Kanada Report, Teil 10

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hard working guy

Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Das liegt zu einem Teil an meiner niedergedrückten Stimmung, zum anderen Teil mangels Stimulation. Im Grunde genommen hat sich nichts geändert, es ist genau so ereignislos wie es die ganze Zeit hier war und ich habe keine Lust mir irgendetwas schön zu reden.Allerdings gibt es in diesen ganzen Tagen Wochen Monaten absoluter Ereignislosigkeit, doch noch eine paar unauffällige, aber doch irgendwie interessante Begebenheiten. Es passiert immer was, sogar in Isolationshaft.Es gibt eine unbedeutende  Sache, die mich nachdenklich gestimmt hat, bezüglich meines Blogs. Für mich ist mein Blog einfach eine Sache, die mir Spaß macht, die das Eis in mir aufbricht und ein mir wenig Lebendigkeit, Freiheit und Auftrieb gibt. Es ist so wie ein Schiffbrüchiger, der sich an einem Wrackteil festklammert, im einsamen Ozean halbtot umhertreibt und auf Rettung wartet und plötzlich einen fliegenden Fisch sieht.Der ihm irgendwie Hoffnung gibt. Warum, kann man nicht erklären, weil es sich um ein Gefühl handelt und Gefühle sind nun mal sehr schwer zu erklären.Ich wollte eigentlich schon vor über einem Monat wieder einen Beitrag schreiben, da hat mir eine fremde Frau einen Kommentar geschrieben, der mir die Lust aufs Schreiben erstmal ziemlich verdorben hat. Ich habe den Kommentar sofort entsetzt gelöscht, habe mich jedoch an jeden einzelnen Buchstaben erinnert und intensiv darüber nachgedacht. Sie schrieb unter anderem: Hört sich ja alles so negativ an! Also sie meinte die Sachen die ich so über Kanada schreibe. Sie berichtigte mich auch noch bezüglich eines Berichts über einen Vogelnamen, und während ich ihren Kommentar las,konnte ich ihre kurz angebundende Lehrerinnenstimme hören. Gute Frau, Sie sind auf meine ganz perönliche Insel eingedrungen, wo ich das sage was ich sagen will,und wenn es Ihnen nicht gefällt, hey es ist meine Insel und ich zwinge niemanden sie zu besuchen.Wollte ich nur mal klarstellen. Allerdings hat sie ja recht, meine Berichte strotzen nicht gerade vor Lebensfreude. Was solls, ich bin inzwischen über die Kritik der unbekannten Frau hinweg, und heute wird es dafür wieder so richtig düster. Jawoll! Ätsch Bätsch! Die Leute ziehen sich auch jeden Tag die Nachrichten aus aller Welt rein, und sagen noch daß es wichtig ist, man Bescheid wissen muß was so los ist. Und das sind sehr, sehr selten undeprimierende Nachrichten. Dagegen sind ja meine Nachrichten aus Kanada total überschäumend positiv und vor allen kann ich garantieren, daß sie nicht nur auf wahren Begebenheiten basieren sondern zu 98 prozent wahr sind. Manchmal schmuggel ich eine kleine Lüge rein,aber nicht aus manipulativen Gründen, sowie die Nachrichten, sondern aus künstlerischen Gründen. Also kleine Lügen für das Wohlbefinden.

Aber jetzt zu den harten Fakten. Es ist tatsächlich Sommer geworden.Sommer in f…..Pickering. Es gibt sehr viele wilde Blumen im Legoland und man kann leichtbekleidet aus dem Haus gehen.Oft weht eine frische Brise, und die Lufttemperatur war bis jetzt sehr angenehm. Es gab ein paar schwüle Tage, die schön wären am Meer, aber nicht in Legoland. Dieses Gefühl, daß ich mich in einer gefährlichen Sektenparalellwelt verirrt habe, wird immer stärker. Als Kind habe ich mal so eine Film gesehen, wo Menschen geschrumpt sind und sie in einer total leeren Stadt waren und sie wußten nicht was los ist. Ich weiß nicht mehr wie der Film hieß,aber er ein Alptraumgefühl perfekt transportiert. Und so ein ähnliches Gefühl habe ich hier. Die ganze Zeit. und meine Tochter auch.Und es hängt nicht mit PMS oder sonstigen Hormonstörungen zusammen, sondern mit…. keine Ahnung…Hirnstörung…Frequenzstörung….ja, ja es ist eindeutig die falsche Frequenz. die Frequenz hat mich mit langen schwarzen behaarten Armen mit grünen Fingernägeln gefangen und mich an sie gefesselt und geknebelt.

