Nervtöter

Wenn das Wetter grau und kalter Wind die Finger bläut,

der Mann an so einem Tag den Keller aufräumt und die Frau helfen muß,

der Hausmeister laut im Hof rumwurschtelt,

das Kind die Hausaufgabe nicht versteht,

der Mann nicht lautlos essen kann,

fremde Opas einen mit Stielaugen anglotzen,

aufgetakelte Russinnen laut öffentlich  telefonieren,

Call Center Agenten einem zum Geburtstag gratulieren,

man verzweifelt Kaffee trinkt

man müde ist

die Füße frieren,

was macht Frau dann?

Sich die Haare eindrehen,

jungen Männern auf der Strasse nachpfeifen,

hohe Schuhe anziehen,

Kosmetik im Internet kaufen

noch mehr Kaffee trinken,

extra nicht kochen,

Fingernägel lackieren,

nackt am Fenster stehen

gekauten Kaugummi im Treppenhaus verteilen,

wenn der Hausmeister klingelt , ob man was gesehen hat

bietet man ihm einen Kaugummi an und sagt:“ NÄHHH, echt nicht“

und knallt die Tür zu,

das Radio mitsamt all seinen bescheuerten Sendern in den Papiermüll schmeißen

videos drehen von Leuten die das Radio im Papiermüll finden

Trickdiebkurs belegen, Handys von Russinnen klauen

und alten Leuten in die Tasche schmuggeln……

……

Ohh Mannn, ohhh Mann , mir geht’s echt besser jetzt

Prinz Illegal und das elegante Alien

In diesem Artikel geht es hauptsächlich um die Überschrift. So ist es meistens. So auch hier. Eines Tages war ich in der Stadt und sah dieses an einer  S Bahnhaltestelle.“ Kein Glück “ stand darauf. Und wäre ich damals jünger  gewesen,  hätte ich sofort mein ganzes Leben gescannt und das zufällige Entdecken dieses  verwitterten Plakats sehr depressiv gedeutet. Aber dem war ja glücklicherweise nicht so. Ganz im Gegenteil. Sofort sah ich vor meinem geistigen Auge die anderen Wörter, die auch noch draufgeschrieben waren. Es stand dort im Verborgenen:“ Kein Glück dieser Erde ist groß genug, wie die Erde selbst, die in diesem haust.“

Ein schwer verständlicher Satz. Gerade zu unverständlich.  Philosophisch oder idiotiosch oder einfach andersdimensiontisch. Jedenfalls fand ich dieses Plakat sehr geheimnisvoll und ich bat die kleinen unsichtbaren Helferlein, die ständig um mich rumschwirrten um eine Führung zu dem Sinn dieser Worte, die ich nur erfand.

Ich erfand sie, weil die Anorakträger dieser Welt an diesem Tag in der Überzahl waren, genauso wie die Aufstrebenden mit den eckigen Brillen. Wer mich kennt, weiß genau, was das an labilen Tagen bei mir auslöst.

So führten sie, die unsichtbaren Helferlein mich in eine Stadt, fern der Heimat. Die Stadt war sehr modern. Irgendwas stimmte plötzlich nicht mehr mit meinen Augen, ich sah keine Farben mehr. Ich war gefangen in schwarz weiß. Die schwarze Statue, die ihr auf dem Bild seht, sprach zu mir. Nein , tat sie nicht. Aber trotzdem schien es mir, als wäre sie der Erfinder dieses unverständlichen Satzes: „Kein Glück dieser Erde ist groß genug, wie die Erde selbst, die in diesem haust.“ Und wie aus der Ferne hörte ich ihre Stimme diese Worte flüstern.

„Und so einer verdient eine Statue“, dachte ich mehr entrückt als verzückt und stieg in die S-Bahn

Was hat es denn mit der Überschrift auf sich, mag man sich fragen. Gar nichts, muß es denn?

