. In einem Vakuum. Vor ein paar Tagen hatte ich einen sehr bedeutungsvollen Traum. Ich bin sicher, daß er etwas mit meinem Zeitkonflkt zu tun hat. Ich träumte ich wäre blind, mußte aber eine Treppe hinuntergehen. Ich meisterte daß sehr gut und auch schnell und unten angekommen wurde mir applaudiert. Und ich konnte auch wieder etwas sehen. Allerdings nur mit dem rechten Auge, aber die Sicht war wie durch ein Fenster, daß nur teilweise geputzt war, so war die Sicht sehr unscharf. Mein linkes Auge konnte nur Helligkeit erkennen, aber keine Konturen. Ich war mir im Traum aber sicher, daß das noch besser wird. Trotzdem ließ mich dieser Traum aufwachen, weil er unterm Strich nicht gerade schön war. Natürlich dachte ich lange und intensiv über diesen Traum nach und kam zu dem Ergebnis, daß ich in mir unbedingt etwas  ändern muß.

Einen Tag später bekam ich Kopfschmerzen und zwar genau hinter meinem linken Auge. Sie wurden stündlich schlimmer und auch die Pillen halfen nichts. Nach ca. 20 Stunden klangen die Schmerzen langsam ab, aber es war so als würden sie sich nur verstecken. Abends kamen sie wieder, aber nur leicht, begleiteten mich durch den Schlaf, verschwanden morgens nach dem Kaffee. Letzte Nacht kamen sie wieder, abgemildert, aber nervend. Hinter meinem linken Auge. Dorf befindet sich der Zeitschalter, und ich muß ihn umstellen. Dann werden auch die Kopfschmerzen weggehen. Von schlechte Zeiten sinnlos in die Länge ziehen, auf schöne Zeiten auf unendlich stellen.

Die letzten Tage war es sehr warm hier. Am Dienstag, dem dritten November 2015 hatten wir 21 grad . Es war unglaublich. Frühling im November und das in Kanada.Der Herbst hier ist wirklich wunderbar.Ohne aber.

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Geheimagenten undercover in Pickering, Canada

Wegen des schönen Wetters  wagte ich einen längeren Trip mit meinem Fahrrad. Es war ein bischen enttäuschend. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel, die Blätter leuchteten, inzwischen hauptsächlich in einem strahlenden Gelb, Es war windstill, wir hatten 18 grad. Der perfekte Tag zum Fahhrad fahren.Mein Ziel war Secondhandsupermarkt im nächsten Ort. Leider war der Trip dahin anstrengend,wegen dem extremen Verkehr, der hier herrscht. Es war laut und es hat ganz furchtbar gestunken. Es war nicht nur der Abgasgeruch, sondern es war so als hätte das Kernkraftwerk Blähungen. Aber ich hielt durch und verbrachte eine recht entspannte Stunde beim Stöbern.Letztendlich konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir eine elegante Lederjacke für 16 Dollar.

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Lolita, das Bild und der Wassernapf

Viel aktuelles gibt es nicht zu erzählen.Ich merke wie meine Phantasie beunruhigenderweise langsam immer armseliger wird und oft fühle ich mich wie eine graue Mülltüte gefüllt mit Matsch. Sehr ungutes Gefühl. Ich habe so viel Zeit! Soso viel Zeit,fühle mich aber unter Druck.Unter Zeitdruck.Denn die Zeit sammelt sich auf mir wie faules Wasser.Und ich habe keine Ideen mehr,es ist als wäre meine Seele abgehauen. Kein Wunder.Hier sieht alles so aus als hätte man sich im Heizungskeller verlaufen und der Autolärm macht mich mürbe. Meine Seele mag sowas nicht.Deswegen ist sie weg und ich würde es gemein finden zu fragen,ob sie wiederkommt.Sie würde mir sowieso den Vogel zeigen. So lebe ich ohne Seele und in mir ist dieses klaffende schmerzhafte schwarze Loch. Mir ist alles egal geworden,ich kann mich nicht mal mehr aufregen,es ist fast so als wäre ich unheilbar krank und wüßte ich sterbe bald und es ist mir egal ob ich in Pickering sterbe.Denn das war der allerschlimmste Gedanke,also der beängstigenste überhaupt,in Pickering,Kanada zu sterben.Auch das ist mir inzwischen egal geworden.Das ist schlimm.Also falls ich hier sterbe,dann wäre das wirklich ein sehr schlechtes Ende.