Neulich auf einem Roadtrip, kam uns ein Traktor entgegen, der Traktorfahrer war schwarz und trug einen weißen Smoking mit einer roten Nelke im Knopfloch. Ich verpaßte es, ihn zu fotografieren,Mist, in der Hoffnung, daß der nächste Traktorfahrer auch Smoking trägt, fotografierte ich den darauffolgenden Traktor. Die Hoffnung stirbt zu letzt. Ein Satz, der mein Abendgebet ist, seit ich hier wohne.

Neulich auf einem Roadtrip, kam uns ein Traktor entgegen, der Traktorfahrer war schwarz und trug einen weißen Smoking mit einer roten Nelke im Knopfloch. Ich verpaßte es, ihn zu fotografieren,Mist, in der Hoffnung, daß der nächste Traktorfahrer auch Smoking trägt, fotografierte ich den darauffolgenden Traktor. Die Hoffnung stirbt zu letzt. Ein Satz, der mein Abendgebet ist, seit ich hier wohne.

Und dann hatte ich neulich diesen seltsamen Traum.Einer der sehr seltenen Male seit ich in f….Pickering vegetiere, daß ich mich an einen Traum erinnern kann. Als  ich noch in Berlin gelebt habe, konnte ich mich meistens an meine Träume erinnern, aber hier bin ich so leer wie eine Wasserflasche in der Wüste. Also hier kommt mein Traum. Ich sitze an einem Tisch mit fremden Menschen. Alle haben kleine Schüsseln vor sich stehen. Sie haben sich zu einer Mahlzeit versammelt.Ob ich auch eine Schüssel hatte, weiß ich nicht.Einer sagt was, alle nehmen ihre Schüssel in die Hand, schauen sich an, sagen:“Harsh „, und dann essen sie einen Haps aus ihrer Schüssel. Dann sagt wieder einer etwas, kann mich nicht erinnern, was, wieder schauen sich alle an, nehmen ihre Schüssel in die Hand, sagen einen Satz in einer fremden Sprache, hört sich so an wie ein satanischer Spruch auf Latein. Dann essen sie wieder aus ihrer Schüssel einen Haps. Der Gastgeber war übrigens ein Mann, die Gäste waren alle Frauen, so um die 60 und sie hatten diese typischen Oma Frisuren, also kurze eingedrehte Haare.So das war auch schon mein Traum. Aber er war schon krass. Er war harsh. Ich bin im Arsch.Ich habe mich so gefreut, daß ich mich an meinen Traum erinnert habe, endlich hatte ich auch mal was zu berichten. Hallo ihr lieben Engel, ich brauche ganz dringend eure Hilfe.Ich bin ein verzweifelzer Zombie in Legoland, die Menschen sprechen Latein und essen kleine Hapse aus kleinen Schüsseln und sprechen verschwörerische Verse.

Was der Traum bedeutet ist so ziemlich eindeutig. Ich bin einsam unter Hapsern, die alles harsh finden. Genauso fühle ich mich, ich kann niemanden erzählen wie es mir geht, weil es zu harsh ist für die Honigflüsterer in Kanada. Sie bekommen ihr Leben in kleinen Schüsseln serviert von ihren Machern, den Sektenführern. Sie haben alle die gleichen Frisuren(nur im Traum) und die komischen lateinischen Verse sind in Wirklichkeit kommunistische Marschlieder. Ich weiß nicht warum ich am Tisch sitze mit ihnen, es waren die langen Krallen der falschen Frequenz.  Also jetzt mal ganz ehrlich, hört sich doch alles superspannend an. Man könnte eine Fernsehserie daraus machen.Hapser Harsh, der Honigflüsterer. Es geht um einen charismatischen,eisseeligen Sektenführer mit Toupet und kantigem Kinn. Und es gibt eine Gegenspielerin.Lou Lou, das Mädchen mit der Hundenase. Sie hat eine Mission. Hat Hapser eine Chance gegen sie?

