Kanada Report Teil 6

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Ich hatte ja versprochen etwas über Weihnachten in Kanada zu schreiben. Versprochen ist Versprochen. Und wird auch oft gebrochen. In diesem Fall jedoch nicht. Trotzdem ein Glück ist Weihnachten und der ganze abstrakte Wahnsinn vorbei und ein wunderbares neues spannendes Jahr erwartet uns allesamt und sonders. Hoffentlich. Wobei man ja selber auch nicht gerade zu einem kleinen Teil selber dazu beitragen kann, wie das Jahr so wird. Ich jedenfalls muß dringend so einiges ändern in mir selber. Mein Hauptproblem ist, daß ich nie irgendwelche Ziele habe, weil ich nie irgendwas will. So kann und darf es nicht weitergehen. Dennoch, auch wenn man es nicht weiß und wahrnimmt,führt einen doch eine unsichtbare Kraft. So hat sie mich hierher gebracht diese Kraft und ich muß herausfinden was ich herausfinden muß.

Ich war ja noch nie ein großer Fan von Weihnachten, aber  dieses Jahr, besser gesagt vergangenes Jahr,  habe mir Mühe gegeben es irgendwie schön zu finden. Aus gesellschaftlichen Gründen. Bin umgeben mit Weihnachtsfreaks.

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Ich weiß nicht wie weit sie gehen, wenn jemand Weihnachten nicht mag.  Hat nicht vollständig geklappt. Mit dem schön finden. Aber, ich mochte die kitschige Weihnachtsdeko und habe selber viele kleine Weihnachtsfiguren gekauft, weil mich dieser ungehemmte Kitsch einfach fasziniert.

032Diesen gruseligen Zombieweihnachtsmann mit Geisterkindern habe ich in einem Heilsarmeeladen entdeckt. Und nicht gekauft.

Wir hatten einen riesengroßen waldfreundlichen künstlichen Weihnachtsbaum seit Ende November bei uns stehen. Mit vielen bunten Lichtern und wunderschönen Weihnachtskugeln. Der Weihnachtsbaum war wunderbar, aber ich habe dabei nicht an Jesus, Maria und Josef und die heiligen drei Könige gedacht. Was ja eigentlich Weihnachten sein sollte. Als Kind habe ich das alles geglaubt und fand es toll. Aber jetzt ich glaube gar nichts davon, oder besser gesagt teilweise nichts davon und selbst wenn ich es vollständig glauben würde, was hat das mit Geschenkezwang und Vollfressen zu tun? Und wenn ich etwas nicht verstehe, dann kann ich es nicht schön finden. Ein großer Fehler. Zu kopflastig. Aber ist ja jetzt gut, alles gut überstanden! Ironischerweise hat  gerade mir der Himmel am 23.12 ein Weihnachtsgeschenk gemacht.  Ich lief gerade über einen Parkplatz und sah etwas rotes, kleines viereckiges  rumliegen. Ich ging erst vorbei, aber dann machte es Klick, und ich lief zurück und hob es auf. Ein Geschenkgutschein, Wert 100 Dollar. Ich nahm an, daß er noch nicht verbraucht war und freute mich sehr. Dennoch plagte mich mein Gewissen und ich überlegte ernsthaft ob ich ins Gefängnis kommen könnte, wenn ich ihn einlöse. Ich recherchierte sogar im Internet und las über Leute, die neu in Kanada waren und auch einen Geschenkgutschein gefunden haben und ihn eingelöst haben und extremen Ärger bekamen und das Land verlassen mußten.Ich bekam Panik. Aber der Reihe nach. Ich fand also diesen Gutschein für einen Laden, den ich sehr mag,  und ging schnurstracks dorthin. Ich kaufte mir zunächst eine Augencreme und Nagelhärter und zahlte scheinbar cool, aber in Wirklichkeit mit Herzrasen, mit dem gefundenem Gutschein. Für den Fall, daß nichts mehr drauf war, hatte ich noch genügend Bargeld in der Tasche.Nachdem ich bezahlt hatte, was wunderbar geklappt hatte, fragte ich beiläufig wieviel Geld denn noch drauf ist. 85 Dollar. Was für ein Glück. Zu Hause angekommen probierte ich gleich die Augencreme aus, so eine biologische.Darum wunderte ich mich auch nicht über die schwarze Oberfläche. Irgendein gesunder Wunderschimmelpilz oder vielleicht Kaviar. Ich schmierte sie sogleich unter meine Augen, aber dann kamen mir doch leichte Zweifel und ich untersuchte die Creme. Ok, das war kein Wunderschimmelpilz .Das war Ekelschimmel. Mir wurde klar, das Produkt war für den Umtausch bestimmt. Und dann kamen diese Ängste erst, daß ich vielleicht was Illegales mache und wie schon vorher erwähnt zog ich mir die volle Ladung Horrorgeschichten von unglücklichen Geschenkgutscheinfindern rein. Mein Boyfriend jedoch beruhigte mich und riet mir ganz schnell den Rest auszugeben. Also ging ich wieder zu dem Shop, gab die Ekelcreme zurück und verbrachte die nächsten 3 Stunden in dem Laden. Immer im Hinterkopf den Gedanken, daß ich irgendwie auffliegen könnte. Trotzdem ließ ich mir Zeit. Ich legte es voll drauf an. Ich fand eine neue Augencreme, einen Hightech Lockenstab für Töchterchen und mich und ein paar italienische Lederhandschuhe für meinen Boyfriend. Als ich mit dem Gutschein zahlte, ging kein Alarm los und niemand forderte mich diskret auf, doch mal mit ins Büro zu kommen. So viel dazu.

