Kanada Report Teil 7

große Schwestern

Pickering, was für ein äußerst romantischrer Ort!!! Da bleibt einem nichts anderes übrig als wie ein Schlange durch das eigene Innere zu kriechen um etwas Neues in einem selbst zu entdecken, weil hier gibt es erst mal nichts mehr zu entdecken. Ich bin nicht mobil, kein Auto, kein Fahrrad, keine Rollschuhe, kein Skateboard, kein Einrad, kein Dreirad, kein Moped, nur meine Füße, die die immer die gleichen Wege gehen, vorbei an den gleichen Eichhörnchen, vorbei an den gleichen Betonklötzen, vorbei an den gleichen großen Schwestern, vorbei an den gleichen Altersheimen. Ich mache sozusagen eine Isolationstherapie. Gefangen auf der Bohrinsel. Gefangen in einem europäischen Experimentalfilm, gedreht in Pickering, der so langweilig ist, daß er garantiert einen Preis gewinnt, weil die schlauen Jurymitglieder genau wissen, was aus Langeweile entstehen kann und daß Langeweile gar nichts mit langweilig zu tun hat. Mir zum Beispiel ist nie langweilig. Ich kann meine Zeit so wunderbar vertrödeln, ohne daß mir auch nur eine Sekunde langweilig ist, daß ich mich oft frage: wo sind die Jahre hin, was ist mit den Stunden passiert,was zum Teufel haben die Minuten gemacht, wo bitte schön sind die Sekunden? Sie sind alle zu den großen Schwestern nach Pickering geflogen und sind in Strom umgewandelt worden, damit es in Zukunft keine Kernkraftwerke mehr gibt. Die Zeit die ich vertrödel plus die kanadische fleißige Sonne könnten die ganze Welt mit Strom versorgen. Neulich hat sie wieder verschwenderisch geschienen, kein Wölkchen am Himmel, minus 6 grad Celsius. Ich ging einkaufen, ging mal einen anderen Weg, in der Hoffnung irgendetwas zu entdecken, daß mich geistig, seelisch und intellektuell stimulieren könnte. Eventuell. Na ja, ich entdeckte eine menschenleere Staße und ein schwarzes Eichhörnchen auf einem Baum.

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Eichhörnchen Das war Stimulationsminimalismus pur und verloren in meiner Stumpfheit ging ich zu No Frills, dem Supermarkt meiner Wahl. No thrills at no frills. Auf dem Rückweg ging ich wieder wie gewohnt durch den Prizessin Diana Gedächtnispark und brauchte dringend eine Pause. Übrigens ist der Lady Di Gedächtnispark so was wie ein Erholungsgebiet in Pickering und die großen Schwestern wohnen darin. Anfangs haben sie mich gestört, weil sie so laut sind, wegen dem Strom, der durch ihre Adern rauscht. Inzwischen bin ich mir bewußt darüber, daß Lady Di,die holde Namensgeberin des Parks, (wie kam sie bloß zu dieser Ehre?) die großen Schwestern und ich eine seltsame Verbindung auf Energieebene haben. Ereignislosigkeit ist äußerst ermüdend. Ich setzte mich auf die vertrocknete Winterwiese, das braune Gras war weich und warm. Ich saß da streckte mein Gesicht in die wärmende Sonne. Fast hätte ich mich hingelegt. Aber ich wäre bestimmt eingeschlafen. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, außer in der Ferne eine schwangere Frau, die ihrem Kind auf dem Spielplatz die üblichen mütterlichen Spielanweisungen gab. Mütter auf Spielplätzen, gibt es etwas Öderes im Mutterdasein,als einem kleinen Kind dabei zuzuschauen wie es auf ein gelb lackiertes Klettergerüst klettert oder zum 100sten Mal die blöde Rutsche runterrutscht. Wie schon gesagt, die Frau war schwanger und jeder weiß was das für die nächsten Jahre bedeutet. Ein unendliche Wiederholung von Spielplatzausflügen in Pickering.

Meine einzige Abwechslung in den letzten Wochen war ein zweimaliger Ausflug im Truck mit meinem Boyfriend. So entfloh ich Pickering und sah den wunderschönen Highway of Heroes, die gruseligste Autobahn der Welt. Auf dem Weg, kurz vor Guelph sah ich ein wundersames Schild, wo Löwensafari draufstand. Kanada hat wirklich eine tolle Infrastruktur.Highway of Heroes LKW Parkplatz Destination Lastwagenparkplatz. Ich war da! Unweit von der Löwensafari.

Gestern abend, es war Sonntag, sowieso mein Lieblingsfeind als Tag, bin ich abends mit meiner Tochter rausgegangen auf einen kleinen Spaziergang im Schnee. Um es spannender zu machen warfen wir uns in ausgefallene Kostüme. Sozusagen Sonntagskleidung für Rebellen. 074

Es war nur ein Minispaziergang, weil es  recht frisch draußen war, minus 14 grad, und wir waren die einzigen Fußgänger. Wir entschieden uns für den Rollatorpark, der bei menschenfreundlicheren Temperaturen von Altersheimbewohnern bevölkert ist. Abends war es dort optisch reizvoller als tagsüber. 168 172 Dort trafen wir auf schneebedeckte Bänke. Eigentlich nichts Besonderes, nur wenn man über den Sinn einer Bank nachdenkt, daß man sich draufsetzen, sich ausruhen,vielleicht ein Zigarette rauchen oder ein paar Notizen ins Tagebuch schreiben möchte, dann ist eine schneebedeckte Bank zwar sehr hübsch anzusehen, aber nicht wirklich einladend.  Aber wer setzt sich schon bei minus 14 am Sonntag Abend in Pickering im Rollatorpark auf eine Bank. Eben niemand, weil sie voll Schnee ist. Es fällt mir schwer momentan noch ein interessantes Thema zu finden. Trotzdem muß ich was aufschreiben, damit ich weiß wohin die Sekunden fliegen. Sonst werden sie wieder in Strom umgewandelt, wie ich ja schon erklärte. Sekundenverschwendung plus Sonne mal Große Schwestern hoch 1000 plus Kernkraftwerke = Blackout Strommasten in Pickering

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