Berliner Gastfreundschaft

Ich muß jetzt mal was los werden, auch wenn ich anecke damit. Das ist ja immer so, wenn man was loswerden will. Man schleppt es mit sich rum, weil man Angst um seine Beliebtheit hat. Was ist Beliebtheit? Das man geliebt wird?  Nein, das es den Anschein hat, daß man geliebt wird. Typisch für die Scheinwelt in der wir leben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gestern habe ich über Gastfreundschaft nachgedacht und meine Freunde und oder Scheinfreunde. Vielleicht ist es die moderne Kultur, vielleicht ist es hip, vielleicht ist es es aber auch nur einfach scheiße. Ich fange mal an mit den Geburtstagseinladungen, die ich hier in Berlin schon bekommen habe. Also, man ist eingeladen in ein bescheuertes Inlokal und darf alles, was man verzehrt selber bezahlen. Zu toppen von der Variante, man darf alles selber bezahlen und muß noch was zu essen mitbringen. Das ist noch zu toppen von der Variante, man bezahlt alles was man verzehrt selber und man bezahlt zusätzlich noch Eintritt. Es ist jetzt aber nicht so, daß es sich die Ausgaben irgendwie lohnen, sondern man wird mit auch noch mit der Gesellschaft in der man sich befindet bestraft.Ich kenne alle Varianten. Jetzt kommen wir mal zu Essenseinladungen. Kommen so gut wie nie vor. Wenn aber dann bitte:Vorsicht! Entweder Bioküche oder schlechte Köche.Oder two in one. Einmal wurde ich zu einem Gartenpicknick eingeladen. Der Gastgeber hatte weder eingekauft, noch saubere Teller oder Besteck. Zusätzlich zu der Verpflegung , mußten die Gäste auch noch das Grillen erledigen und natürlich den Abwasch vor und nach dem Essen. Das hört sich an, als würde ich fantasieren, ist aber in diesem Fall alles wahr und deswegen muß ich es ja auch loswerden. Wenn es  Fantasie wäre , würde es mich eher beflügeln als verstimmen. Ein anderes Gartenpicknick war gut gemeint, aber leider war das Fleisch, daß der zertifizierte Grillmeister grillte, nach 3 Stunden Grillzeit immer noch blutig. Der alte fette Hund, der dort rumlief, hat sich gefreut, als ich ihm heimlich mein Fleisch gab. Der Grillmeister bemerkte es und  war ein wenig beleidigt.Aber trotzdem, weiß ich , er hats gut gemeint.

Was auch weit verbreitet in Berlin ist, daß man Leute einlädt( ich koche übrigens ausgezeichnet und mein Mann auch)die Leute dann aber 5 Minuten vor Erscheinen absagen oder 2 Stunden nach dem sie hätten erscheinen sollen.Oder man stellt sich in die Küche , kocht was richtig Gutes, der Gast erscheint, erklärt aber ohne rot zu werden, daß er grade essen war. Ist mir alles schon passiert. Eine der großzügigeren Gesten ist, daß man zum Kochen eingeladen wird. Ich weiß ja, ist ja immer nett gemeint… Ich muß schon sagen Berliner Gastfreundschaft ist sehr kreativ und vielseitig in ihren Varianten. Es gibt aber, das muß ich auch sagen, eine kleine Hand voll wirklich gastfreundlicher Menschen in Berlin. Komischerweise sind das immer die Leute, mit denen man fast gar nichts zutun hat oder kaum kennt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen. Bei den beiden letzten beiden Gastgeber Varianten bedanke ich mich hiermit ganz herzlich!

Allen anderen will ich hiermit sagen: Bitte verschont mich mit euren komischen Einladungen!

Danke

Die Zauberin von der Pfaueninsel

Ein warmer Oktobernachmittag in Berlin. Was kann man damit machen? Warum nicht die Pfaueninsel besuchen, dachte sich  Elenora und rief ihre Freundin  Clara an. Die lag aber unpäßlich zu Bette, deswegen entschied sich Elenora ganz gegen ihre gesellige Natur diesen Ausflug alleine zu machen. Allerdings machte sie diesen Anruf nur von einem imaginären alten Telefon,und gesellig war sie schon gar nicht. Trotzdem war besagte Clara ihre beste Freundin und genau wie das Telefon 100 prozentig imaginär. Sie schmierte sich ein paar Schnittchen, zog sich ihren neuen Trenchcoat an und stieg in den 218 er Bus und fuhr mit einer Mischung aus freudiger Erwartung und nervöser Ängstlichkeit bis zur Endstation. Sofort fühlte sie sich in eine andere Zeit zurückversetzt, allerdings in eine Zeit, die sie gar nicht kannte, aber trotzdem gelang es ihr ein neues Gefühl zu entwickeln, was gar nicht so leicht war, wenn der Alltag einen fest im Griffe hat, so fest, daß man die Mauern nicht mehr verlassen kann. Es sei denn, man bemerkt in einer hellen Minute, daß sie gar nicht existieren.

An der Endstation angekommen , stieg sie in die Fähre, die sie innerhalb von 30 Sekunden zur Pfaueninsel brachte. Sobald sie einen ihrer müden Füße aufs Land setzte, fühlte sie sofort eine kleine Veränderung. Sie war nicht mehr ganz so die deutsche Apfelkuchen backende Großmutter, die sie eigentlich nie war, was aber trotzdem eine passende Beschreibung für ihr gesamtes Leben ist. In Ritualen und Gewohnheiten und Klischees  am Leben erfolgreich vorbeigelebt.