Zukunftsvision

Ich bin seit fast einem Jahr hier, in fünf Tagen sind es genau elf Monate und es war für mich bis jetzt so ziemlich die unkreativste uninspirierteste Zeit meines Lebens. Die Frage ist, ist es eine persönliche Phase, die unabhängig von einem Ort ist oder ist es meine armselige geistige Verfassung die mich gefangen hält. Die Rache der Götter? Ich kann die Frage nicht beantworten und wenn man mich dazu zwingen würde, hätte ich aber dann doch eine Menge dazu zu erzählen. Vielleicht ein ander mal, vielleicht warte ist bis das Jahr rum ist, und vertraue auf den Jahresrythmus.Hallo Jahresrythmus, sei mir gnädig. Gnädiger Jahresrythmus, befreie mich aus der Sekte der honigflüsternden Hapser und werfe mich in eine Welt, wo Meerjungfrauen abends in Jazzbars durch Whiskeygläser tauchen oder sich sich von Kronleuchter zu Kronleuchter hangeln ,wo es Kirchen gibt für die Katzengötter, wo Blumen aus dem Kopf wachsen, wo es Gesichter gibt die man sich merken kann,wo man mit Energie auffwacht und voller Tatendrang den Tag beginnt, der immer ein bunter und spannender ist.

So vor ca 2 Wochen gab es aber dann doch ein großes beglückendes Ereignis.Wir haben Familienzuwachs bekommen. Jane hat eine Schwester. Sie heißt Lolita und ist kanadisch.Eine kanadische Katze. Auf dem Weg zu einem sauberen See, ohne Bakterienverseuchung,sah ich ein Schild auf der Straße. Kitten for free. Ich sagte total unberechnend: Da war ein Schild, Kätzchen zu verschenken.Er fragte, ob wir ein Kätzchen möchten. Ich sagte, ja klar, ich bin absolut verrückt nach Katzen,aber geht nicht Jane hat eine Allergie, aber Jane sagte, ach egal du wünscht dir doch so sehr eine Katze, und er drehte um und wir fuhren zu dem Bauernhof. Peter parkte und hupte. They way you do it in Canada, informierte er uns.Eine Frau kam aus dem Haus. Sie sagte, sie bringt die Katzen raus. Zwei finster dreinschauende Bauernmaids erschienen mit je einem Kätzchen auf dem Arm. Wir hatten die Auswahl zwischen einer bunten kleinen gerupften unterernährten und einer hübschen gesunden Schwarzen. Ich konnte mich nicht entscheiden, beide waren so süß, aber Peter und Jane wollten die kleine gerupfte. Sie erkannten ihr Potential und wir setzten sie in meinen Hut und fuhren zum See. Der See war leider an diesem Tag nicht sauber, er war bakterienverseucht,(egal, wir gingen trotzdem ins Wasser) ,und der Strand war voll mit Gänsescheiße. Lolita, den Namen bekam sie während der Autofahrt von Jane, blieb am Strand brav unter unter dem Hut sitzen. Ich habe mir schon sehr lange eine Katze gewünscht. Wie sich herausgestellt hat, ist Jane gar nicht mehr allergisch gegen Katzen. Jedenfalls nicht gegen Lolita.Lolita ist eine Black Tortie, das bezeichnet die Fellfärbung und die Chinesen sagen solche Katzen sind Glückskatzen und bringen Geld ins Haus.Diese Chinesen! Wer weiß, vielleicht haben sie Recht. Die Katze hatte auf jeden Fall Glück, daß sie bei uns gelandet ist, sie wird den ganzen Tag angebetet.IMG_6737