Anfang Dezember gab es eine Santa Claus Parade in Pickering. Erst wollte ich auf keinen Fall dahin, wegen meiner Weihnachtsphobie, aber dann war ich doch neugierig. Schließlich wohne ich ja hier und ich muß lernen cool zu bleiben und mir auch Dinge anzutun ohne zum Kritikmonster zu werden. Es war ein Erlebnis. Sportvereine, Feuerwehr, Pfadfinder, Bläserbands, Kindergärten und so weiter tuckelten gemächlich im Abstand von 5 Minuten vorbei.

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Ich weiß, es sieht alles nur mäßig interessant aus, aber wenn man nicht dabei gewesen ist, weiß man nicht was man verpaßt hat. Minus 3 Grad in Destination Pickering.

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Ich überspringe jetzt mal den Heiligabend und den Weihnachtstag, für einen Antiweihnachtsmenschen wie ich habe ich schon mehr als genug darüber geschrieben.

Nach Weihnachten haben wir einen Ausflug nach Toronto gemacht. Tochter wollte Shoppen gehen.Aber erstmal sind wir stundenlang in der Kälte rumgelaufen. Die Obdachlosen hier liegen direkt auf dem Gehweg und schlafen. Erst wunderte ich mich, weil es muß doch bestimmt auch für Obdachlose eine etwas kuscheligere Alternative geben als ein Gehweg in der Großstadt. Bis ich dahinter kam, daß sie auf den Lüftungsschächten rumliegen, wo extrem warme Luft raus kommt. Ein Glück, daß es sowas gibt.

Toronto ist eine Stadt mit Flair. Die Innenstadt mit den Hochhäusern ist relativ klein. Läßt man das hinter sich, wird es bunt und gemütlich.

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Nach unserem Rundgang gingen wir in so ein abscheuliches Shopping Center. Eigentlich ist es weltberühmt und „the mall to be“, aber  es war heiß und voll und nervend. Tochter mußte shoppen gehen. Shoppen ist so mit das Alleranstrengenste was es gibt, besonders wenn man vorher 3 Stunden durch die Kälte gelaufen ist. Manchmal gehe ich auch gerne shoppen, aber nur vormittags unter der Woche, wenn keine Menschen unterwegs sind. Jetzt weiß ich auch warum ich zur Zeit so bedrückt bin. Die ganzen Tiere, die hier normalerweise rumlaufen sind nicht mehr da. Man trifft nur noch Menschen. Zurück zu Toronto. Nach dem Shoppen sind wir nach Hause gefahren. Es gab kein wirkliches Highlight an diesem Tag, aber es war trotzdem ein schöner Ausflug in eine große Stadt.

Dann kam Sylvester, auch so ein Tag, den ich nicht mag. Und schon wieder eine Einladung.Ich wachte krank auf und wurde stündlich kränker. Ich schleppte mich abends zur Einladung und freute mich sehr darüber, daß es kein Feuerwerk gab. Das darf man hier nicht. Großer Pluspunkt.

Ein weiterer Pluspunkt hier ist der Himmel hier. Das ist der Blick aus unserem Fenster. Jeden Tag sieht der Himmel anders aus. Und so soll auch das neue Jahr werden. Jeder Tag anders in neuen Farben. Der Himmel kennt keine Routine.

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