Spannende Busfahrt

Meine Tochter und ich sind beide sehr ähnlich in Bezug auf Sonntage. Wobei deutsche Sonntage ganz besonders schlimm sind. Und ehrlich gesagt, bin ich mir sicher, daß das in der Schweiz und Österreich nicht anders ist. Das liegt am Klima. Im Sommer bei Sonnenschein sind Sonntage nicht so schlimm.Aber im Winter, wenn alles grau und kalt ist, ist es furchtbar. Erst mal sind kaum Menschen auf der Strasse, was nicht so schlimm wäre, wenn die Menschen, die auf der Strasse sind, nicht so trostlos aussehen würden. Eingehüllt in Anoraks versuchen sie verzweifelt die Ödnis gut zu finden. Auf dem Weg in den Park, Friedhof oder beim Schaufensterbummel , obwohl die Geschäfte geschlossen sind. Körperlich ist ein Wintersonntag in Deutschland auch nicht gerade der Hit. Meistens fühlt man sich schlapp und müde, alles gepaart mit einer Wehmut über das Leben an sich.

Wir beide wollten gestern dem Sonntag den Kampf ansagen. Der Plan war folgender: Wir steigen in einen beliebigen Bus und fahren bis zur Endstation. Wir halten Augen und Ohren offen und sind bereit für Abenteuer. Wir machten uns also schick, und gingen aus dem Haus. Die Kälte ließ uns sofort an unserem Vorhaben zweifeln.“ Sollen wir wieder zurückgehen?“ fragten wir und gegenseitig nach 20 metern. Wir trotteten weiter und gingen zu einer traurigaussehenden Bushaltestelle. Kein Kunststück, die sehen so aus, weil sie Sonntage auch deprimierend finden. Also stiegen wir einfach in den nächsten Bus ein, und hofften auf das große WOW. Nein, ich übertreibe jetzt ein bischen. Wir hatten auch Kameras dabei und machten ein paar Fotos von unseren Sonntagskriegergesichtern. Die ersten 10 Stationen waren kein Neuland für uns. Danach gings los. Eintritt in die  Spandau Atmosshäre. Spandau kommt von spannend. Rechts und links leben moderne Bauten, die dazu dienen Menschen vor der physischen Kälte zu schützen. Es gibt Heizung und fließendes Wasser. Die Wände in den Wohnungen sind makellos und die Möbel staubfrei. Für manche Menschen wäre das schon sehr erstrebenswert in so einem Wohnkäfig zu leben. Aber sie wissen ja nicht womit das einhergeht. Diese Häuser klagen laut. Sie haben Schmerzen.Die Häuser haben eindeutig Depressionen. Wir schauen desillusioniert aus dem Fenster. Der Hoffnungsschimmer schimmert nicht. Dann wird es wider Erwarten ein bischen hübscher. Wasser und Boote, ein Waldweg. Sollen wir da spazieren gehen? Nein, der Plan war bis zum Ende fahren . Sollte das Ende auch endlos öde sein, fahren wir wieder mit der gleichen Buslienie zurück und steigen dort aus wo es ein wenig netter aussieht.

Die Haltestelle Alt Pichelsdorf, wenn ich mich richtig erinnere, sah ein bischen netter aus. Auf der rechten Seite gibt es einen Park mit tollen Überschwemmungen. Das hat was . Manche Bäume stehen im Wasser. Ich sehe uns schon dort eintauchen in die Magie der Natur und wir treffen einen alten Baum, der uns einen nützlichen weisen Ratschlag gibt.

Wir merkten uns die Haltestellen und fuhren weiter bis zum Ende. An Ödnis kaum zu übertreffen diese Haltestelle. Wir fragten den Busfahrer nach der Haltestelle um wieder zurückzufahren. Ich weiß, normalerweise ist sie auf der anderen Straßenseite, aber aus unerfindlichen Gründen hatte ich da meine Zweifel. Der Busfahrer ließ uns wieder rein, nach 10 Minuten ging es wieder zurück. Alt Picheldorf stiegen wir aus und machten uns auf in das überschwemmte Gebiet. Nach 3 Schritten wussten wir es besser. Es war matschig, es war kalt, wir lassen das mal schön sein. „Dann laß uns doch wenigstens mal kurz zum Fluß gehen.“ Also machten wir uns auf den Weg. Wir überquerten eine Ampel und dann überquerten wir sie wieder zurück und gingen zurück zur Bushaltestelle.Wir gaben auf. Der Sonntag ist nicht zu bezwingen. Er ist der stärkere. Wir müssen noch fünf Minuten an der Bushaltstelle frieren, dann geht es wieder in den warmen Bus. Der warme Bus ist das Highlight unseres Ausflugs. Danke Bus.

In unserer Gegend angekommen kauften wir eine Steinofenpizza bei dem Pizzarestaurant unseres Vertrauens. Während wir auf die Pizza warteten, fotografierten wir uns gegenseitig.

Als wir zu Hause ankamen war die Erleichterung groß. Unsere Kaninchen warteten  unterm Küchentisch und sogar die Kaninchen hatten ein bischen den Sonntagsblues.

Und was haben wir daraus gelernt? Hast du Langeweile, dann mach was noch Langweiligers, dann bist du froh, wenn du zum Langeweileausgangpunkt zurückkommen kannst.

Das erklärt so einiges.

Das war das Wort zum Sonntag.

An einem Montag

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