Ich muß mein Drehbuch unbedingt bearbeiten. Also Ideen kommt zu mir seelenlosen Matschsack bitte. Also Pickering, Kanada, kein guter Ort zum sterben,auch kein guter Ort zum leben. Wie wäre es denn mit Pickering in England? Wäre das keine Alternative? Ja, ich bin eine Person,die gerne Quatsch macht und da es mir in Pickering, Kanada nicht gefällt und mir auch nichts einfällt wo ich hin soll, gehe ich jetzt mal nach Pickering in England.Rein theoretisch.Warum nicht? Dort haben die Menschen einen charmanteren Akzent und es gibt viele alte Häuser dort. Und außerdem, was noch viel bedeutsamer ist als alles andere, astrologisch gesehen wäre England angeblich der Ort meines Glücks. Würde ich in England leben, wäre ich glücklich und erfolgreich.Das hat mir meine Mutter erzählt, die mit einer Astrologin befreundet ist, die das gesagt hat, weil ich den Mond in den Zwillingen habe.Ich mußte erst mal lachen, aber dann wollte ich es schon genauer wissen. Der Mond in den Zwillingen, das hat ja jeder zwölfte Mensch, sollen die alle nach England gehen? Ich finde Ortsastrologie unglaublich interessant und wüßte ja sehr gerne aus astrologischer Sicht wie ich  meinen  Zwillingsmond helfen kann, solange ich noch in Kanada bin.Es ist ja bald Weihnachten und ich glaube, daß ist mein Weihnachtswunsch. Ein Ortshoroskop.

Nochmal zu England. Ich war einmal für drei Wochen dort. Ich war zwölf und habe bei fremden Leuten gewohnt, die eine Tochter in meinem Alter hatten. Es waren Bekannte von einer Freundin meiner Großmutter und ich wurde dorthin geschickt um englisch zu lernen. Ich war an einem kleinen vergammelten Ort am Meer in Wales,habe leider den Namen vergessen. Zeitweise hatte ich ziemliches Heimweh und auch wurde ich hin und wieder von ekelhaften Gerüchen belästigt.Und zwar fuhren wir manchmal in die Stadt zum Besorgungen machen, ich glaube es war Swansea und dort gab es sehr viele Butcher, und es hat so schlimm gestunken, weil sie Schaffleisch verkauften. Ich hielt immer die Luft an, wenn wir an so einem Laden vorbeigegangen sind. Manchmal bin ich mit meiner englischen Freundin ( also so richtig gut haben wir uns nicht verstanden, sie war ein bischen eine Pussey) in dem vergammelten Ort in dem sie gewohnt hat in  ein Cafe gegangen und haben Eiscremesoda getrunken.Das war der absolute Hit dort.Eine Kugel Vanilleeis in einem Glas Mineralwasser.Der zweite schlimme Geruch an den ich mich erinnern kann war der Mundgeruch von „meiner Schwester auf Zeit“. Wir spielten einmal Schnurtelefon mit leeren Konservendosen und Wollschnur und einmal tauschten wir die Dosen, weiß nicht mehr warum, jedenfalls habe ich fast gekotzt, weil ich in ihren Mundgeruch sprechen mußte. Ein andermal war ich mit ihr Schuhe kaufen, das war sehr interessant. Es war das Jahr 1978 uns sie suchte sich ortopädische Plateauschuhe aus. Ich habe das gar nicht verstanden.Komischerweise kann ich mich nicht an ihre Mutter erinnern,vielleicht war sie unsichtbar.Aber ihr Vater ist mir sehr gut im Gedächtnis geblleiben, er sah aus wie Bing Crosby, sprach wie Bing Crosby und war ein riesiger Fan von Bing Crosby. Er war sehr nett zu mir, und er mochte mir sehr gerne.Lustigerweise hat er mir beigebracht wie der Ort mit dem längsten Namen auf der Welt heißt und ich habe es mir bis heute gemerkt. Chlangweilpuchgwingechgogerachwirndrobuchchlangdeseiliogogogoch. Das ganze war auf walisich geschrieben, ich habe es so geschrieben wie mans spricht.Dieser Ort ist auch in Wales.Ich werde diesen Namen nie vergessen, aber der Ort wo ich war, den konnte ich mir nicht merken. Die Pussey hat mich oft zum lachen gebracht, sie hatte vor allem Angst. Ein Mensch mit Hund kam uns entgegen, sie lief heulend auf die andere Seite. Einmal waren wir am Strand, und wir sahen einen nackten Mann in der Ferne, sie lief schreiend davon. Einmal nahm sie mich mit zu ihrer Oma. Puppenstube, Porzellan und eine alte Dame wie aus dem Bilderbuch.Sie gab uns Tee und Kuchen, Der Kuchen war so trocken, daß man ihn nicht essen konnte.Auch war ein graues Haar in meinem Stück. und der Geruch in ihrer Puppenstube war abscheulich.Sie kochte gerade rote Beete. Trotzdem war es lustig dort, ich spielte der alten Dame einen Streich. Damals gab es so Fellschlüsselanhänger, ein langer Fellschwanz, eigentlich total geschmacklos, aber ich hatte so einen, wenn auch keinen Schlüssel. Ich nahm in in die Hand knüllte ihn zusammen und erzählte ihr, das wäre meine Maus. Sie kann sie gerne streicheln. Omi hatte Angst und ich habe mich schlapp gelacht.