Ein neues Gefühl machte sich breit.Romantische Schwermut. Sie kannte nur die unromantische Variante davon. Sie mochte das Gefühl.Das verging aber ganz schnell und machte Platz für unbändige Abenteuerlust. Tatsächlich war dieser Ausflug etwas einmaliges, denn noch nie hatte sie alleine einen Ausflug gemacht. Immer war ihr Mann dabei und alles was er wollte ,wurde gemacht. Sie hatte ihr ganzes Leben noch nicht einen Wunsch durchgesetzt, so schien es ihr plötzlich. Boshaft überkam sie Freude, daß ihr Mann eines Tages verschwunden war. Sie hatte die Polizei informiert, als er nach 7 Tagen immer noch nicht vom Spaziergang mit dem Hund wiedergekommen war. Insgeheim hoffte sie, daß die Polizei ihn nicht wiederbringen würde und sie genoß ihre Tage vor dem Fernseher und ließ sich Pizza und chinesisch ins  Haus liefern. Einmal klingelte es an ihrer Tür, sie dachte es wäre der Lieferservice, aber es war die Polizei, die ihr mitteilte, daß sie nicht mehr weiter suchen würden, daß aber auch kein Verdacht auf Mord vorläge. Sie bedankte sich ein wenig zu überschwenglich. Eigentlich verdächtig, aber da der Polizeibeamte auch nur nach Hause wollte, schenkte er diesem ungewöhnlichen Verhalten keinerlei Beachtung.

Das war jetzt schon 10 Jahre her und die Zeit war verflogen und Elenora hatte es bis auf das Fernsehen, nämlich das sie sich ohne schlechtes Gewissen  jede noch so triviale Show ansieht ,nicht geschafft sich aus den Fesseln zu lösen. Und das waren ja auch nur neue Fesseln.  Sie war eine geborene Gefessellte. Bis zu diesem Oktobernachmittag.

Sie wußte nicht welchen der drei Wege sie nehmen sollte, aber ihre Füße bewegten sich ganz von alleine. Am Wegesrande waren die schönsten Hagebutten, die sie jemals in ihrem Leben in Fernsehen gesehen hatte und sie pflückte sie in wilder Freude und verschlang sie wie ein hungriger Wolf. Sie verfütterte ihre Schnittchen an die Ameisen und fing an sich mit einem Baum zu unterhalten.

Der Baum blickte ihr tief in die Augen und sagte ihr eine großartige Zukunft voraus. Sie müsse nur die Katze finden, die große Zauberin,die würde ihr Leben total verändern. Das war genau was sie brauchte. Eine radikale und endgültige Veränderung.Sie aß noch ein paar Hagebutten, die ihr so gut taten und machte sich auf der Suche nach der Katze.

Übergroße Blumen blühten am Wegesrand. Sie blühten und glühten, so kam es Elenora vor und es war fast ein wenig zuviel auf einmal für sie. Von der fernsehsüchtigen verlassenen älteren Frau zu einer Art Alice im Wunderland, von dumpfen Sumpf zu traumhafter Lebendigkeit, vom Großmütterchen zur Pionierin. Leichtfüßig lief sie über die Wege , immer schneller und immer leichter wurde sie und sie hörte wundersame Melodien.Sie flog vorbei an Schlössern und Tempeln

Dann gelangte sie wieder in ein Waldstück. Da sah sie die Katze, die auf einem Ast saß und sie einfach so anstarrte.

„Hallo Katze, ich bin hier und du sollst mir helfen. „Die Katze erhob sich von dem Aste, murrte mürrisch und ging langsam ins Waldesinner . Sie drehte sich immer wieder um, um zu sehen ob die merkwürdige Frau ihr folgte. Das tat sie . Tiefer und tiefer gingen sie in den Wald hinein. Dann verschwand die Katze auf einmal und verwirrt setzte sich Elenora auf einen Baumstumpf. Sie schloss die Augen und schlief ein. Als sie wach wurde hatte sie Federn und war eine wunderhübsche Pfäuin. Sie lebte glücklich, nicht bis an ihr Lebensende, denn für Pfauen auf der Pfaueninsel gibt es kein Ende.

 Übrigens lief auch ihr Mann auf der Insel als Pfau herum, er hatte vor über 10 Jahren die gleiche Idee gehabt. Manchmal in ihrem unendlichen Pfauendasein liefen sie sich noch über den Weg. Und erkannten sich nicht.