Jetzt kommt aber noch etwas sehr praktisches. Ein Tip für alle Wahnsinnigen, die nach Kanada auswandern wollen, und auch für die Vernünftigen, die nach Kanada auswandern, wobei Vernunft in diesem Fall eine ganz neue Bedeutung bekommen würde. Ich glaube ja , wenn man reich ist, und zwar an Geld, und hier her kommt, ist es völlig ok. Es gibt ganz bestimmt wunderbare Orte hier und wenn man die Mittel hat und zwischendurch auch noch woanders hinfliegen kann, spricht echt nichts gegen Kanada.Ist man jedoch um seine Zukunft besorgt, ist der Job in Deutschland einfach zu deprimierend und träumt man von dem großen Geld und der großen Freiheit, denkt man, man könnte das große materielle Glück finden, denen sei gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Vielleicht war es mal so, aber wenn man bedenkt, daß Nahrungsmittel und Kosmetikartikel, Telefonkosten, Mieten Heizungskosten, Strom und vieles mehr viel teurer sind als in Deutschland,man aber verhältnismäßig nicht mehr verdient, dann kann man sich den Traum vom fetten Leben lieber schnell umträumen. Was außerdem ganz furchtbar schlimm hier ist, man kann die Fenster nicht richtig aufmachen. Die Fenster sind so: Es gibt ein großes Fenster, unter dem sind zwei Minifenster, von denen man eines aufschieben kann.Wie ich hier ankam, habe ich  Panikattacken wegen der Fenster bekommen. Was allerdings sehr positiv hier ist, es gibt sehr viele schöne wilde Blumen, und wer gerne Blumen pflückt,der hat in den Sommermonaten seine wahre Freude. Jetzt kommt mein Tip, bezüglich des Führerscheins. Hat man einen deutschen Führerschein und will ihn gegen einen kanadischen umtauschen,weil man aus Wasfürgründenauchimmer unbedingt in Kanada leben will, dann darf man sich auf gar keinen Fall von total unterbelichteten Angestellten beim Drive Test Center einschüchtern lassen. Es gibt ein Abkommen für Deutschland, Österreich, Frankreich und noch ein paar andere Länder, könnt ihr googlen, daß man den Führerschein einfach so umtauschen kann. Man muß 80 Dollar bezahlen und das war es. Allerdings sollte man unbedingt zur Botschaft oder Konsulat seines Landes gehen und sich dort eine Bescheinigung( kostet ca 45 Dollar) holen, die auch gleichzeitig als Übersetzung für den Führerschein gilt. Also Ausweis, Führerschein, Botschaftspapier und 80 Dollar. Hat man das Botschaftspapier nicht, kann es passieren, daß sie einen davon zu überzeugen versuchen, man müßte noch mal einen schriftlichen und einen Fahrtest machen, was natürlich harte Dollars kostet. Das wäre mir fast passiert, aber das war zur Zeit als der Merkur rückläufig war,Insider wissen was das bedeutet.Eine bösartige 60 jährige frustriere Drivetestcenterangestellte mit indischer Herkunft (Typ intrigante Tante der Heldin aus einer Bollywoodschnulze) wollte mich davon überzeugen, daß ich noch einen Fahrtest machen mußte und einen schriftlichen. Ich hatte eine Übersetzung von einem zertifiziertem Übersetzer, was aber vom Gesetz her total in Ordnung ist, aber die Botschaftsübersetzung ist sicherer. Jedenfalls hatte sie keine Ahnung von ihrem Job oder aber sie hatte eine ausgeprägte krimminelle Ader,und auf alle Fälle aber große Dagobert Duck Augen, bevor er in seinen Goldswimmingpool springt. Sie sagte mir jedoch daß ich mir dieses Papier von der Botschaft holen muß,aber die ganzen Tests würde ich trotzdem machen müssen. Ich dachte an den rückläufigen Merkur und sagte ihr ich würde wiederkommen. Also besorgte ich mir das Papier von der Botschaft und ging zusammen mit Peter(BF) hin, was mir Glück brachte, aber der Merkur war ja auch auf dem richtigen Kurs, und alles lief perfekt ab wie es im Gesetz steht. Keine Tests, nur 80 Dollar und alles Paletti.Wir gerieten auch nicht an die gierige Inderin, die in Goldarmreifen dachte, sondern an einen jungen freundlichen kompetenten Kanadier, der dank Augenoperation keine Brille brauchte, wie er uns erzählte.

Wenn man glaubt es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Excit her

Wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Exit her

So, das war es für heute, eine schönen Sommer wünsche ich euch allen noch und uns auch.

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