Meine Zeit in England hat auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meinem Gedächtnis. Die nette Familie hat mir sogar London gezeigt. Bing Crosby 2.0 hat eine Superführung für mich gemacht. Die Horoskoptante hat wahrscheinlich Recht mit England. Auch kann ich mich erinnern, daß ich mich zu dieser Zeit noch selber mochte. Und wenn ich so zurückdenke war ich damals als 12 jährige eine lustige freche, aber trotzdem nette selbsbewußte Person.Ich will diese Person wieder sein. Komisch wie Erinnerungen die Stimmungslage ändern können. Ich fühle mich jetzt irgendwie wohler als vorher. Nur weil ich an England gedacht habe.

Mein Boyfriend ist in England geboren und meine Tochter möchte unbedingt british sprechen lernen, weil sie es so hübsch findet. Wenn das keine Zeichen sind. Wenn ich down bin, denke ich ab jetzt einfach an England.Das wird ab jetzt mein Mantra sein.Porzellantassen mit Rosen drauf, alte Tanten in Puppenstuben, Eiscremesoda in der Hafenstadt, Pommes mit Essig und und und. Schwerromantisch.

Mein Rückflug  war übrigens auch toll. Ich saß neben einem berümten österreichischen Zauberer und wir haben uns super unterhalten.Ich erzählte meiner Oma und meiner Tante von dem Zauberer. Sie sagten: Der Borax! Was, neben dem bist du gesessen? Na schau mal einer an.

Ich bin jetzt ein wenig abgeschweift, hat gut getan, aber ich muß jetzt noch etwas von dem Parkplatz mit der Heizungskelleratmospäre erzählen, ich meine da, wo ich mich momentan aufhalte. Es ist ja nicht viel passiert in letzter Zeit, wie auch in der gesamten Zeit davor sich nichts ereignet hat. Was habe ich gemacht? Ich habe ein paar Bilder gemalt, die aber wegen der Abwesenheit meiner Seele arm im Ausdruck sind.

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geflüchtete Seelen

Ich war ein paar mal im Prinzessin Diana Gedächtnispark und habe Äpfel gesammelt. Die lagen einfach so auf dem Boden rum, im schönsten apfelrot.Und sie sind ausgesprochen lecker. Wirklich. Ich esse seit drei Wochen jeden Tag Apfelmus. Mein neues Hobby.Und wir haben letzten Samstag unsere süße Katze Lolita kastrieren lassen. Das war aufregend und aufreibend. Ich kam mir sehr gemein und hinterhältig vor.Erst wird sie ihrer eierstöcke eraubt ohne daß sie gefragt wurde und dann  muß sie für sieben Tage so einen abscheulichen Kragen tragen, damit sie die Op Narbe nicht aufleckt. Jetzt hat sie nur noch eineinhalb Tage übrig. Es ist so ein Elend, eine Katze, die sich nicht putzen kann, aber ich muß sagen, Lolita, die kleine Kratzbürste verhält sich ganz vorzüglich mit ihren Kragen. Sie ist viel kuscheliger und anhänglicher mit Kragen. Am Freitag um 17.Uhr kommt der Kragen runter. Dann sind genau  7 Tage um. Ich leide wirklich mit der Katze mit, wahrscheinlich mehr als sie.

Während Lolita im Tierhospital weilte, daß in Etobicoke,einem Vorort von Toronto, liegt, mußten wir uns die Zeit irgendwie vertreiben. Wir gingen zur Pferderennbahn und schauten uns das Gebäude von innen und außen an. Da es erst 9.30 am Morgen war war nichts los. Trotzdem war es ganz interessant.

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Danach sind wir in so einen Selbstmörderpark gegangen, also Etobicoke ist sogar noch einen Zacken häßlicher als Pickering. Im Park überfiel mich ein Stück Hoffnungslosigkeit und ich dachte mir: Ohh du meine Scheiße, ist das trostlos hier! Beweis? Bitteschön, einmal Foto angucken.

Ausblick vom Skihügel in Etobicoke

Dagegen ist Pickering ja ein Ort für die Flitterwochen.

Pickering, Canada, sunset mit großen Schwestern und rosa Himmel

Abschließend bevor wir unser Kätzchen abholten, gingen wir noch in eine Mall unweit vom Tierhospital. Dort gab es einen kleinen Vergnügungspark mit einem traumhaftschönen Karussell.

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Karussel in der Mall

Interessant auf der metaphysischen Ebene ist die Sache mit den Pferden an diesem Tag. Erst gehen wir auf die Pferderennbahn(ungeplant), dann sehen wir ein Pferdekarussell( zufällig) und Lolita läuft und bewegt sich wie ein Pferd, seit sie diesen Kragen tragen muß. Things come in three.So ein Spruch, der manchmal stimmt.Auch wenn er spinnt.

Und das war es für heute, ich werde jetzt meine L -Theanin Pillen schlucken, ein bischen mit Lolita Bringmirdiemaus spielen,mit meinem Boyfriend, dem lonesome Trucker telefonieren, meiner süßen Tochter Gute Nacht sagen und dann in mein geliebtes Traumland hinübergleiten, daß mich hoffentlich mit einer sehr genialen Idee beschenkt.

Ich muß es mir nur wünschen.

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