Die optimale Selbspräsentation

Ich hatte das schon befürchtet, daß es eine Vorstellungsrunde geben würde und mich deswegen schon Tage lang selbst gefoltert, indem ich im Internet recheriert habe, was man denn so von sich geben soll, damit man eine guten Eindruck hinterläßt. Das kam mir alles reichlich geschwollen vor und so gar nicht ich. Aber auch wirklich nicht ich. Und dann hört man immer wieder: Man muß authentisch bleiben.

Ein Lieblingstip von meist ganz und gar unauthentischen Zeitsklaven.

Da habe ich mir folgende Rede überlegt, die ich jetzt veröffentliche, damit auch andere Menschen davon profitieren können:

„ In dem Unternehmen in dem ich vorher gewirkt habe, habe ich verantwortungsvolle Aufgaben organisatorisch kreativ bewältigt, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Meine Tagesziele habe ich meist schon zur Mittagszeit erreicht, sodass ich unerledigte Aufgaben aus der Zukunft in die Gegenwart transportiert habe, sie in Sekundenschnelle löste und sie sich dann in die endlose Reihe meiner vergangenen Erfolge einreihten. Die Firma für die ich gearbeitet habe, hat in kürzester Zeit so viel Gewinn gemacht, daß der Chef die Firma inzwischen aufgelöst hat, allen seinen Mitarbeitern eine großzügige Rente zahlt, und stressfrei auf seiner Privatinsel lebt. Das alles verdankt er meiner effizienten, schnellen, verantwortungsvollen Arbeitsweise und meiner Fähigkeit zukünftige Aufgaben zu vergangenen Siegen zu transformieren. Der Grund, warum ich hier bin, ist meine Mission, anderen Menschen dabei zu helfen möglichst schnell ihr stressiges Arbeitsleben zu beenden und endlich das zu tun zu dem sie berufen sind, was sie herausfinden werden, sobald ich auch hier mit meiner magischen Arbeitsweise wirken kann. Und alle Zukunftängste der modernen Welt werden bald der Vergangenheit angehören, sie werden zu Staub verfallen und von schwarzer Materie verschlungen werden. Auf Nimmerwiedersehen.“

Bild

Nach so einer Rede fühlt man sich befreit, selbstsicher und es macht einem auch gar nichts aus , wenn der Interviewer auf Nimmerwidersehen sagt, weil man weiß, daß er nur so von Neid zerfressen ist, weil ihm selber die rethorischen Geniegene fehlen.

Vielleicht bekommt man damit keinen Job, aber man gewinnt Zeit. Und deswegen braucht man auch nicht traurig sein, denn Zeit wird man in der Zukunft mehr brauchen als alles andere. Weil wir wissen ja alle, die Zeit vergeht immer schneller.

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